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Der TagTypische Gefahren beim Baden in offenen Gewässern

19.05.2025, 06:36 Uhr

Momentan ist an Überhitzung in Deutschland nicht zu denken, aber der Sommer wird kommen! Und dann will man ins Wasser! Aber: Jedes Jahr gibt es Badeunfälle. Mindestens 411 Menschen sind im Jahr 2024 in Deutschland ertrunken. Wer nun glaubt, dass es hauptsächlich Kinder trifft, die noch nicht schwimmen gelernt haben, irrt: "Wir sehen in der Statistik immer wieder, dass Ertrinken ein junges, männliches Problem ist", so Alexander Paffrath, Einsatzleiter der DLRG. Was vielen Betroffenen zum Verhängnis wird: In Freigewässern wie See, Meer, Fluss oder Kanal sind die Bedingungen weniger "laborartig" als im Hallenbad, wo viele von uns Schwimmen gelernt haben, es herrschen Strömungen, Wellengang und Temperaturunterschiede. Worauf gilt es also zu achten?

  • Gefahr 1: Aufgeheizter Körper, kühles Wasser - So ersehnt die Abkühlung im See dann auch ist - vor dem Baden sollte man sich einmal kurz abbrausen, etwas Wasser über Arme, Beine und Rumpf spritzen oder sehr langsam hineingehen. Gehe man ohne diese Vorbereitung ins kalte Wasser, ziehen sich die Blutgefäße, die vorher geweitet waren, schlagartig zusammen. Insbesondere bei Menschen, die Herz- oder Gefäßkrankheiten haben, kann das schon ausreichen, um eine lebensbedrohliche Situation auszulösen - etwa eine Bewusstlosigkeit. Laut um Hilfe schreien können Betroffene dann nicht mehr. Der klassische Badeunfall ist ein lautloses Untergehen. Daher gilt: Nur Baden gehen, wenn man sich auch gut fühlt.

  • Gefahr 2: "Ach, das ist doch nicht weit" - Menschen überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und Kräfte - und schwimmen zum Beispiel zu weit raus. Tipp: parallel zum Ufer schwimmen.

  • Gefahr 3: Alkohol und Drogen - Rausch enthemmt und lässt einen auf Ideen kommen, die nüchtern betrachtet alles andere als vernünftig sind. Zumal Rauschmittel oft Gruppendynamiken verstärken, die auf gegenseitiges Aufstacheln und riskante Mutproben hinauslaufen.

  • Gefahr 4: Strömungen und Schiffsverkehr unterschätzen - Flüsse können von heute auf morgen total unterschiedlich sein, was etwa Strömungsgeschwindigkeit oder Uferbeschaffenheit angeht. Bei großen Flüssen wie Rhein, Elbe oder Mosel kommt der Schiffsverkehr als weitere Gefahr dazu. Die Schiffe verdrängen das Wasser, ein Sog kann entstehen. Wer in Not gerät, sollte auf sich aufmerksam machen - etwa mit den Armen winken und rufen. Dagegen ist es aussichtslos, gegen die Strömung ankommen zu wollen. Lieber auf den Rücken legen, den Blick in Richtung Land und dann versuchen, sich mit der Strömung mittragen zu lassen. Weil die stellenweise auch parallel zum Land gehe, lasse sich vielleicht eine günstige Austrittsmöglichkeit finden.

  • Gefahr 5: Kopfsprünge ins Wasser - Wer in ein Gewässer springen möchte, sollte das nur tun, wenn das auch erlaubt ist - und vor allem: wenn das Wasser tief genug ist. Bei etwas trüben Seen lässt sich das allerdings oft nicht so gut erkennen.

  • Gefahr 6: Gewitter und Starkregen - In der Ferne grummelt es? Nun ist es an der Zeit, das Gewässer zu verlassen - auch wenn das Gewitter noch entfernt scheint. Denn schlägt ein Blitz ins Wasser ein, verteilt sich sein Strom über eine große Fläche, sogar mehr als 100 Meter vom Einschlagsort können noch Ströme fließen, die bei Schwimmerinnen und Schwimmern einen Schock auslösen können. Dann besteht das Risiko des Ertrinkens.

Helfen - aber wie:

  • Hilfe holen - falls vorhanden, bei Rettungsschwimmern vor Ort. Ansonsten: Notruf 112 wählen und den Unglücksort möglichst genau beschreiben.

  • Hilfsmittel finden. Womöglich gibt es einen Rettungsring oder eine Rettungsstange in der Nähe.

  • Eigene Rettungsversuche gut abwägen, vorher Schuhe und störende Kleidung ausziehen. Und: Andere an der Badestelle unbedingt darauf aufmerksam machen, dass ein Rettungsversuch läuft.

Quelle: ntv.de