Technik
Das Surface Pro 2 und das Surface 2 werden durch Schutzcover mit Tastatur zu Laptops.
Das Surface Pro 2 und das Surface 2 werden durch Schutzcover mit Tastatur zu Laptops.(Foto: kwe)

Die zweite Surface-Generation im Test: Wie gut sind Microsofts neue Tablets?

Von Klaus Wedekind

Microsoft hat bisher mit seinem Windows-Tablet Surface nicht viel Glück gehabt. Eine zweite, verbesserte Generation soll das jetzt ändern. Sind das Surface Pro 2 und das Surface 2 dafür gut genug?

Man weiß zwar nicht genau, wie viele Surface-Geräte Microsoft bisher tatsächlich verkauft hat, doch ein großer Erfolg sind die Tablets mit Windows 8 und Windows RT für den Software-Riesen sicher nicht. Vor allem das RT, auf dem keine herkömmliche Desktop-Software läuft, liegt trotz massiver Preissenkungen wie Blei in den Regalen. Deshalb bringt Microsoft jetzt schon eine verbesserte Generation auf den Markt, obwohl das Surface Pro erst seit Juni verkauft wird.

Das Surface 2 ist deutlich flacher als das Surface Pro 2.
Das Surface 2 ist deutlich flacher als das Surface Pro 2.(Foto: kwe)

Die größte Neuerung beim Gerät, das mit Windows 8.1 Pro ausgeliefert wird, ist Intels Haswell-Prozessor, der vor allem sparsamer ist als sein Ivy-Bridge-Vorgänger. Mit 1,6 bis 2,6 Gigahertz ist die Taktung der zwei Kerne fast unverändert und auch bei den Grafikeinheiten ist der Unterschied zwischen der HD 4000 und der HD 4400 kaum groß genug, um ihn bei der täglichen Arbeit mit dem Tablet spüren zu können. Dass der Haswell weniger Strom verbraucht, macht sich aber deutlich bemerkbar. Im Test hielt das Surface Pro 2 trotz regelmäßiger Benutzung problemlos acht Stunden durch, was beim Vorgänger nicht so selbstverständlich war. Das bestätigt auch ein Powermark-Test von "Golem.de" , der dem Gerät bei 75 Prozent Helligkeit statt 3:45 jetzt 5:50 Stunden Laufzeit bescheinigt. Das Surface Pro 2 schluckt nur 7 bis 10 Watt, das Vorgängermodell 8 bis 13 Watt.

Hochwertig, aber schwer

Nur beim Pro 2 gehört ein Eingabestift zum Lieferumfang.
Nur beim Pro 2 gehört ein Eingabestift zum Lieferumfang.(Foto: kwe)

Ansonsten hat Microsoft nur den ausklappbaren Standfuß verändert, der jetzt in einer zweiten Stufe einen flacheren Aufstellwinkel ermöglicht. Das ist vor allem auf Reisen in Zügen und Flugzeugen angenehm, wenn man aus Platzmangel mit dem Gesicht relativ hoch über dem Surface Pro 2 ist. Wie gehabt macht das Magnesium-Gehäuse mit USB-3.0-Buchse, microSD-Kartenleser und Mini-DisplayPort einen extrem robusten und hochwertigen Eindruck. Einen Tick besser als beim Vorgänger ist das 10,6 Zoll große Display mit Full-HD-Auflösung, an dem man höchstens die doch sehr stark spiegelnde Oberfläche kritisieren kann. Die Farben scheinen dafür wie von Microsoft angegeben jetzt tatsächlich noch knackiger zu sein.

Leider ist das Surface Pro 2 mit 900 Gramm immer noch sehr schwer, weshalb man es nicht lange in den Händen halten möchte. Dafür ist es aber eigentlich auch nicht gemacht. Um perfekt mit dem Gerät arbeiten zu können, muss man das 120 Euro teure Touch Cover 2 dazukaufen, das zusätzlich 190 Gramm auf die Waage bringt. Es dockt zuverlässig und schnell per Magnetverbindung an das Tablet an und hat eine Tastatur integriert, die jetzt auch eine Hintergrundbeleuchtung bietet. Wer mit Zwei-Finger-Suchsystem schreibt, wird von dem exakt reagierenden Keyboard begeistert sein. Da dem Zubehör aber richtige Tasten fehlen, ist es für Leute, die das Zehn-Finger-System beherrschen, allerdings sehr gewöhnungsbedürftig. Sie sollten sich besser das Type Cover 2 mit mechanischer Tastatur für 130 Euro kaufen

Tablet mit Ultrabook-Eigenschaften

Die Klapp-Ständer der Surface-Geräte bieten jetzt auch einen zweiten, flacheren Winkel.
Die Klapp-Ständer der Surface-Geräte bieten jetzt auch einen zweiten, flacheren Winkel.(Foto: kwe)

Insgesamt ist vor allem durch den sparsameren Prozessor Microsoft mit dem Surface Pro 2 ein guter und sehr leistungsfähiger Laptop-Ersatz gelungen. Für Menschen, die ein Ultrabook für die Arbeit brauchen, das gelegentlich auch als Tablet zum Einsatz kommt, ist es eine sehr interessante Alternative. Allerdings bietet Windows 8.1 immer noch zu wenig Anreize, den Touchscreen zu benutzen. Ist das Keyboard angeschlossen, erwischt man sich schnell dabei, das Surface Pro 2 vor allem über das bescheidene Touchpad der Tastatur zu bedienen. Bei grafischen Anwendungen wie Photoshop leistet allerdings der beim Pro mitgelieferte Eingabestift auf dem Touchscreen gute Arbeit. Ansonsten dürften sich viele potenzielle Käufer fragen, ob sie die für Surface Pro 2 und Tastatur-Cover mindestens fälligen 1000 Euro nicht lieber in ein herkömmliches Ultrabook mit größerem Bildschirm investieren. Als reines Unterhaltungsgerät ist das Microsoft-Tablet etwas zu schwer, eine vernünftige Kamera fehlt und Windows bietet dafür auch nach wie vor zu wenig Apps.

Sehr gute Hardware, beschränkte Software

Was Gewicht und Maße betrifft, ist das Surface 2 das wesentlich handlichere Gerät. Es wiegt laut Microsoft nur 676 Gramm und ist 8,9 Millimeter schlank. In der zweiten Generation hat es jetzt auch ein Full-HD-Display und mit einer 5-Megapixel-Kamera hinten und einer 3,5-Megapixel-Frontkamera sogar eine bessere Foto-Ausrüstung als das Surface Pro 2. Der Klappständer bietet jetzt ebenfalls zwei Positionen an. Zwar weit entfernt von den Ultrabook-Werten des Surface Pro 2 hat Nividias Tegra 4 mit vier Cortex-A15-Kernen, die mit 1,7 Gigahertz getaktet sind, genug Kraft, um das Surface 2 in der ARM-Oberklasse mitsegeln zu lassen. Auch die Laufzeit ist hervorragend, das Surface 2 übertrifft hier sogar das neue Haswell-Surface-Pro.

Im Gegensatz zum Pro 2, das mit nacktem Windows 8.1 ausgeliefert wird, hat das Surface 2 mit Microsoft Office 2013 RT eine zwar abgespeckte, aber trotz allem sehr ordentliche Büro-Suite vorinstalliert an Bord. Das Software-Extra offenbart aber auch die große Schwäche des RT-Tablets. Denn selbst wenn man wollte, könnte man sich nicht das große Office-Paket installieren, da Desktop-Anwendungen nicht auf ARM-Systemen laufen. Nutzer sind daher auf die Anwendungen in Microsofts Store angewiesen und können sich beispielsweise keine Zweit-Lizenz von Photoshop oder anderer teuer bezahlten Desktop-Software installieren. Wer allerdings mit der eingeschränkten Software-Auswahl klarkommt und eine kleine, aber sehr feine Schreibmaschine möchte, die als Tablet nicht zu schwer in der Hand liegt, wird am Surface 2 seine Freude haben. Auch der Preis ist okay, mit 32 Gigabyte Speicherplatz kostet es 430 Euro.

Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen