Wirtschaft

Liveticker zur Griechenland-Krise: +++ 22:53 Athen bittet IWF um Verlängerung +++

Letzter Versuch kurz vor Ablauf der Frist: Die griechische Regierung hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) um eine Verlängerung der Frist für die fällige Rückzahlung von Krediten gebeten. Der auch für Wirtschaft und Finanzen zuständige Vize-Regierungschef Yannis Dragasakis sagte dem griechischen TV-Sender ERT, die Regierung habe um eine Fristverlängerung bis November gebeten. Beim IWF sei ein entsprechender Antrag eingereicht worden.

Die griechische Regierung beantragte damit nur wenige Stunden vor Fälligkeit der Zahlung in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro eine Verlängerung. Schon zuvor hatte die Regierung in Athen allerdings erklärt, dass sie den Betrag nicht beziehungsweise nur unter der Bediengung eines neuen Hilfspakets zahlen werde. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte ihrerseits eine "Gnadenfrist" für Athen allerdings bereits klar ausgeschlossen.

+++ 22:45 US-Börsianer schauen nach Athen +++
Die Anleger an der New Yorker Wall Street haben sich nur wenig vom Kursrutsch zum Wochenauftakt erholt. Der griechische Schuldenstreit hielt die US-Börsianer weiter auf Trab. Es gebe aber immer noch die Aussicht, dass es zu einer Übereinkunft Griechenlands mit seinen Gläubigern komme, sagte David Moss, Leiter Europäische Aktien beim Vermögensverwalter BMO Global Asset Management.

Der Dow-Jones-Index schloss nach zwischenzeitlich deutlicheren Gewinnen lediglich 0,13 Prozent fester bei 17.619,51 Punkten. Am Vortag war der New Yorker Leitindex um fast 2 Prozent abgesackt und hatte damit den größten Tagesverlust seit Oktober 2014 verbucht. Für den Juni sowie das zweite Quartal verbuchte das Börsenbarometer damit Verluste von 2,17 beziehungsweise 0,88 Prozent. Auch auf Jahressicht steht inzwischen ein klares Minus von mehr als 1 Prozent zu Buche.

+++ 22:10 Griechenland würde für Finanzhilfen auf  Referendum verzichten +++
Die griechische Regierung hat der Euro-Gruppe offenbar angeboten, sich für ein "Ja" beim Referendum einzusetzen oder die Volksabstimmung abzusagen, wenn man sich auf neue Finanzhilfen verständigen könne. Kreisen zufolge seien einigen Teilnehmern während des Telefonats der Euro-Gruppen-Mitglieder daraufhin der Kragen geplatzt.

+++ 22:00 Euro-Gruppe vereinbart nächsten Telefontermin +++
Neuer Tag, neues Telefonat: Die Euro-Gruppe wird am Mittwoch um 11:30 Uhr wieder zum Telefon greifen, um "den aktuellen Stand der Dinge" zu besprechen. Das gab Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem bekannt.

+++ 21:45 Vize Dragasakis wäscht seine Hände in Unschuld +++
Gebt ihm nicht die Schuld? Vize-Regierungschef Dragasakis erklärt, er habe Regierungschef Tsipras geraten, das Angebot der Gläubiger anzunehmen und angeregt, das Referendum abzusagen.

 +++ 21:14 Athen bittet EZB um Ela-Erhöhung +++
Die griechische Notenbank hat nach Angaben von Vize-Regierungschef Yannis Dragasakis die EZB gebeten, eine Erhöhung der ELA-Nothilfen in Betracht zu ziehen. Zudem habe Athen beim IWF einen Antrag gestellt, die fällige Rate von 1,6 Milliarden Euro aufzuschieben, sagt er dem Staatsfernsehen. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte eine "Gnadenfrist" für Athen allerdings bereits klar ausgeschlossen.

+++ 21:05 Obama rechnet nicht mit globalem "Schock" +++
Für US-Präsident Barack Obama kann die Griechenland-Krise "bedeutende Auswirkungen" auf das Wirtschaftswachstum Europa haben. Mit einem "größeren Schock" für das globale System rechne er jedoch nicht, sagte Obama in Washington. Die griechische Krise sei zwar "Besorgnis erregend", aber kein Anlass "überzureagieren".

+++ 20:40 Euro-Finanzminister lehnen Verlängerung ab +++
Die Euro-Finanzminister haben die Bitte Griechenlands um Verlängerung des um Mitternacht auslaufenden Hilfsprogramms abgelehnt. Dies teilte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem mit. Damit verliert das pleitebedrohte Land endgültig den Zugriff auf Hilfsmittel von insgesamt rund 18 Milliarden Euro. Für eine erneute Verlängerung des Programms sei es zu spät, sagte Dijsselbloem. Die Euro-Gruppe hatte nur rund eine Stunde zu dem Thema beraten.

+++ 20:35 EZB berät erneut über Nothilfen +++
Die Europäische Zentralbank wird an diesem Mittwoch erneut über die Nothilfen für griechische Banken diskutieren. Das gab der österreichische Notenbankchefs Ewald Nowotny bekannt. Zugleich äußerte das EZB-Ratsmitglied in Wien scharfe Kritik an den Verantwortlichen in der griechischen Regierung. Seiner Einschätzung nach hätten sie bei den Verhandlungen zu einer möglichen Verlängerung des zweiten Hilfsprogramms für Griechenland "Poker" gespielt.

+++ 20:20 Dijsselbloem: Athen legt am Mittwoch neue Vorschläge vor +++
Griechenland wird nach den Worten von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Mittwoch neue Vorschläge in der Schuldenkrise unterbreiten. Die Eurogruppe werde am selben Tag darüber beraten, sagte er nach dem Ende der Telefonkonferenz der Euro-Gruppe.

+++ 20:15 Stubb: Verlängerung und Schuldenschnitt für Athen nicht machbar  +++
Eine kurzfristige Verlängerung des griechischen Hilfsprogramms und ein Schuldenschnitt ist nach Einschätzung des finnischen Finanzministers Alexander Stubb nicht möglich. Diese Schritte hatte der griechische Premier Tsipras in einem neuen Hilfsantrag ins Spiel gebracht.

Der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, nannte es bedauerlich, dass das Hilfsprogramm für Griechenland um Mitternacht ohne Anschluss-Vereinbarung ausläuft. "Die positiven Ergebnisse des Programms sind damit gefährdet." Unter dem ESM-Vorgänger EFSF hat der Rettungsschirm 130,9 Milliarden Euro in Griechenland ausstehen.

+++ 20:00 Malta: Griechenland zur Aussetzung von Referendum bereit +++
Griechenland ist nach den Worten des maltesischen Ministerpräsidenten Joseph Muscat grundsätzlich bereit, das geplante Schuldenreferendum auszusetzen. Voraussetzung sei eine Einigung mit den Gläubigern, sagte Muscat im Parlament seines Landes.

+++ 19:45 Juncker mysteriös: "Es ereignen sich Dinge, auf die die Medien nicht vorbereitet sind"+++
Während die Euro-Finanzminister in einer Telefonkonferenz über ein neues Angebot der griechischen Regierung beraten sollten, kündigte EU-Kommissionepräsident Jean-Claude Juncker beim Empfang der Auslandspresse in Brüssel an, er müsse "sofort" wieder an seinen "Schreibtisch zurück". Grund seien "wichtige Dinge, die sich in Athen ereignen". Auf diese seien die anwesenden Journalisten "wahrscheinlich nicht vorbereitet", sagte der Kommissionschef mysteriös. Sie würden "Ergebnisse produzieren, die nicht den Artikeln entsprechen, die Sie heute geschrieben haben."

Nach dieser Ankündigung erscheinen die jüngsten Aussagen von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in einem neuen Licht: "Es ist sicherlich selten, dass man von historischen Ereignissen reden kann, aber das, was derzeit geschieht, was in den letzten Stunden geschehen ist, (...) das habe ich noch nie in meinem politischen Leben erlebt", sagte Schulz in Brüssel.

+++ 19:25 Medien: Hellas bittet um Verschiebung der IWF-Zahlung +++
Die Regierung in Athen will einem Medienbericht zufolge zufolge doch die Kredite an den IWF zurückzahlen. Wie "Bild" ohne Angabe einer Quelle berichtet, wandelte sie den Antrag, die etwa 1,6 Milliarden Euro überhaupt nicht zu zahlen, in eine Bitte um Verschiebung um.

+++ 19:00 Merkel: "Vor Referendum verhandeln wir über gar nichts" +++
Bundeskanzlerin Merkel hat erneut betont, dass die Bundesregierung mit einer Regierung in Athen erst wieder nach dem für Sonntag geplanten Referendum verhandeln wird. "Bevor nicht ein Referendum, so wie es geplant ist, durchgeführt ist, werden wir über gar nichts neu verhandeln", sagte Merkel bei einer Veranstaltung des Parlamentskreises Mittelstand der Union in Berlin. An dieser Position ändere auch die Tatsache nichts, dass es heute "nicht näher zu klassifizierende Angebote" gegeben habe.

"Griechenland hat die Entscheidung getroffen, dass heute um Mitternacht das zweite Hilfsprogramm ausläuft", sagte Merkel.

+++ 18:45 Großes Polizeiaufgebot auf dem Syntagma-Platz +++
Auf dem Syntagma-Platz in Athen demonstrieren heute die "Ja-zum-Referendum"-Anhänger. Und haben Gesellschaft: "Im Gegensatz zu der "Nein"-Anhängerdemo gestern ist die Polizei deutlich sichtbarer", berichtet n-tv.de-Redakteur Jan Gänger aus Athen. Gerade sei vor ihm ein Jugendlicher in ein Polizeiauto geladen worden. Neben ihm stünden ein paar Dutzend Bereitschaftspolizisten mit Helm und Schild. Jetzt fange auch noch ein Gewitter an. "Nehmen Sie das metaphorisch", empfiehlt ihm Alexandros, 44 Jahre alt, Arzt.

+++ 18:30 Türkei bietet Griechenland Hilfe an +++
Die Türkei will dem Nachbarn und ehemaligen Erzfeind Griechenland aus der Krise helfen. Sein Land sei bereit, alles in seiner Macht Stehende zu tun, damit Griechenland die Schuldenkrise überwinde, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu den türkischen Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Als Beispiel nannte er eine Zusammenarbeit in den Sektoren Tourismus, Handel und Energie. Der Sprecher des Staatspräsidenten sagte auf Anfrage von Journalisten, die Türkei habe bisher keine Kreditanfrage von Griechenland erhalten.

+++ 18:15 Brüsseler Kreise: Heute keine Mittel für Griechenland+++
Die Euro-Gruppe wird heute nach Aussage eines Vertreters der Euro-Zone "auf keinen Fall" Mittel freigeben, damit Griechenland seine am Dienstag fällige IWF-Kreditrate bezahlen kann.

+++ 17:40 Papandreou plädiert für ein "Ja" +++
Ex-Ministerpräsident Georgios Papandreou hat gegenüber CNBC ein "Ja" beim Referendum als einzige Möglichkeit für Griechenland bezeichnet, "stark zu bleiben". Mit "Ja" zu stimmen sei sehr patriotisch.

Auf Twitter wurde Papandreou für das Plädoyer kritisiert und aufgefordert, lieber mal darüber zu reden, wie er und sein Vater diese Krise überhaupt erst mitverursacht hätten.

+++ 17:25 Banken öffnen für Rentner in Griechenland +++
Die wegen Kapitalengpässen in Griechenland geschlossenen Banken öffnen von Mittwoch bis Freitag für Rentner und Pensionäre, die in vielen Fällen keine EC- oder Kreditkarten haben. Das teilte das griechische Finanzministerium mit und korrigierte damit Meldungen griechischer Medien, die von Bankenöffnungen nur am Donnerstag berichtet hatten.

Nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank vom Wochenende, Notkredite für Griechenland einzufrieren, bleiben die Banken in Griechenland voraussichtlich bis mindestens 6. Juli geschlossen. An den Automaten können die Menschen derzeit maximal 60 Euro pro Tag abheben. Wie die griechische Zeitung "Ekathimerini" berichtet, hat die Mitarbeitervereinigung der Nationalbank Griechenlands, die Regierung aufgefordert, die Banken für die Öffnungszeiten mit ausreichend Polizeischutz zu versehen.

+++ 17:05 "Griechenland bleibt am Verhandlungstisch" +++
Bei dem Gesuch um ein drittes Hilfspaket betont die griechische Regierung ihren Verhandlungswillen. Hier die Auszüge aus dem aktuellen Hilfsgesuch vom Büro des griechischen Premierministers:

"Vom Anfang an haben wir deutlich gemacht, dass die Entscheidung über die Abhaltung eines Referendums nicht das Ende, sondern die Fortsetzung der Verhandlungen für die Verbesserung der Bedingungen für das griechische Volk bedeutet. Griechenland bleibt am Verhandlungstisch."

"Die griechische Regierung hat heute eine zweijährige Vereinbarung mit dem ESM für die volle Deckung ihrer Finanzierungsbedürfnisse und mit gleichzeitiger Umstrukturierung der Schulden vorgeschlagen."

"Die griechische Regierung wird sich bis zum Schluss für eine tragfähige Vereinbarung innerhalb der Eurozone einsetzen. Ebendies wird auch die Botschaft eines NEIN zu einer schlechten Vereinbarung im Referendum am kommenden Sonntag sein."

Hier finden Sie weitere Details zu der griechischen Bitte um das dritte Hilfsprogramm.

+++ 16:35 Eurogruppe will über griechisches Hilfsgesuch reden  +++
Die Eurogruppe will um 19.00 Uhr in einer Telefonkonferenz über das neue griechische Hilfsgesuch debattieren. Das teilte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem mit.

 

+++ 16:25 Merkel macht die Tür für heute zu +++
Bundeskanzlerin Angela Merkel geht fest von einem Auslaufen des zweiten Griechenland-Hilfspakets um Mitternacht aus. Zu Berichten über angebliche neue Verhandlungsangebote aus Athen sagte Merkel nach Angaben von Teilnehmern in der Unions-Bundestagsfraktion, "heute wird nichts mehr passieren".

Sie habe darauf verwiesen, dass dies schon zeitlich nicht mehr möglich sei, weil für eine Verlängerung des Hilfspakets ein Verfahren nötig sei, bei dem auch der Bundestag zustimmen müsste. Die CDU-Politikerin machte deutlich, dass die weitere politische Entwicklung in der Griechenland-Krise schwer überschaubar sei: "Man muss auf Sicht fahren".

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+++ 16:05 Athens Bürgermeister fordert "Nein zum Nein" +++
Athens Bürgermeister hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, beim Referendum am Sonntag für das von den internationalen Geldgebern vorgeschlagene Spar- und Reformprogramm zu stimmen, das die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras ablehnt. Wie das griechische Fernsehen berichtete, forderte Giorgios Kaminis die Griechen zu einem "Nein zum Nein" auf.

Der sozialistische Pasok-Politiker kritisierte, das Referendum polarisiere die Griechen. Der Bürgermeister von Thessaloniki, Yannis Boutaris, sprach von einer drohenden Spaltung in Griechenland: "Ich hoffe, sie werden eine Lösung ohne Referendum finden."

+++ 15:45 Medien: Griechenland bittet um neues Hilfsprogramm  +++
Die griechische Regierung will seine Euro-Partner um ein drittes Hilfsprogramm bitten. Wie Bloomberg und Reuters unter Berufung auf ein Statement des Büros von Minsterpräsident Tsipras melden, soll ein zweijähriges Programm unter dem Euro-Hilfsfonds ESM beantragt werden. Damit solle der Finanzbedarf abgedeckt werden. Parallel dazu solle eine Umschuldung erfolgen. "Griechenland bleibt am Verhandlungstisch", hieß es. Ziel sei eine "tragfähige Lösung, um in der Euro-Zone zu bleiben".

 

+++ 15:25 Brite will griechische IWF-Schulden per Crowdfunding einsammeln +++
Mit einem Crowdfunding-Projekt will ein britischer Schuhverkäufer den vom Staatsbankrott bedrohten Griechen unter die Arme greifen. Bis Dienstagmittag spendeten 8525 Menschen 134.487 Euro - insgesamt müssten gut 1,5 Milliarden Euro zusammenkommen, die Athen bis Dienstag an den Internationalen Währungsfonds zahlen muss. Wenn jeder der 503 Millionen Europäer den Gegenwert eines "Salats mit Schafskäse und Oliven" spende, käme die Summe leicht zusammen, sagte Thom Feeney.

"Bestellt einen Salat, spült ihn runter mit einem Ouzo und lasst uns mit diesem Scheiß aufhören", schlägt Feeney vor.
"Bestellt einen Salat, spült ihn runter mit einem Ouzo und lasst uns mit diesem Scheiß aufhören", schlägt Feeney vor.(Foto: zerfe, pixelio)

Er könne verstehen, wenn manche das Projekt für einen Witz hielten, sagte Feeney, "aber Crowdfunding kann wirklich helfen". Sollte er sein Ziel binnen sieben Tagen nicht erreichen, werde er alle über die Internet-Plattform IndieGoGo eingegangenen Spenden wieder zurücküberweisen, kündigte der 29-Jährige an. Persönlich scheint sich die Idee für Feeney bereits auszuzahlen: "Als ich heute morgen aufwachte, hatte ich bei Facebook Freundschaftsanfragen von 30 griechischen Frauen."

Hier können Sie die ganze Geschichte lesen.

+++ 14:45 Schäuble: Griechenland bleibt auch bei "Nein" in der Euro-Zone +++
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat vor Unionsabgeordneten erklärt, dass Griechenland auch bei einem "Nein" beim Referendum am Sonntag in der Euro-Zone bleibt. Das sagte ein Teilnehmer der Sitzung.

Der EU-Kommissar für Finanzstabilität, Jonathan Hill, äußerte sich zuversichtlich, dass das Finanzsystem der Staatengemeinschaft jegliche Entwicklungen in Griechenland meistern wird.

+++13:45 Merkel: Keine Hinweise auf Last-Minute-Einigung+++
Nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Brüssel Athen kein neues Angebot gemacht. "Das letzte Angebot der Kommission ist von Freitag letzter Woche", sagte Merkel in Berlin. "Mehr kann ich nicht beisteuern." Chancen für eine Einigung mit Griechenland in letzter Minute am heutigen Dienstag sieht sie nicht. "Heute Abend, genau 24 Uhr mitteleuropäischer Zeit, läuft das Programm aus. Ich kenne keine belastbaren anderen Hinweise." Gleichzeitig betonte sie, dass die Gespräche auch nach Ablauf der Frist nicht gekappt würden. Die Tür stehe weiter offen.

+++ 13:36 Athen dementiert Drachmen-Pläne +++
Der Regierungssprecher in Athen, Gavriil Sakelaridis, hat Äußerungen des ehemaligen Generalsekretärs für Staatsfinanzen, Haris Theoharis, über Vorbereitungen für eine Rückkehr zur griechischen Drachme zurückgewiesen. Laut der Zeitung Kathimerini bezeichnete er diese als "Science-Fiction-Szenario" und "monumentale Verantwortungslosigkeit" von Theoharis. Laut Theoharis soll das Büro von Premier Alexis Tsipras eine Arbeitsgruppe gebildet haben, die den Übergang zur Drachme organisieren soll. Theoharis ist heute Sprecher der liberalen Partei To Potami.

+++ 13:32 Varoufakis: Zahlen IWF-Schulden am Dienstag nicht zurück +++ Griechenland wird laut dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis die fällige Rückzahlung an den Internationalen Währungsfonds über 1,6 Milliarden Euro nicht leisten. Ein Regierungsvertreter bestätigt zudem, dass der griechische Regierungschef Alexis Tsipras, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EZB-Präsident Mario Draghi telefoniert haben. Details zu dem Telefonat sind zunächst nicht bekannt.

+++ 13:02 Insider: "Zu spät" für Verlängerung des Hilfspakets +++
Ein deutscher Regierungsvertreter hält eine Verlängerung des aktuellen Hilfsprogramms für Griechenland zum jetzigen Zeitpunkt für ausgeschlossen. Dafür sei es "zu spät". Das Programm läuft nach dem Scheitern der Schuldengespräche zwischen Griechenland und den Gläubigern um Mitternacht aus.

+++ 12:35 Athen verschiebt Pressekonferenz nach EU-Angebot +++
Nach dem neuen Vermittlungsangebot aus Brüssel hat die griechische Regierung eine Pressekonferenz verschoben. Es werde erwartet, dass sich der Regierungssprecher am Nachmittag zum Vorschlag der EU äußert, meldet dpa. Die Meldungen darüber, wie Ministerpräsident Alexis Tsipras den Vorschlag sieht, sind widersprüchlich. Einige Medien in Griechenland berichten unter Berufung auf Regierungskreise, er sehe den Vorschlag negativ. Andere Quellen verbreiten, Tsipras stehe ihm positiv gegenüber.

+++ 12:05 Gerüchte über Kehrtwende von Tsipras +++
Ein griechischer Zeitungsbericht, wonach Ministerpräsident Alexis Tsipras den jüngsten Vorschlag von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zu einer Einigung in letzter Minute doch noch in Betracht zieht, treibt die Aktienmärkte in Europa nach oben. Tsipras habe in Brüssel erklären lassen, dass er Junckers jüngsten Vorschlag prüfe, berichtet die griechische Tageszeitung "Kathimerini". Das Angebot soll unter anderem Schuldenerleichterungen im Oktober vorsehen. Woher die Informationen stammen, ließ die Zeitung offen.

+++ 11:26 Zeitung "To Vima": Druck auf Tsipras wächst +++
Der stellvertretende Herausgeber der englischsprachigen Ausgabe der Tageszeitung Kathimerini, Nick Malkoutzis, twittert, dass der Druck auf den griechischen Premier Alexis Tsipras vonseiten einiger Minister wächst. Er verweist dabei auf einen Bericht der gemäßigten Wochenzeitung "To Vima". Tsipras sei in Kontakt mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, heißt es unter Berufung auf Skia TV.

+++ 11:17 Wirtschaftsinstitut fordert "Schlichtung" +++
Ein Schlichter wie in Tarifkonflikten soll die Griechenland-Krise entschärfen. Das fordert das gewerkschaftsnahe Wirtschaftsforschungsinstitut IMK. "Europa braucht dringend einen Schlichter, um mit dessen Hilfe aus der Sackgasse in den Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern herauszukommen", so IMK-Direktor Gustav Horn. Hauptproblem sei das "fundamentale Misstrauen" zwischen den Akteuren.  Als Schlichter geeignet sei der Generalsekretär der Industrieländerorganisation OECD, Angel Gurria, oder die Führung der Internationalen Arbeitsorganisation ILO.

+++ 10:54 Dringender Appell aus Brüssel an Tsipras +++
Brüssel unternimmt einen Vermittlungsversuch in letzter Minute. Falls der griechische Premier Alexis Tsipras noch am Dienstag das Angebot der Geldgeber annehme und für ein "Ja" beim Referendum werbe, könnte der Weg für ein weiteres Euro-Finanzministertreffen geebnet werden, heißt es in EU-Kreisen. Die Zusicherung von Tsipras zum Sparpaket müsse an die Präsidenten der EU-Kommission und der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker und Jeroen Dijsselbloem sowie an Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Staatspräsidenten François Hollande gehen. In der Nacht zum Mittwoch läuft das Hilfsprogramm für Griechenland auf europäischer Seite aus.

+++ 10:45 Finanzministerium: Auszahlung an Rentner begrenzt +++
Griechische Rentner ohne Geldkarte kommen von Mittwoch bis Freitag zwar an Bargeld. Die Auszahlung ist laut griechischem Finanzministerium aber auf 120 Euro begrenzt. Viele griechische Rentner haben keine Geldkarte und lassen sich ihre Bezüge auf der Bank in bar auszahlen. Die Banken sind in der zweiten Wochenhälfte nur für Rentner geöffnet. Regulär öffnen die Banken frühestens am Dienstag in einer Woche wieder. Mit griechischen Geldkarten können derzeit an Bankautomaten maximal 60 Euro pro Tag abgehoben werden.

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+++ 10:12 Viele Banken öffnen ab Mittwoch - aber nur für Rentner +++
Griechenland will ab Mittwoch vorübergehend 1000 Bankfilialen für Rentner öffnen. Pensionäre ohne EC- oder Geldkarte sollen so an ihre Bezüge kommen. Das erklärte das Finanzministerium in Athen. Die Filialen sollen dafür bis Freitag geöffnet bleiben. Ein Großteil der Renten in Griechenland werden in bar ausgezahlt. Offiziell sind die Banken des Landes bis zum kommenden Montag (6. Juli) geschlossen. An Geldautomaten können Griechen noch maximal 60 Euro pro Tag abheben.

+++ 9:19 Nobelpreisträger Stiglitz: "Weiß, wie ich wählen würde" +++
Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis postet einen Artikel von Nobelpreisträger Josef Stiglitz, in dem dieser seine Meinung untermauert, dass die EU beim Thema Griechenland den falschen Weg beschreitet. Wie auch immer das Referendum ausfallen werde, beide Wege würden große Risiken bergen, schreibt Stiglitz im "Guardian". Ein "Ja" würde eine lang anhaltende Depression bedeuten. Am Ende könnte Griechenland aber einen Schuldenerlass und die Unterstützung der Weltbank erhalten.

Ein "Nein" würde den Griechen dagegen die Möglichkeit offen halten, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Griechenland, das durch eine starke demokratische Tradition geprägt sei, könnte seine Zukunft selbst gestalten - weitaus hoffnungsvoller als die gewissenlose Folter der Gegenwart. "Ich weiß, wie ich wählen würde", schreibt Stiglitz.

+++ 9:14 S&P: Wahrscheinlichkeit für Grexit 50:50 +++
Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Bonität Griechenlands am Montag von CCC auf CCC- herab. Das entspricht einer Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall. Die Wahrscheinlichkeit eines Grexit beziffert S&P nun mit 50 Prozent.

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+++ 9:02 Söder: "Geordneter Grexit wäre der bessere Weg" +++
Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) hat sich erneut für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone stark gemacht. "Ich glaube, dass am Ende ein sauber vorbereiteter und vernünftig organisierter Grexit der bessere Weg wäre", sagte er im Deutschlandfunk. Söder kritisierte zudem das Verhalten des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in Bezug auf das geplante Referendum. "Er glaubt, dass es nach einem Nein bessere Verhandlungsoptionen sind. Das Ganze ist so tief unseriös, dass man sagen kann, hier spielt einer mit Europa, aber vor allem mit seinem eigenen Volk."

+++ 8:53 Bankenverband: "Sind auf Zahlungsausfall vorbereitet" +++
Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) erwartet keine größeren Auswirkungen auf die Finanzmärkte, falls Griechenland seine Kreditschulden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro beim IWF nicht zahlt. Für die Sparer in Deutschland bestehe kein Grund zur Sorge, die Spareinlagen seien sicher, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer der "Passauer Neuen Presse". Die Risiken für die deutschen Banken seien überschaubar, weil sie in Griechenland "nur noch sehr mäßig engagiert" seien. Es gehe um einen Betrag von weniger als vier Milliarden Euro.

Grünen-Chef Cem Özdemir
Grünen-Chef Cem Özdemir(Foto: picture alliance / ZB)

+++ 8:44 Grünen-Chef Özdemir: "Keiner hat sich mit Ruhm bekleckert" +++
Grünen-Parteichef Cem Özdemir spart im Interview mit n-tv nicht mit  Kritik am Krisenmanagement: "Keine Seite hat sich mit Ruhm bekleckert. Nichts von dem ist eingetroffen, was Frau Merkel und die EU vorhergesagt haben. Auch die Regierung Tsipras hat sich nicht mit Ruhm bekleckert: In Brüssel verhandeln, versuchen, eine Lösung zu finden und das Ergebnis zu Hause dem Volk vorzulegen, das ist ok. Aber zu sagen, 'ich will ein Nein', das ergibt wenig Sinn."

Özdemir warnt im Interview auch vor den finanziellen Folgen eines Grexit: "Zahlen tun wir so oder so. Wenn Griechenland aus der Eurozone rausfliegt und wir eine Verelendung in Griechenland haben, dann reden wir nicht über ein Land irgendwo weit weg, sondern dann reden wir über ein Mitgliedsland der EU, das verelendet."

+++ 8:37 Fitch sieht "begrenzten Zahlungsausfall" +++
Die Ratingagentur Fitch wertet die Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland als "begrenzten Zahlungsausfall" für die vier Großbanken des Landes. Die Kreditwächter senkten die Ratings für die Schuldtitel der National Bank of Greece, Piraeus Bank, Eurobank und Alpha Bank auf "Restricted Default". Dies die zweitschlechteste Note. Damit wird ein sehr hohes Ausfallrisiko für Gläubiger angezeigt. Es sei unwahrscheinlich, dass die Ratingnoten vor einer Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen wieder angehoben würden, ergänzten die Analysten.

+++ 8:21 Le Figaro: "Referendum ist ein Täuschungsmanöver" +++
Das Referendum in Griechenland ist Top-Thema in der internationalen Presse. Die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro" kommentiert die jüngsten Entwicklungen folgendermaßen:

"Das Referendum, das Alexis Tsipras den Griechen vorschlägt, hat alles von einem Täuschungsmanöver. Der Ministerpräsident tut so, als würde er sich damit begnügen, sie nach ihrer Meinung zu den Bedingungen der Gläubiger zu fragen, und als würde dies keineswegs einen Ausstieg aus dem Euro (Grexit) mit sich bringen. In Wahrheit ist Tsipras' Aufruf ans Volk nichts anderes als ein politischer 'Coup', der unter der Maske der direkten Demokratie versteckt ist. Unfähig, seine Versprechen zu halten und das Land mit seiner radikalen Mehrheit unter den Bedingungen der katastrophalen Lage der Wirtschaft zu führen, ruft er die Bürger auf, zwischen ihm und Europa zu wählen. Das angekündigte Referendum ist der einzige Zweig, der ihm bleibt, um sich an die Macht zu klammern."

Die belgische Tageszeitung "De Standaard" schreibt:

"Die Griechen wissen, dass sie außerhalb des Euro kein Heil zu erwarten haben. Aber wenn sie mit Ja stimmen, wäre das keine Legitimierung der Fortsetzung der gescheiterten Schuldenpolitik. In jedem Fall läuft es auf eine Erniedrigung eines besiegten Volkes hinaus. Die Art und Weise, wie die europäischen Führer mit den Bürgern eines armen Mitgliedsstaates umgehen, ist erschreckend. Man kann zumindest erwarten, dass diejenigen, die ein zunächst beherrschbares Problem so völlig entgleisen ließen, ihre Fehler zugeben."
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+++ 7:50 Athen droht mit Klage beim EuGH +++
Griechenland will ein Ausscheiden aus der Währungsunion unter allen Umständen verhindern. Dafür erwägt die Regierung auch, vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen institutionelle Organe der Europäischen Union zu klagen. Das schreibt die britische Zeitung "The Telegraph". "Die griechische Regierung wird alle ihre gesetzlichen Rechte nutzen", erklärte Finanzminister Yanis Varoufakis.

+++ 7:40 Auftaktverluste an Europas Börsen erwartet +++
Börsianer rechnen zum Handelsauftakt in Europa mit weiteren Kursverlusten. Mit dem Ausverkauf vom Vortag dürften sie aber nicht vergleichbar sein, heißt es. Im Tagesverlauf könnten sich die Kurse sogar erholen. Es sei denkbar, "dass wir Shorteindeckungen sehen", sagte ein Händler. Dann könnte es schnell nach oben gehen. Von Panikstimmung wegen Griechenland könne keine Rede sein.

+++ 7:16 Pensionsfonds kann keine Renten auszahlen +++
Der Pensionsfonds IKA hat angekündigt, am Dienstag keine Renten auszuzahlen. Dazu sei der Fonds aufgrund der Probleme nicht in der Lage. Laut einer Pressemitteilung sollen die betroffenen Rentner, die beim Telekomunternehmen OTE gearbeitet haben, über den Zeitpunkt der Rentenzahlung in einer separaten Mitteilung informiert werden. Von der Verzögerung sind laut Daten des griechischen Arbeitsministeriums 57.000 Menschen betroffen.

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+++ 7:08 Euro bei knapp 1,12 Dollar stabil +++
Am Devisenmarkt spielt die Ankündigung Griechenlands, die heute fällig werdende IWF-Rate nicht zu zahlen, keine Rolle. Der Euro verteidigt mit knapp 1,12 Dollar sein etwas höheres Niveau. Die Märkte scheinen ganz auf die EZB und deren früheres Versprechen zu vertrauen, "alles zu tun, was nötig ist", um den Euro zu schützen - egal, wie das Finale um Griechenland aussehe, sagt Devisenexpertin Kymberly Martin.

+++ 6:46 Kein Geldlimit an Automaten für ausländische Karten +++
Das in Griechenland verhängte Tageslimit von 60 Euro für Abhebungen an Bankautomaten gilt nicht für im Ausland ausgestellte Debit- und Kreditkarten. Touristen brauchen sich um das Tages- beziehungsweise 24-Stunden-Limit von 60 Euro für Barauszahlungen an Bankautomaten - solange Geld in den Automaten vorhanden ist - keine Gedanken zu machen. Sie können ihre (mit ausländischen Bankkonten verknüpften) Karten wie gewohnt nutzen.

+++ 6:28 Was passiert, wenn Athen nicht zahlt? +++
Griechenland muss heute 1,5 Milliarden Euro Kreditschulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) begleichen. Nach dem Scheitern der Gespräche mit den Geldgebern über die Auszahlung weiterer Finanzhilfen gilt es als wahrscheinlich, dass Athen diese Summe nicht zahlen wird.

Das könnte als Nächstes passieren:

  • Keine Verlängerung der Gnadenfrist.  Mit der Bündelung aller im Juni fälligen Zahlungen zum Monatsende hatte sich Athen Luft verschafft.  Eine Verlängerung des Aufschubs schloss IWF-Chefin Christine Lagarde aus.
  • Langwieriges Verfahren bei Zahlungsversäumnis. Wenn Griechenland die Kredite nicht fristgerecht bedient, muss der IWF die Auszahlung von weiteren Hilfen umgehend stoppen. Der weitere Umgang mit dem Schuldnerstaat folgt danach einem zeitlich abgestuften Prozedere. Zunächst wird der IWF Athen wiederholt ermahnen, danach wird Lagarde den Exekutivrat nach einem Monat formal über den Zahlungsrückstand informieren. Zwei weitere Monate verstreichen, bis der Exekutivrat über eine offizielle Beschwerde entscheidet. Zahlt Athen nach 15 Monaten immer noch nicht, könnte der IWF eine Verweigerung der Zusammenarbeit feststellen. Dies hätte schrittweise Sanktionen zur Folge, die vom Ende der technischen Unterstützung durch IWF-Experten über die Aussetzung der griechischen Stimmrechte bis zum Verlust der Mitgliedschaft reichen.
  • Auswirkungen auf die europäischen Hilfskredite. Die Zahlungsmoral der Griechen beim IWF ist an die Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF gekoppelt. In der Vereinbarung zwischen Athen und dem EFSF ist festgeschrieben, dass griechische Rückstände beim IWF als Zahlungsausfall eingestuft werden könnten. Dann müsste der EFSF sämtliche Hilfskredite fällig stellen. Allerdings gibt es hier keinen Automatismus, die Entscheidung dürfte am Ende bei der europäischen Politik liegen.
     

+++ 6:17 China fordert Geldgeber zur Einigung auf +++
China hat die EU aufgefordert, sich für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone einzusetzen. Man dränge die Geldgeber, so schnell wie möglich eine Einigung mit der Regierung in Athen zu finden, sagte Regierungschef Li Keqiang am Montagabend beim EU-China-Gipfel in Brüssel. Die griechische Schuldenfrage sei kein rein europäisches Thema. Als Investor wolle China ein vereintes, prosperierendes Europa und einen starken Euro sehen. Der Frage, ob eine stärkere Unterstützung Griechenlands durch China denkbar sei, wich Li aus.

+++ 5:31 Portugal sieht sich gewappnet +++
Die dramatische Lage in Athen stellt für Portugal nach Einschätzung von Staatschef Anibal Cavaco Silva keine große Gefahr dar. "Das Wachstum von Portugal wird nicht übermäßig von einem Zwischenfall mit Griechenland betroffen sein", sagte Cavaco Silva mit Blick auf eine drohende Pleite Griechenlands. Die Eurozone habe mittlerweile "so viele Instrumente", um ein Übergreifen der Krise in Griechenland auf die 18 anderen Mitgliedsländer der Währungsunion zu verhindern.

Portugals Lage sei vergleichbar mit der von Irland, Spanien und Italien, fügte der portugiesische Präsident hinzu. Zugleich äußerte er die Hoffnung, "dass die Griechen die Eurozone nicht verlassen und endlich an den Verhandlungstisch zurückkehren". Portugals Regierungschef Pedro Passos Coelho erklärte, wenn auch "niemand immun" gegenüber der Griechenland-Krise sei, treffe diese sein Land nicht unvorbereitet.

Dank großer Finanzreserven könne Portugal mit der "Volatilität der Märkte einige Monate lang zurechtkommen". Anders als in den Jahren 2010 und 2011 sei Portugal heute nicht mehr sehr anfällig für Krisen wie in Griechenland. Beobachter hatten in den vergangenen Monaten wiederholt vor den Ansteckungsgefahren gewarnt, sollte Griechenland in eine unkontrollierte Staatspleite abrutschen.

+++ 4:13 Asien-Börsen überwinden Griechenland-Sorgen +++
Die japanischen Aktienmärkte haben sich nach dem Ausverkauf zu Wochenbeginn im frühen Handel am Dienstag leicht erholt. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte klettert zwischenzeitlich um knapp 0,4 Prozent auf 20.180 Punkte. Der breiter gefasste Topix steigt um 0,2 Prozent auf 1628 Zähler. Zu Wochenbeginn hatten die Börsen weltweit deutlich nachgegeben, weil Griechenland nach den gescheiterten Verhandlungen mit den Geldgebern nach Ansicht vieler Beobachter in Richtung Insolvenz taumelt.

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In Japan halten sich die Sorgen offenbar in Grenzen: Das griechische Schuldendrama werde keine größeren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben, erklärte der japanische Wirtschaftsminister Akira Amari. Der Euro gibt in Fernost unterdessen leicht nach und kostet knapp unter 1,12 Dollar. Der Dollar hält sich zum Yen wenig verändert bei 122,51. Der Schweizer Franken notiert bei rund 0,9268 Franken je Dollar und bei etwa 1,0376 Franken je Euro.

+++ 3:22 Varoufakis droht mit juristischen Schritten +++
Der griechische Finanzminister Yannis Varoufakis droht einem Zeitungsbericht zufolge, gegebenenfalls juristisch gegen ein Ausscheiden seines Landes aus der Eurozone vorzugehen. "Die griechische Regierung wird von all unseren Rechten Gebrauch machen", zitierte die britische Zeitung "The Daily Telegraph" den griechischen Minister. Die Regierung in Athen lasse sich beraten und werde "sicherlich eine gerichtliche Verfügung des Europäischen Gerichtshofs erwägen". "Die EU-Verträge machen keine Vorgaben für einen Euro-Austritt und wir lehnen es ab, ihn hinzunehmen", machte Varoufakis deutlich.

+++ 3:18 Grüne fordern neue Verhandlungen +++
Kurz vor Ablauf des Hilfsprogramms für Griechenland an diesem Dienstag haben die Grünen die Euro-Länder und die Athener Regierung zu neuen Verhandlungen aufgefordert. Die Geldgeber und die griechische Regierung hätten am Ende nur noch um 400 Millionen Euro auseinandergelegen, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter. "Es kann nicht sein, dass deswegen die Gefahr eines Euro-Austritts Griechenlands wächst." Am Ende würden die Bundesregierung, die Staats- und Regierungschefs der EU sowie die griechische Regierung an dieser historischen Herausforderung gemessen, sagte Hofreiter.

+++ 2:23 Tsipras twittert seine Pläne +++
Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kämpft auf allen Kanälen um Zustimmung für seinen heiklen Kurs in den Gesprächen mit den Europartnern und Geldgebern. "Wir werden auf Verhandlungen bestehen", teilte er am Abend der Öffentlichkeit in einer Reihe von Twitter-Botschaften mit. Indirekt gestand Tsipras dabei auch ein, die Erfüllung von Wahlversprechen im Zweifel über das Wohl der griechischen Bevölkerung zu stellen. "Unser Ziel ist es, die Dynamik der Machtverhältnisse zu verändern", erklärte Tsipras. "Unsere Priorität ist es, unsere Wahlversprechen zu erfüllen."

Ein Teil seiner Botschaften erinnert eher an verzweifelte Durchhalteparolen als an überzeugende politische Klarsicht. "Wir haben die Gerechtigkeit auf unsere Seite", twitterte Tsipras. "Wenn wir die Furcht überwinden können, dann bleibt nichts, was wir noch fürchten müssen." Zugleich betonte er, dass die griechische Regierung darauf hinarbeite, das Land in der Währungsgemeinschaft zu halten. "Wir wollen in der Eurozone bleiben. Wir sind keine 'Gäste' in Europa. Griechenland ist das Herz Europas."

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In Griechenland waren zu Wochenbeginn strikte Kapitalverkehrskontrollen in Kraft getreten, um einen Ansturm verunsicherter Sparer auf die Banken zu verhindern. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis, hatte die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen kurz zuvor noch als "Widerspruch in sich" abgelehnt. "Die griechische Regierung lehnt schon das bloße Konzept ab", hatte Varoufakis noch am Sonntag getwittert - offenbar in Unkenntnis der erforderlichen Maßnahmen. Kurz darauf kündigte Ministerpräsident Tsipras die vorübergehende Schließung der griechischen Banken an.

Am Wochenende hatte Tsipras überraschend ein Referendum über die Griechenland-Hilfen angekündigt und damit den ohnehin schon knappen Zeitplan der Griechenland-Rettung offenbar endgültig durcheinandergewirbelt. Am Dienstag, 30. Juni sind milliardenschwere Rückzahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) fällig. Die griechische Regierung kündigte an, die IWF-Überweisung zu verweigern, falls es nicht doch noch zu einer Einigung mit den Geldgebern komme.

+++ 1:41 Analysten hoffen auf Ende der Unsicherheit +++
An den Märkten sehen Analysten einer weiteren Zuspitzung der Lage in Griechenland bemerkenswert gelassen entgegen. Die Entwicklungen in Griechenland würden die Aktienmärkte zwar ordentlich durchschütteln, sagt zum Beispiel Devisenexperte Craig Erlam vom Währungshändler Oanda. Doch immerhin sollte es nun in einer Woche eine Antwort darauf geben, was all die jüngsten Verhandlungen gebracht hätten. Darin liegt demnach ein Vorteil. Dann weiche, so Erlam, die Unsicherheit, die auf den Märkten laste.

 

Die Ökonomen der Deutschen Bank halten die Lage ebenfalls nicht für übermäßig dramatisch. Aus ihrer Sicht hat die Gefahr für die Weltwirtschaft durch einen Zahlungsausfall Griechenlands deutlich abgenommen. Denn die Abhängigkeiten seien in den vergangenen Jahren bereits systematisch abgebaut worden. Andere Länder schwache Kandidaten innerhalb der Eurozone hätten sich wirtschaftlich stabilisiert. Und auch das Vertrauen in eine angemessene Reaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) sei hoch.

+++ 0:53 EZB-Direktor Coeure: Grexit möglich +++
EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure schließt ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro nicht mehr aus. Dies sei möglich, wenn auch nicht das, was die Europäische Zentralbank (EZB) wolle, sagte Coeure im Interview der französischen Zeitung "Les Echos". Es ist das bislang deutlichste Eingeständnis eines führenden EZB-Vertreters, dass der sogenannte Grexit möglich ist.

+++ 0:12 Merkel zu Verhandlungen bereit +++
Das Referendum soll Griechenland laut Ministerpräsident Alexis Tsipras besser für die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern wappnen. "Das Referendum muss zur Fortsetzung der Verhandlungen führen", sagte Tsipras in einem Interview mit dem Fernsehsender ERT. "Unser Ziel ist es, dass es erlaubt, besser gewappnet für die Fortsetzung der Verhandlungen zu sein." Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor erklärt, dass sie sich einer Wiederaufnahme der Verhandlungen nicht widersetzen werde, wenn Athen dies wünsche.

 

Hinweis: Die Entwicklungen des Vortages finden Sie hier. Eine Übersicht zu den Ereignissen vom Wochenende können Sie im Liveticker vom Sonntag, 28. Juni 2015 und Samstag, 27. Juni 2015 nachlesen.

 

Quelle: n-tv.de

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