Technik

Video und Testgeräte: WePad will sich beweisen

Klaus Wedekind

Nachdem die WePad-Macher in den Verdacht geraten sind, ihr Tablet sei nicht funktionsfähig oder gar eine Fälschung, gehen sie jetzt in die Offensive. Journalisten sollen das Gerät noch im April persönlich testen dürfen.

Helmut Hoffer Von Ankershoffen ist in Beweisnot.
Helmut Hoffer Von Ankershoffen ist in Beweisnot.(Foto: picture alliance / dpa)

WePad-Chef Helmut Hoffer Von Ankershoffen geriet in Erklärungsnot, weil er bei der Präsentation des WePad in Berlin kein funktionsfähiges Gerät vorweisen konnte. Auf dem vorgestellten Prototypen lief nicht Linux, sondern Windows 7. Am Tag nach der chaotischen Pressekonferenz räumte dies der WePad-Chef zerknirscht ein.

Das vorgestellte Modell sei erst wenige Stunden vor der Präsentation vom Kölner Zoll freigegeben worden, sagt er. Das Gerät sei dann so kurz vor der Veranstaltung in Berlin eingetroffen, dass keine Zeit mehr gewesen sei, das eigene Linux-System aufzuspielen. Einen älteren, funktionsfähigen Prototypen habe man nicht zeigen wollen. Das sei ein Fehler gewesen und er nehme ihn "auf die eigene Kappe", schreibt Von Ankershoffen auf der Facebook-Seite des WePad. Er habe auf der Pressekonferenz aber "klar kommuniziert, dass auf dem WePad im finalen Gehäuse ein zuvor produziertes Screen Capturing läuft", betont er. Dass ein "echtes" Pre-WePad tatsächlich existiert, bestätigt Heise.de, dessen Vertreter das Gerät in Berlin kurz ausprobieren durfte.

Dubiose Namensänderung

Angeheizt wurde die Gerüchteküche auch durch die Tatsache, dass Von Ankershoffen früher einmal anders hieß. Als er 1996 mit der Suchmaschine "Fireball" erstmals für Furore sorgte, hieß er noch schlicht Helmut Oertel. Den spektakuläreren Namen erwarb er sich allerdings auf sehr unspektakuläre Weise: Er nahm den Namen seiner Frau an. Ein Fakt, der an sich nicht verwerflich ist. In Zusammenhang mit der misslungenen Präsentation und den großen Versprechungen bezüglich der Leistungsfähigkeit des WePad, heizte die Namensänderung aber die Fantasie vieler Kommentatoren an. Ein PR-Desaster.

Ist das WePad nur ein Fake?
Ist das WePad nur ein Fake?

Bei WePad hat man offensichtlich erkannt, dass der totale Verlust der Glaubwürdigkeit droht. Der Zeitplan, wonach Journalisten das WePad im Mai testen sollen, wurde geändert. Bereits am 26. April sollen nun "ausgewählte" Pressevertreter und drei Vertreter der Internet-Community funktionsfähige WePads testen dürfen. Die Community-Vertreter werden per Abstimmung auf Facebook bestimmt. Von Ankershoffen wünscht sich "am besten die Kritischsten, die Ihr finden könnt".

Zuvor soll auf Facebook noch ein "Beweis-Video" veröffentlicht werden. In dem "ungeschnittenen" Clip sollen zwei WePads in Aktion zu sehen sein. Das alleine wird die Skeptiker aber sicher nicht überzeugen. n-tv.de hat angeboten, einen Vertreter als Zeugen zu dem Video-Dreh zu schicken. Bisher hat Von Ankershoffen nicht geantwortet.

Angebliches Beweisvideo

Ein Video soll beweisen, dass es ein funktionierendes WePad gibt.
Ein Video soll beweisen, dass es ein funktionierendes WePad gibt.

Vorab hat die WePad GmbH jetzt ein Video auf ihren YouTube-Kanal hochgeladen. Laut Info-Text zeigt es zunächst, wie ein älterer Prototyp per Maus bedient wird. Danach soll zu sehen sein, wie das "Gerät im finalen Gehäuse" mit Fingern gesteuert wird.

Auf den ersten Blick wirkt das Video glaubwürdig. Es ist jedoch nicht zu sehen, wie die Geräte hochgefahren werden. Welches Betriebssystem läuft, ist also nicht zweifelsfrei zu erkennen. Von Ankershoffen schreibt auf Facebook, dass noch weitere Videos folgen sollen, in denen dies nachgeholt wird. Echte Zweifler wird dies aber vermutlich nicht befriedigen. Aus dem Video geht nicht hervor, wo sich die gezeigten Geräte befinden. Sind funktionstüchtige WePads in Berlin, sollten es sich die Macher überlegen, die Geräte bereits vorher von Journalisten begutachten zu lassen. n-tv.de ist dazu gerne bereit.

Quelle: n-tv.de

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