Der Tag

Der TagOh, was haben wir denn da? Ein Dickpic, musste das sein?

04.01.2022, 10:25 Uhr

Plötzlich ist in den Direktnachrichten oder im Messenger-Chatverlauf etwas zu sehen, was gerne mit einem Bananen-, Gurken - oder Auberginen-Emoji jugendfrei umschrieben wird, aber besser in der Hose geblieben wäre. Wie viele Fotos männlicher Genitalien ohne Bitte gesendet werden, ist nicht bekannt, aber viele Frauen kennen das Problem aus dem Internet. "Die wenigsten Frauen berührt das gar nicht, so was ist ja schon ein sehr, sehr übergriffiges Verhalten", sagt die Psychologin und Kriminologin Sandra Schwark, Expertin für sexualisierte Gewalt. Viele fühlten sich belästigt, seien angeekelt oder beschämt. "In vielen Fällen geht es nicht um die Anbahnung von sexuellen Kontakten, sondern es ist wie sexuelle Belästigung auf der Straße ein Zeichen von Machtausübung. So: 'Guck mal, ich kann das gerade hier machen, ich kann dich in eine Situation bringen, die für dich unangenehm ist, und es hat für mich im Zweifelsfall überhaupt keine Konsequenzen'", so Schwark. Studien zu sexueller Gewalt und Belästigung seien "alle ziemlich deutlich zu dem Ergebnis gekommen, es geht um diesen Machtfaktor, um Machtausübung über eine andere Person."

Die Autorinnen einer bekannten Studie zu "Dickpics" (also Penisbildern) gehen davon aus, dass viele Männer, die Penisbilder versenden, zwar nicht bewusst von Feindseligkeit oder Sexismus motiviert sind, aber diesen mit dem Versenden trotzdem verstärken. 82 Prozent der befragten Männer, die Genital-Bilder unverlangt versendet haben, hofften laut einer Untersuchung, die Empfängerin oder den Empfänger damit sexuell zu erregen. Jeder zweite gab an, der Empfänger oder die Empfängerin sollte sich durch das Bild selbst attraktiv fühlen. Und etwa gleich viele erhofften sich als Antwort "sexy Bilder" (51 Prozent), wollten den anderen anturnen (53 Prozent) oder so das eigene sexuelle Interesse signalisieren (49 Prozent).

Recht einfach können Betroffene eine Anzeige über die Homepage Dickstinction.com vorbereiten. Dort bekommen sie Tipps, wie man den Vorfall am besten dokumentiert (mit einem Screenshot, der neben dem "Dickpic" auch Datum und Uhrzeit der Nachricht sowie den Namen des Absenders enthält), und werden mit Fragen zum Vorfall durch die Anzeige-Erstellung geführt. Die fertige Anzeige kann ausgedruckt und an die Polizei geschickt oder dort abgegeben werden. Denn das Versenden von "Dickpics" ist strafbar: "Wer einen pornographischen Inhalt an einen anderen gelangen lässt, ohne von diesem hierzu aufgefordert zu sein, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft", heißt es im Strafgesetzbuch (Paragraf 184).

Quelle: ntv.de