Importe

"My fuckin' Irish ass!" Liam Neeson in "96 Hours"

96_HOURS-TAKEN_23.jpg

In Bestform: Liam Neeson.

Beim nächsten Istanbul-Besuch werden Sie sich fragen: Wie komme ich bloß da aufs Dach? So wie Liam Neeson: Der Mann ist ja so fleißig. Gerade haben wir ihn in "Battleship" und "The Grey", gesehen, da turnt er schon wieder am Bosporus rum, um Frau und Kind zu retten. Im Interview erzählt Neeson, wie die Dreharbeiten für ihn waren.

Da kommt er. Nicht zu übersehen. Der Mann ist groß, und kräftig. Die Einrichtung im Hotel Adlon wirkt ein wenig puppenhaft in seiner Gegenwart, und wenn er spricht, brummen die Bässe. Herrlich, ein Schauspieler, der nicht im üblichen Sinne typisch Hollywood ist. Auch nett: Er sieht in echt besser aus als im Film. Das mag an seiner Rolle liegen, stets abgekämpft, schlaflos und ständig auf dem Sprung, aber tatsächlich sieht man ihm seine 60 Jahre nicht an. Die Frage nach dem Fitness-Zustand des in Nordirland geborenen Ex-Boxers stellt sich somit nicht.

Liam Neeson schwärmt im Interview allerdings, dass "es war, wie in einen angenehmen Anzug zu schlüpfen", als er die Rolle des Bryan Mills wieder übernahm. Das lässt Rückschlüsse darauf zu, dass er in den letzten Jahren wohl weder zu- noch abgenommen hat. Der Anzug, den Neeson in Berlin trägt, steht ihm übrigens auch ganz ausgezeichnet ... Doch wir driften vom Thema ab.

96_HOURS-TAKEN_25.jpg

Muss die Eltern retten: Tochter Kim (Maggie Grace).

Worum geht's im zweiten Teil von "96 Hours - Taken"? Vor eineinhalb Jahren befreite der pensionierte CIA-Agent seine Tochter Kim (Maggie Grace) aus den Fängen brutaler albanischer Mädchenhändler, und danach schien Ruhe eingekehrt zu sein im Leben des Bryan Mills. Inzwischen ist es ihm wichtig, dass seine Tochter die Fahrprüfung besteht - dass sie diese Fahrkünste später bestens gebrauchen kann, wird eine tragende Rolle im Film spielen. Ansonsten liegt ihm auch das Wohl seine Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) mehr als es einem Geschiedenen gut tut, am Herzen, und gerade, als die Familienverhältnisse drohen, zu idyllisch zu werden, wird das wiedergefundene Glück hart auf die Probe gestellt: Als Bryan einen hochdotierten Leibwächterjob in Istanbul beendet hat, will er die Zeit nutzen, mit seinen beiden Herzensdamen die Metropole am Bosporus zu entdecken - doch da bricht neues Ungemach über die Mills herein.

96_HOURS-TAKEN_22.jpg

In jeder Beziehung ist dieses Kind ...

Bryan und Lenore werden gekidnappt. Der Vater eines damals von Mills ermordeten Albaners sinnt auf Rache. Doch er hat sich mit dem falschen Gegner angelegt. Mit Hilfe seiner Fähigkeiten und jahrelangen Erfahrungen als CIA-Agent setzt Mills alles daran, sich und seine Frau aus der Gewalt ihrer Peiniger zu befreien. Interessante Wendung: Seine Tochter Kim, die sowohl unter der Überfürsorglichkeit ihres Vaters als auch unter dem Trauma der Entführung leidet, dreht den Spieß um. Durch einen glücklichen Umstand wird sie nicht entführt und setzt nun alles daran, ihre Eltern aus den Fängen der rachelüsternen Kidnapper zu befreien. Ungeahnte Fähigkeiten schlummern in ihr, sie selbst ist am meisten überrascht. War ihre größte Sorge bisher doch, dass sie den Fängen ihres Vaters entkommt, der seine Prinzessin vor allem beschützen wollte, ist ihr größtes Anliegen jetzt, ihn und ihre Mutter zu retten. Nun ist sie es, die Bomben wirft, rennt, kämpft, Auto wie eine Wahnsinnige fährt und dabei eine Entschlossenheit zeigt, die der Tochter eines CIA-Agenten anscheinend naturgemäß zu eigen ist. Kim tritt in die Fußstapfen ihres Vaters.

Ich suche euch, ich finde euch, ich töte euch

Das bedeutet: knallharte Actionpower und nervenzerreißende Spannung. Tatsächlich, wer zum Nägelknabbern neigt, sollte Handschuhe tragen, denn nach dem weltweiten Erfolg von "96 Hours" wird nun "96 Hours – Taken 2" unter der Regie von Olivier Megaton ("Transporter 3") erneut an den Nerven der Kinozuschauer zerren. In Frankreich und in den USA läuft der Film bereits, und wie nicht anders zu erwarten war, rennen die Leute ins Kino, als gäbe es nichts anderes.

96_HOURS-TAKEN_24.jpg

... ganz der Vater.

Unter Liam Neeson verstehen viel Kinozuschauer ja immer noch den Mann, der mit "Schindlers Liste" Geschichte schrieb, oder der in "Love, Actually" eher die gefühlvollen Akzente setzte, oder Rollen, die eine gewisse Tiefe bedeuten, wie zuletzt in "Grey". Dass Liam Neeson mittlerweise zu den leicht betagten Action-Helden gehört, ohne gleich für den Cast von "The Expendables" in Betracht gezogen zu werden, scheint an den meisten Cineasten dennoch vorbeigegangen zu sein. "Ich bin kein Action-Held", wehrt er dann auch ab, "ich habe über 50 Filme gedreht, die waren ja alle sehr unterschiedlich! Und bei den Expendables ist es mir zu voll, da spielen ja schon alle anderen mit", lacht er. Und wenn man ihm den nächsten James Bond anbietet? "Also wirklich, dafür bin ich zu alt", wehrt er ab. 

Er liebt es, sich fit zu halten, und natürlich hatte er eine Menge "Extra-Workout" vor dem Drehstart, aber man glaubt ihm sofort, dass er das nicht macht, um nur in einem Film zu glänzen. Er war im "Gym", ja, aber der Hauptteil war Kampfsporttraining, und auch der Umgang mit einer Waffe muss in dem Zusammenhang, dass alles schnell, lässig und natürlich aussehen soll, geübt werden. "Sport mache ich sieben Tage die Woche", gibt er zu, und "ich genieße es, mich körperlich abzurackern." Das Härteste sind die Kampfszenen: So eine Prügelei wie die im Hamam ist mehr ein Tanz als ein Kampf. "Wir wollen uns ja schließlich nicht wehtun", lächelt Neeson", es soll nur so aussehen."

96_HOURS-TAKEN_2.jpg

Viel Haut - aber auch viel Hirn.

Besonders beeindruckend findet Neeson allerdings nicht den Kampf, sondern den Hamam selbst in Istanbul: "Das Ding ist 500 Jahre alt - ich meine 500 Jahre! - und es funktioniert noch! Sie haben es zwei Tage vor unserem Dreh ausgeschaltet, aber der Stein war immer noch warm. Unglaublich!" Schaltet so ein vitaler Mann wie Liam Neeson auch mal ab? "Ach, das sieht doch immer nur alles so anstrengend aus, aber zwischen meinen Filmen habe ich nun wirklich genug Zeit, um mich zu erholen", beantwortet er die Frage nach Pausen, die es in den letzten Jahren kaum zu geben scheint. "Sie müssen sich das so vorstellen. Bei "Battleship" war ich vier Tage am Set." Okaaay ... "Bei "Batman" höchstens zwei Stunden, würde ich sagen, " lügt er, ohne rot zu werden und lacht. Mann Mann Mann, der Typ ist witzig, fast würde er einen hinters Licht führen mit seinem Understatement. Sieht er sich denn seine eigenen Filme an? "Batman habe ich noch nicht gesehen, aber normalerweise schon", gibt er zu.

Der Vater von zwei Söhnen (16 und 17 Jahre alt) hat übrigens kein Problem mit der Gewalt, die in seinen Filmen gezeigt wird. "Ich finde, das ist wie ein Cartoon", sagt er und lächelt ein bisschen provozierend. "Es ist doch nur ein Film. Meine Söhne dürfen das sehen", so Neeson, "sie mögen meine Filme." Und was halten die Knaben von ihrem "Action Dad"? Nehmen sie ihn ernst? Kurze Pause - darf man so was fragen? -  aber er lacht: "Die nehmen einen in dem Alter doch sowieso nicht ernst", gibt er lachend zu. "Aber ich nehme mir zu Herzen, was sie über meine Filme sagen. Und auch, was sie über andere Filme sagen. Jetzt haben sie gesagt: "Ist ja ganz okay, Dad, aber den und den Film oder Typen finden wir doch noch ein bisschen besser", plaudert er aus dem Nähkästchen. Das klingt total gesund, oder? "Ja, ich finde es auch cool, sie sind ehrlich zu mir!"  

Der Mann ist hot!

96_HOURS.jpg

Ab 11.10. in Ihrem Kino.

Erneut überzeugt Liam Neeson als knallharter Actionheld - doch auch die weiche Seite kommt dieses Mal mehr zum Vorschein. Steht er eigentlich auf Liebes-Szenen? "Naja", windet er sich, es gibt Schlimmeres, aber ein bisschen befremdlich ist es schon beim Dreh." "Mein nächster Film ist mit Olivia Wilde", erzählt er. "Sie wird nackt sein, hat man mir vorher mitgeteilt, und ich sag' ja, fein, ich freu' mich, but I'm not going to show my fuckin' irish ass to anybody", poltert Neeson und windet sich ein bisschen auf dem Puppen-Stuhl im Adlon. Vermisst er seine Heimat manchmal? "Ja, schon." Und will er vielleicht wieder dort leben? Er zögert einen Moment: "Ich bin so verwurzelt in Amerika, auch meine Söhne sind da zu Hause, ich glaube, ich bleibe dort."

Bei der Premiere von "96 Hours - Taken 2" plauderte der Schauspieler bereits ein bisschen aus dem Nähkästchen: "Ich bin froh, dass ich zwei Söhne habe, ich glaube, es ist einfacher." Wäre er denn ein so hyperprotektiver Vater, wenn er Töchter hätte? "Ja, wahrscheinlich, ich würde mir Tag und Nacht Sorgen machen. Ich wäre ein schrecklicher Mädchen-Vater." Mit seinen Söhnen spielt er liebend gerne Basketball (was man mit Mädchen ja auch tun könnte), aber bei Video-Spielen gibt er auf: "Das mache ich nicht! Ich finde die Grafik der Spiele oft großartig, und es gibt so ein Boxer-Game, das mag ich, aber ansonsten lasse ich die Finger davon."

Kann einer wie Liam Neeson (der übrigens eine fast zarte Stimme hat) die Rachegefühle, die sein Gegner im Film für ihn hegt, nachvollziehen? "Ja, das kann ich. Ich bin in Nordirland aufgewachsen. Da gab es jahrzehntelang Krieg, Gewalt. Immer wieder neue Gewalt. Und ja, mein Feind im Film, Murad, den der wunderbare Rade Serbedzija spielt, den kann ich gut verstehen, er ist ein trauernder Vater. Er ist nicht der klassische Filmbösewicht, der die Welt beherrschen will, er ist unberechenbar, und das macht ihn so besonders gefährlich. Ich habe seinen Sohn brutal umgebracht, und ihm ist ganz egal, was sein Sohn vorher getan hat, er ist blind vor Trauer." Und wie viel Bryan Mills steckt in Ihnen, Mister Neeson, sind Sie auch immer so pünktlich? "Natürlich bin ich pünktlich, das gehört sich, aber ich bin vielleicht nicht ganz so pedantisch wie meine Rolle. Allerdings bin ich auch nicht ganz so brutal wie Bryan", sagt er und zwinkert. Puh, der Mann ist hot, und je länger man ihm gegenübersitzt, desto wärmer wird's. "Ich mag es weder, die Leute am Set auf mich warten zu lassen noch sonstwen", fährt er fort.

Sehr französisch

Neesons Stuntman ist inzwischen sein Freund geworden: "Wie weit gehen Sie? Und wann muss Ihr Double, Mark Vanselow, übernehmen? "Das kommt immer drauf an. Ich liebe es, meine eigenen Kämpfe zu kämpfen, aber natürlich komme ich an meine Grenzen, und dann übernimmt Mark. Ich mache 90 Prozent, ich kämpfe und renne, aber fliegen muss er", erzählt Neeson.

Es geht aber in "96 Hours" nicht nur um Action - es geht auch um die Liebe, die Familie, verpasste Gelegenheiten. "Glauben Sie an eine zweite Chance, Mr. Neeson?" "Ja, es ist fantastisch, wenn sich eine anbietet. Wenn man auf der Bühne steht, dann hat man ständig zweite Chancen. Wenn ich am Dienstag schlecht gespielt habe, dann kann ich es Mittwoch besser machen. Wenn der Film aber gedreht ist, dann ist er gedreht, keine zweite Chance."

Naja, wir wollten das natürlich eigentlich etwas privater wissen, aber da mag der Profi nicht drauf eingehen. Ist er denn glücklich? "Zufrieden bin ich. Ich glaube nicht an das permanente Glück. Es kommt für einen kurzen Moment, und dann geht es wieder. Ich bin momentan aber sehr zufrieden, wenn Sie das noch interessiert", lächelt er. Wir verstehen: Über seine 2009 verstorbene Frau Natasha Richardson möchte er verständlicherweise nicht sprechen, und neu verliebt soll er sein, aber auch eigentlich egal.

Zurück zum Film: Die Actionprofis Luc Besson und Robert Mark Kamen, die schon im ersten Teil die Spannung aufs Äußerste treiben, sind erneut als Produzenten und Drehbuchautoren dabei. Neu im Bunde ist Olivier Megaton, der Regisseur, der Graffitikünstler war und auf dessen Konto ein veritabler Blockbuster geht: "Transporter 3".  Wie war die Zusammenarbeit mit dem Franzosen? "Großartig, sehr französisch, sehr schnell!" Und wenn es einen dritten Teil geben würde? "Ich glaube nicht", wehrt er ab. Aber er würde sehr gerne wieder in Berlin drehen und in den Babelsberger Studios. Da freuen wir uns doch schon auf das nächste Interview.

"96 Hours - Taken 2" startet am 11. Oktober in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.