Der TagLe Pens Chancen auf Wahlsieg steigen
Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen hat bei ihrem dritten Anlauf bei der französischen Präsidentschaftswahl größere Aussichten als je zuvor auf einen Wahlsieg. Kurz vor der ersten Runde der Wahl am Sonntag hat der bisher eher müde Wahlkampf eine überraschende Dynamik bekommen. In Umfragen liegen Amtsinhaber Emmanuel Macron und Le Pen nur noch zwei, drei Punkte auseinander - etwa so viel, wie die Fehlermarge beträgt.
"Ich bin bereit zum Regieren", so Le Pen im "Figaro". "Ich habe eine Reife erreicht in meiner Laufbahn, die ich vor 20 Jahren begonnen habe." Es gibt Gründe, warum es Le Pen dieses Mal schaffen könnte - aber auch einige, die dagegen sprechen. Zwei ihrer Vorgänger, François Mitterrand und Jacques Chirac, haben es beide erst im dritten Anlauf geschafft. Außer den beiden ist in Frankreich keiner der sechs anderen Präsidenten wiedergewählt worden.
Macron hat weitgehend auf den Wahlkampf verzichtet und vergeblich darauf gesetzt, sich als Pandemie- und Putin-Bezwinger in Szene zu setzen. Le Pen hingegen ist dauerlächelnd in pastellfarbenen Blazern durch die Talkshows gezogen und hat sich immer wieder mal als Katzenmutti gezeigt. 2017 fanden sie 62 Prozent der Franzosen unsympathisch, inzwischen sind es nur noch 50 Prozent. Einen Teil ihrer Wählerschaft hat sie an den radikaleren Eric Zemmour verloren - wo sie nun eine Stimmenreserve für eine wahrscheinliche Stichwahl bilden. Sie kann auch darauf hoffen, dass viele Wähler "alles außer Macron" wollen.