Der TagKeiner will nach China
Auf den China-Flugrouten von und nach München und Frankfurt sind die Passagierzahlen in diesem Jahr bereits geschrumpft: um 1300 auf knapp 203.000 Passagiere während der ersten fünf Monate in München. In den ersten vier Monaten in Frankfurt waren es 180.300 Fluggäste, die nach China flogen oder von dort ankamen, 27.000 weniger als ein Jahr zuvor. Ein weitestgehend identisches Bild zeigt sich auch beim längerfristigen Vergleich der Jahre 2019 und 2024: Gesunkene Passagierzahlen nach und aus China, im Saldo höhere im US-Flugverkehr.
Woran liegt das? "Die Erreichbarkeit Chinas hat sich erheblich verändert", sagt Dennis Utzerath, Tourismusfachmann bei der internationalen Unternehmensberatung BCG in Köln. In der Corona-Pandemie wurde das Flugangebot sehr stark zusammengestrichen. Und wegen des Ukraine-Kriegs umfliegen europäische Fluggesellschaften seit 2022 den russischen Luftraum auf teuren Umwegen, chinesische nicht. "Für europäische Fluggesellschaften ist es dadurch erheblich schwieriger geworden, gegen chinesische Airlines wettbewerbsfähig zu sein", sagt Utzerath. Mehrere europäische Fluggesellschaften – darunter die Lufthansa und British Airways – setzten Verbindungen nach China aus.
"Die immer noch schwachen Fluggastzahlen aus Deutschland in Richtung China lassen erstaunlicherweise keinen Rückschluss auf die tatsächliche touristische Nachfrage für China zu", sagt allerdings Holger Baldus, Sicherheitsmanager beim Münchner Reiseanbieter Studiosus. Hintergrund der Fluggastzahlen seien die Streckeneinstellungen europäischer Carrier in Richtung China. Der Reiseanbieter sieht sogar ein erstaunliches Wiedererstarken des China-Tourismus aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, nach Worten des Managers "derzeit von der knappen Verfügbarkeit an Flugsitzen noch gezügelt".