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Beim Surface Pro 4 haftet der Pen magnetisch an der Seite.
Beim Surface Pro 4 haftet der Pen magnetisch an der Seite.(Foto: kwe)

Tablet mit Laptop-Qualitäten: Surface Pro 4 ist ein starkes Stück

Von Klaus Wedekind

Microsoft verkauft jetzt die vierte Generation seines Windows-Tablets Surface Pro. Es ist schneller, schlanker, leichter und schärfer als sein Vorgänger und kann Gesichter erkennen. Ob das den hohen Preis von mindestens 1000 Euro rechtfertigt, hat n-tv.de getestet.

Fast eineinhalb Jahre hat sich Microsoft Zeit gelassen, ein neues Surface Pro vorzustellen. Eine Revolution ist das neue Windows-Tablet nicht – die hat sich das Unternehmen für das Surface Book aufbewahrt. Das Surface Pro 4 ist eine konsequente Weiterentwicklung und daher muss man auch zweimal hinsehen, bevor man die optischen Unterschiede erkennt.

Das Pro 4 ist etwas dünner und leichter als der Vorgänger.
Das Pro 4 ist etwas dünner und leichter als der Vorgänger.(Foto: kwe)

Microsofts deutscher Chefdesigner Ralf Groene hat es hinbekommen, den Bildschirm von 12 auf 12,3 Zoll anwachsen zu lassen und das Gerät trotzdem etwas leichter und dünner zu machen. Dafür hat er unter anderem den Rahmen um das Display verschmälert, was das Surface Pro 4 auch moderner aussehen lässt.

Microsoft hat außerdem auf ein Windows-Logo auf der Vorderseite verzichtet und stattdessen den Schriftzug auf der Rückseite durch ein poliertes Windows-Logo ersetzt. Und die Lautstärkewippe ist nach oben neben den Einschalter gewandert, um dem jetzt magnetisch anhaftenden Surface Pen auf der linken Seite des Aluminiumgehäuses Platz zu machen. Rechts sitzen nach wie vor eine USB-3.0-Buchse, ein Mini-DisplayPort und der Stromanschluss. Links oben ist wie gehabt die Kopfhörerbuchse, der microSD-Karten-Einschub versteckt sich immer noch unter dem stufenlos verstellbaren Standfuß.

Stark, aber kein Hitzkopf

Erst nach der Installation eines alternativen Treibers legt die Samsung-SSD im Benchmarktest richtig los.
Erst nach der Installation eines alternativen Treibers legt die Samsung-SSD im Benchmarktest richtig los.(Foto: kwe)

Schaltet man das Gerät ein, wird sichtbar, wie zackig es mit Intels neuer Prozessor-Generation "Skylake" zur Sache geht. Das Surface Pro 4 ist bereits nach wenigen Sekunden startklar. Mit einem bis zu 2,5 Gigahertz schnellen Core i5 6300U und 8 Gigabyte Arbeitsspeicher gehört das Testgerät dabei nur zur neuen Mittelklasse. Microsoft bietet auch Tablets mit Core-i7-Prozessoren und 16 Gigabyte RAM an. Das Test-Surface dürfte aber den meisten Ansprüchen genügen. Es bewältigt mühelos auch aufwändigere Photoshop-Arbeiten flüssig und Hobbyfilmer können es problemlos für den Videoschnitt verwenden.

Die Kühlung soll dabei so gut arbeiten, dass auch der stärkste Core i7 immer seine Höchstleistung bieten kann. Beim Testgerät hört man die Lüftung nur selten rauschen, im Normalbetrieb kommt das Gerät die meiste Zeit mit der passiven Kühlung aus. Der Akku hält dabei in etwa so lange wie beim Surface Pro 3 durch. Microsoft gibt bis zu 9 Stunden bei der Videowiedergabe an, im Test hielt die Batterie  bei einer gemischten Nutzung fünf bis sechs Stunden durch.

SSD sucht Treiber

Links das Surface Pro 4, rechts das Vorgängermodell.
Links das Surface Pro 4, rechts das Vorgängermodell.(Foto: kwe)

Wie "ComputerBase"  herausgefunden hat, bremst derzeit aber noch ein fehlender Treiber die Samsung-SSD vor allem bei den Schreibraten aus. Und tatsächlich: Nachdem auf dem Testgerät ein alternativer Treiber installiert wurde, glänzte der Speicher im AS SSD Benchmark mit guten bis sehr guten Werten.

Das Display des Surface Pro 4 ist mit 267 ppi nicht nur schärfer, sondern auch sichtbar besser als der schon sehr gute Bildschirm des Vorgängermodells. Der Kontrast ist deutlich knackiger und Farben wirken natürlicher und leuchtender. Im direkten Vergleich scheint das Display des Pro 3 einen leichten Grünstich zu haben, während der neue Bildschirm perfekt kalibriert aussieht.

Infrarotkamera erkennt Gesichter

Über dem Display hat das neue Surface neben einer 5-Megapixel-Frontkamera zusätzlich eine Infrarot-Kamera zur Gesichtserkennung. Damit kann das Gerät die Windows-10-Funktion "Hello" nutzen, die alternative Entsperrmöglichkeiten zur Passworteingabe oder PIN bietet. Die Gesichtserkennung klappte im Test vorzüglich, nachdem die Kamera in den Einstellungen unter Konten Anmeldeoptionen auf verschiedene Lichtsituationen trainiert wurde. Nutzer erkannte das Surface Pro 4 schneller, als sie eine PIN tippen könnten und auch wer gelegentlich eine Brille trägt, kann die Funktion problemlos mit oder ohne Sehhilfe verwenden.

Die Infrarotkamera scannt das Gesicht sekundenschnell und entsperrt das Gerät.
Die Infrarotkamera scannt das Gesicht sekundenschnell und entsperrt das Gerät.(Foto: kwe)

Der magnetisch anhaftende S Pen nutzt dagegen in Deutschland noch nicht alle Möglichkeiten, die Windows 10 seit dem Herbst-Update eigentlich zu bieten hat. Denn bisher fehlt außerhalb der USA bei der digitalen Assistentin Cortana das Feld, über das handschriftlich Termine und andere Erinnerungen notiert werden können. Dafür dient beim neuen Pen der Druckknopf auch als virtueller Radiergummi und der Stift kann jetzt 1024 verschiedene Druckstufen unterscheiden.

Tasten nehmen Abstand

Um ein Surface wirklich produktiv einzusetzen, muss man es mit einem Tastatur-Cover kaufen, für das Microsoft nochmal 150 Euro extra kassiert. Das Type Cover wurde ebenfalls verbessert und kann auch am Vorgängermodell eingesetzt werden. Zwischen den Tasten ist jetzt ein deutlicher Abstand, wodurch man fehlerfreier und schneller tippen kann. Außerdem hat das neue Tastatur-Cover auch ein viel größeres und glatteres Touchpad als sein Vorgänger.

Insgesamt sind  Surface Pro 4 und das neue Type Cover eine gelungene Weiterentwicklung der besten Tablet-Tastatur-Kombination, die derzeit zu haben ist. Zwar kann sie kein vollwertiges Notebook zu 100 Prozent ersetzen, aber es kommt der Sache schon sehr nahe, so lange das Gerät auf dem Tisch steht. Auf dem Schoß platziert, bleibt das Surface Pro 4 mit Type Cover eine etwas wackelige Notlösung.

Alleine kostet das einfachste Gerät rund 1000 Euro, die günstigste Surface-Kombination 1150 Euro. Für die Testausstattung sind knapp 1600 Euro fällig, die teuerste Variante gibt's für 2600 Euro. Für so viel Geld bekommt man auch hervorragende Notebooks mit noch mehr Leistung. Wer aber vor allem ein Windows-Tablet haben möchte, das mit Tastatur-Cover auch gehobene Laptop-Aufgaben übernehmen kann, kommt um Microsofts Angebot kaum herum. Eine Alternative wäre das Surface Pro 3, das je nach Ausstattung bis zu 350 Euro günstiger ist und im Alltag fast ebenso leistungsfähig wie das neue Tablet.

Quelle: n-tv.de

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