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Die Konkurrenz für Whatsapp wird größer.
Die Konkurrenz für Whatsapp wird größer.(Foto: dapd)

Bedrohliche Konkurrenz aus Fernost: Whatsapp ändert Geschäftsmodell

Von Roland Peters

Whatsapp ist eines der beliebtesten Smartphone-Programme überhaupt, mit riesigen Nutzer- und Nutzungszahlen. Nun plaudert Firmenchef Jan Koum über die Pläne des Unternehmens. Betroffen sind iOS-Nutzer sowie solche, die sich neue Funktionen und eine Desktop-Version wünschen. Die Konkurrenz schläft nicht - und lockt mit Gratis-Anrufen.

17 Milliarden Nachrichten übermittelt Whatsapp täglich, allein 100 Millionen Nutzer mit Android verschicken und empfangen Inhalte über den Messenger. Doch während die Kommunikation der Kunden brummt, ist das Unternehmen mit Äußerungen überaus sparsam. Gibt es Fehler in der Software, werden Presseanfragen häufig ignoriert, Stellungnahmen gibt es eigentlich nie. Die Entwickler lassen Versionen sprechen.

Eine solche neue Version soll es bald auch für die iOS-App des Programms geben. Kern der Änderungen wird diesmal jedoch keine Fehlerkorrektur, sondern ein angepasstes Geschäftsmodell sein. Während die Apple-Version bislang für 99 Cent im Appstore erhältlich ist und die Nutzung unbegrenzt und gratis, soll es nun wie auf sämtlichen anderen Plattformen - Android, Blackberry, Nokia und Windows Phone - funktionieren. Dann wird auch auf Apple-Geräten eine jährliche Nutzungsgebühr fällig, der Startpreis soll im Gegenzug wegfallen. Bei anderen Versionen kassiert Whatsapp 99 Cent pro Jahr.

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Die Änderung kündigte Whatsapp-Chef Jan Koum an. In dem Interview, das "TechCrunch" zitiert, gibt er seltene Einblicke in die Pläne des kalifornischen Unternehmens. "Mit Terminen nehmen wir es nicht so eng, aber definitiv dieses Jahr", sagte Koum über den Zeitpunkt der Umstellung. iOS-Nutzer, die Whatsapp bereits gekauft haben, bleiben demnach verschont. Das neue Abo-Modell werde nur für neue Kunden gelten, so Koum.

"Unsere Antwort ist Nein"

Der Unternehmenschef äußerte sich in dem Interview auch über eine mögliche Desktop-Version des Messengers. "Wir werden dies viel gefragt", räumte Koum ein, "und unsere Antwort ist Nein, nicht in nächster Zeit". Grund sei, dass sich der Markt immer mehr in Richtung mobile Kommunikation bewege.

Auch eine mögliche Integration einer Videochat-Funktion liegt wohl noch in weiter Ferne. Obwohl viele Whatsapp-Nutzer die Möglichkeit begrüßen würden, schloss Koum eine entsprechende Erweiterung des Messengers aus - zumindest für dieses Jahr.

Zum naheliegenden Vorwurf, das Programm sei der Grund für Einnahmeeinbrüche bei Telefongesellschaften, sagte Koum: "Wir sehen es als Evolution." Viele Nutzer verwenden Whatsapp als Alternative zur SMS. Das Unternehmen habe gute Geschäftsbeziehungen zu vielen Telekommunikationsunternehmen. "Wir machen revolutionäre Dinge. Die Welt wechselt in Richtung Daten und wir haben einige gute Partnerschaften", so der Firmenchef. So böten sie in Asien Roaming-Flatrates fürs Ausland an, die nur auf Whatsapp zugeschnitten sind.

Nahende Bedrohung?

Die Apps von Skype, Facebook oder "Line", die bedrohliche Konkurrenz aus Fernost mit über 100 Millionen Nutzern, bestätigen Koums Aussage, dass immer mehr Kommunikation auf die Datenebene verlagert wird. So ermöglichen die drei Konkurrenten Gratis-Telefonanrufe. Mit Whatsapp ist dies nicht möglich.

Solche zusätzlichen Funktionen könnten mittelfristig nicht nur die Telefonanbieter in die Bredouille bringen, sondern auch Whatsapp, falls Nutzer auf andere, vielseitigere Angebote umsteigen. Dann könnten die 17 Milliarden Nachrichten am Tag schnell weniger werden.

Quelle: n-tv.de

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