Der Tag

Der TagEx-FDP-Chef Lindner liest Kanzler Merz die Leviten

04.05.2026, 07:18 Uhr

Der frühere Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner sieht Bundeskanzler Friedrich Merz ein Jahr nach Amtsantritt massiv unter Druck - und nimmt deswegen kein Blatt vor den Mund. Merz habe als Oppositionschef unterschätzt, "wie sich Koalitionen mit linken Parteien auf bürgerliche Politik auswirken", sagte Lindner der "Rheinischen Post". "Deshalb kann er seine Versprechen nicht halten." Merz' frühere Kritik an der FDP wegen deren Rolle in der Ampel-Regierung komme nun "wie ein Bumerang zurück", sagte Lindner. "Gegenüber der Vorgängerregierung muss er höhere Schulden, höhere Steuern und mehr Bürokratie erklären."

Ob Merz Kanzler könne, ließ Lindner offen: "Das entscheidet sich noch." Begeisterung klingt anders. Zugleich verwies er auf Merz' Vorgänger, der "bei allen Defiziten" den Mut gehabt habe, "Rot-Grün die Zeitenwende abzutrotzen." Dass ausgerechnet Lindner, der maßgeblich zum Ampel-Aus beigetragen hat (Stichwort: D-Day) einmal Olaf Scholz lobt, hat wohl niemand erwartet. Lindner fügte hinzu, er hoffe, "dass Friedrich Merz ein solches Momentum sucht". Der 47-Jährige legte zudem in der Wirtschaftspolitik nach: Die wirtschaftliche Substanz verdunste, die Deindustrialisierung beschleunige sich. "Das liegt nicht nur an geopolitischen Konflikten, sondern auch an der Enttäuschung darüber, dass die Wirtschaftswende ausbleibt."

Quelle: ntv.de