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"Es ist noch früh": Microsoft bläst zum Angriff

Mit seinem brandneuen Betriebssystem will Microsoft eigentlich den hauseigenen Aufbruch in das Zeitalter der mobilen Endgeräte einläuten: Doch die ersten Geschäftszahlen nach der Markteinführung von Windows 8 fallen durchwachsen aus. Der Start in die Tablet-Ära gelingt offenbar nur schleppend.

Produktpräsentation nach allen Regeln der Kunst: Microsoft-Chef Steve Ballmer macht den 'Steve' und vertraut zum Start von "Windows 8" auf die Strahlkraft von Hollywood-Start Jessica Alba (Archivbild).
Produktpräsentation nach allen Regeln der Kunst: Microsoft-Chef Steve Ballmer macht den 'Steve' und vertraut zum Start von "Windows 8" auf die Strahlkraft von Hollywood-Start Jessica Alba (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Das neue Betriebssystem "Windows 8" hat Microsoft bislang nicht den erhofften Durchbruch gebracht. Der weltgrößte Softwarekonzern musste im vergangenen Quartal unter dem Eindruck schwächelnder Absatzzahlen im Segment der Büroprogramme aus der "Office"-Reihe einen leichten Gewinnrückgang hinnehmen. An der New Yorker Wall Street reagierten Anleger zunächst enttäuscht: Im nachbörslichen Handel geben Microsoft-Aktien um 1,4 Prozent nach.

Anders als zu Microsofts Glanzzeit in den 1990er-Jahren erwies sich das neue Betriebssystem nicht als der alles überstrahlende Absatzschlager. Windows 8 verkaufte sich seit der Markteinführung Ende Oktober 60 Millionen Mal: Nach Ansicht von Branchenexperten ist das allenfalls ein solider, aber kein spektakulärer Start.

Wie zuletzt auch Apple kämpft Microsoft dabei vor allem gegen die überaus hoch gesteckten Erwartungen. "Es gibt immer noch keine Anzeichen, dass Windows 8 ein Riesenerfolg ist", sagte Analyst Andrew Bartels von Forrester Research. "Verglichen mit früheren Zeiten, als es starke Zuwächse gab, wenn ein neues (Betriebssystem) herauskam, lässt sich das diesmal nicht feststellen." Immerhin steigerte die Betriebssystem-Sparte im Berichtsquartal ihre Erlöse um 24 Prozent auf 5,9 Mrd. Dollar - ein wenig mehr als von Analysten erwartet.

Doch die Office-Sparte schrumpfte um 10 Prozent auf 5,7 Mrd. Dollar. Bei Microsoft führte man dies auf die Zurückhaltung der Kunden vor Einführung von Windows 8 zurück. Analyst Josh Olson von Edward Jones sagte dazu: "Das ist eine Pause vor einer Produkteinführung, die typisch ist."

Apple und Google geben den Ton an

Der konzernweite Umsatz stieg im Weihnachtsquartal um drei Prozent auf 21,5 Mrd. Dollar und fiel damit im Rahmen der Expertenschätzungen aus. Der Gewinn des Konzerns sank auf 6,4 Mrd. Dollar von 6,6 Mrd. im Vorjahreszeitraum und lag damit minimal über den Prognosen.

Mit Windows 8 will der Software-Konzern den Anschluss bei mobilen Anwendungen finden. Die achte Version des Klassikers ist insbesondere auf Tablet-PCs zugeschnitten, die sich über Bildschirm-Berührungen steuern lassen. Die Rivalen Apple und Google waren mit ihren Systemen dem einstigen Pionier zuletzt weit voraus und teilten mit iOS beziehungsweise Android den Markt für die Basissoftware mobiler Rechner neben den klassischen Laptops weitgehend unter sich auf.

Microsoft steht vor dem Dilemma, dass das hauseigene Betriebssystem zwar in den meisten der überall auf der Welt verkauften PCs steckt. Beim Siegeszug der Smartphones und Tablets, die ohne Windows auskommen, verpasste Microsoft aber den Trend. Mit Windows 8 will Microsoft nun gegen das Betriebssystem Android von Google und iOS von Apple antreten. Fortschritte hat er allerdings bislang kaum vorweisen.

Größenvergleich unter Giganten

Einfach stellt sich die Lage auch für die Konkurrenz nicht dar: Mit einer vergleichsweise konservativen Umsatzprognose hatte Apple zuletzt den eigenen Aktienkurs auf scharfe Talfahrt geschickt. Im zurückliegenden Quartal konnte der iPad-Anbieter zwar erneut starke Verkaufszahlen vorlegen. Den hoch gesteckten Erwartungen am Markt zu entsprechen, gelang dem erfolgsverwöhnten Unternehmen damit aber nicht.

Apple vermeldete für den Zeitraum von Oktober bis Dezember 2012 einen Rekordgewinn von 13,1 Mrd. Dollar (gut 9,8 Mrd. Euro). Insgesamt 47,8 Mio. iPhones und 22,9 Mio. iPads verkaufte das Unternehmen - zweistellige Zuwachsraten im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Umsatz lag bei 54,5 Mrd. Dollar.

Angriff aus Südkorea

Apples schärfster Rivale, der südkoreanische Elektronikhersteller Samsung, verzeichnete im abgelaufenen Quartal dank seiner Smartphone-Erfolge ebenfalls Rekordgewinne. Samsung verdiente von Oktober bis Dezember unter dem Strich umgerechnet 6,6 Mrd. Dollar (7,040 Bio. Won oder 4,9 Mrd. Euro). Das waren 76 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Quartalsumsatz legte um 19 Prozent auf rund 52 Mrd. Dollar zu. Im gesamten Jahr 2012 lag der Gewinn bei umgerechnet knapp 22,4 Mrd. Dollar.

Die Zahl der im vierten Quartal verkauften Smartphones veröffentlichte Samsung nicht. Der Konzern ist weltweit Marktführer vor Apple mit seinem iPhone. Das Marktforschungsunternehmen Strategy Analyst schätzt die Zahl der verkauften Samsung-Smartphones auf 63 Mio. Geräte und den Marktanteil auf 29 Prozent. Apple kommt demnach auf 47,8 Mio. Geräte und einen Marktanteil von 22 Prozent.

"Wind of Change" im PC-Geschäft

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Zum Vergleich: Der Internetkonzern Google - der mit Apple und Microsoft hauptsächlich auf der Ebene der mobilen Betriebssysteme konkurriert - konnte im zurückliegenden Quartal seinen Gewinn um 6,7 Prozent auf 2,89 Mrd. Dollar steigern. Der Umsatz schwoll im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 36 Prozent an auf 14,4 Mrd. Dollar. Im Gesamtjahr 2012 gelang es Google damit erstmals, mit seinem Umsatz die Schwelle von 50 Mrd. Dollar (rund 38 Mrd. Euro) zu knacken.

"Es ist noch früh, und ein ehrgeiziges Unterfangen wie dieses erfordert Zeit", sagte Microsofts Finanzchef Peter Klein in einem Analystentelefonat mit Blick auf die schleppenden Verkaufserfolge im Geschäft mit Windows 8. Branchenkenner werteten die Quartalszahlen als weiteren Hinweis darauf, dass die Computerindustrie mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen hat.

Die gesamte PC-Branche sieht sich mit einer schwindenden Nachfrage nach klassischen PCs konfrontiert. Für die Unternehmen und ihre langfristig Strategie hätte ein anhaltender Rückgang zwangsläufig gravierende Folgen. Im Jahr 2012 verkaufte die Branche laut Marktforschungsfirma IDC insgesamt 3,2 Prozent weniger herkömmliche Computer.

Dies bekam auch der Microsoft-Chip-Partner Intel zu spüren bekommen. Bereits im vergangenen Jahr schrumpfte der Markt für Intel-basierte PCs, und auch im laufenden Jahr sehen Beobachter hier weitere Einbußen. Dem Rückgang bei PCs steht nun aber ein weiterhin dynamisches Wachstum bei den Tablets gegenüber. Nach Einschätzung von Beobachtern wird deren Marktanteil bis 2016 auf über 55 Prozent steigen.

"Surface"-Verkauf läuft schleppend an

Für Aufsehen sorgen in Branchenkreisen derzeit Gerüchte, denen zufolge sich Microsoft an einer Übernahme des PC-Herstellers Dell beteiligen will. Der Softwareriese könnte 1 bis 3 Mrd. Dollar zur Finanzierung beisteuern, hatte der US-Fernsehsender CNBC unter Berufung auf nicht näher genannte Informanten berichtet. Finanzchef Klein wollte sich zu der Angelegenheit auch in der exklusiven Analystenrunde zunächst nicht äußern.

Dell - der drittgrößte PC-Hersteller der Welt - wird an der Börse mit rund 22 Mrd. Dollar bewertet. Der Konzern sondiert derzeit eine Übernahme des Unternehmens durch Finanzinvestoren. Sollte dies gelingen, wäre es eine der größten Private-Equity-Transaktion seit der Finanzkrise.

Für das Projekt "Surface" - die neue Tablet-Hoffnung des Softwarekonzerns - veröffentlichte Microsoft keine gesonderten Absatzzahlen. Das Gerät war wie Windows 8 Ende Oktober auf den Markt gekommen, und einige Konzernpartner hatten sich darüber beschwert, dass Microsoft das Surface anfänglich nur online und in ein paar Dutzend eigenen Microsoft-Geschäften verkauft hatte. Analysten der Investmentbank UBS hatten daraufhin ihre Schätzung der im Dezemberquartal verkauften Surface-Tablets auf eine Million Stück reduziert.

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Quelle: n-tv.de

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