Der TagChirurg verurteilt, weil er betrunken operierte
Der Arzt hatte mehr als 2,2 Promille Alkohol im Blut, als er eine Frau am Blinddarm operierte. Das Landgericht Osnabrück hat den Mediziner zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Bei seinem Verhalten habe es sich um gefährliche Körperverletzung gehandelt, sagt die Vorsitzende Richterin. Dem Chirurgen sei klar gewesen, dass er zum Zeitpunkt der Operation unter Alkoholeinfluss gestanden habe - schließlich habe er sich deswegen zuvor von seiner Frau zur Klinik fahren lassen. Während des Eingriffs fiel den beiden OP-Schwestern und der Anästhesistin auf, dass der Chirurg aufgekratzt wirkte und offensichtlich Probleme hatte, seine Handbewegungen zu koordinieren. Laut den Zeugenaussagen verletzte der Chirurg mit seinem OP-Instrument den Dünndarm der Patientin. Als er darauf aufmerksam gemacht wurde, habe er gekichert, heißt es weiter. Eine OP-Schwester zog schließlich den Stecker seines Instruments, um die Notfallpatientin zu schützen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Klinik erklärte, sie habe sich nach dem Vorfall von dem Chirurgen getrennt und Anzeige erstattet. Der 56-jährige Chirurg arbeitet laut eigener Aussage inzwischen in einem Krankenhaus im nördlichen Nordrhein-Westfalen. Die Patientin war Nebenklägerin in dem Prozess. "Wenn ich gewusst hätte, dass der Arzt betrunken war, wäre ich wieder von der Liege gesprungen und wäre notfalls in ein anderes Krankenhaus gefahren", sagt die 60-Jährige. Inzwischen sei es gut verheilt, ab und zu habe sie aber noch Schmerzen.