Der TagGysi ruft zu Dialog mit "Letzter Generation" auf

Den Dialog suchen, bevor es zu spät ist - etwa so begründet der Linken-Politiker Gregor Gysi seinen Aufruf an Bundeskanzler Olaf Scholz und die Bundesregierung, mit den Klimaaktivistinnen und -aktivisten der "Letzten Generation" zu sprechen. Er befürchte andernfalls eine Radikalisierung wie bei der protestierenden Jugend von 1968, mit der niemand geredet habe. Das sagte Gysi dem "Tagesspiegel". "Die Bewegung radikalisierte sich immer mehr und ein kleiner Teil wurde dann zur RAF. Diese Art von Radikalisierung müssen wir unbedingt verhindern." Die linksextremistische Rote Armee Fraktion (RAF) war in der Bundesrepublik von 1970 bis Anfang der 1990er verantwortlich für zahlreiche tödliche Terroranschläge und Geiselnahmen. Gysi machte jedoch genauso deutlich, dass die "Letzte Generation" "aktuell überhaupt nicht" mit der RAF vergleichbar sei - da unterscheidet sich der Linken-Politiker von konservativen Stimmen über die Aktivistinnen und Aktivisten. Die meisten aus der Gruppe seien laut Gysi noch zugänglich. "Noch kann man mit diesen jungen Menschen reden. Diese Zeit müssen wir nutzen. Mit Fanatikern wie damals von der RAF wird gar kein Gespräch mehr möglich sein."
Im Gegensatz zu wohl den meisten Politikerinnen und Politikern steht Gysi durchaus im Austausch mit Mitgliedern: Er hatte Ende November in Berlin als Anwalt einen Aktivisten vor Gericht verteidigt, der sich bei Straßenblockaden in Berlin auf den Asphalt geklebt hatte.