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19.11.2012, 16:43 Uhr

  1. n-tv.de und die n-tv Apps sind immer online, Nachrichten sind rund um die Uhr verfügbar. Gilt das auch für die Redaktion?

Ja, selbstverständlich! Unsere Redaktion ist rund um die Uhr besetzt. 365 Tage im Jahr. Sehen Sie, der Nachrichtenkonsum hat sich in den letzten 10, 15 Jahren doch dramatisch verändert. Früher gab es morgens die Tageszeitung, abends die Tagesschau und Montag war „Spiegel“-Tag. Damit können Nachrichteninteressierte doch heute gar nichts mehr anfangen. Lassen Sie uns kurz mal einen Nachrichtentag aus Sicht des Lesers oder Zuschauers ansehen. Der öffnet gegen 6 Uhr erst mal die n-tv App auf seinem Smartphone. Wie das Deutschlandspiel ausgegangen ist, das weiß der Leser da bereits. Aber die Spielanalyse und die Spieler in der Einzelkritik, die kennt er noch nicht. Und das Dirk Nowitzki 46 Punkte geworfen hat, das ist neu. Und dann sieht er gleich noch, was der Nikkei macht, und dass Obama auch den neuen CIA-Chef hat feuern müssen. Diese ganzen Geschichten müssen also in der Nacht geschrieben werden, damit sie um 2, um 3 oder um 5 Uhr am frühen Morgen online gehen können. So, dann schaut unser Nachrichteninteressierter um 7 Uhr die Nachrichten auf n-tv und ab geht es ins Büro. Rechner hochgefahren, 9 Uhr, kurz reingeklickt auf den n-tv Livestream und die Regierungserklärung von Merkel. Und wie startet der Dax? Was macht der Euro? Nächster Blick am Mittag auf n-tv.de. Der Kommentar „Stell Dir vor, Merkel spricht“. Und was ist das? Eine Bilderstrecke zum internationalen Toilettentag. Originell. Meeting am Nachmittag, das Handy piept. n-tv Breaking News: Geiselnahme in einer Bank in Bonn. 18 Uhr, Bürotag gleich zu Ende, letzter Klick auf n-tv.de. Geiselnahme hält an, Löw bewertet das Unentschieden gelassen, aber Schweinsteiger mosert rum. Außerdem wollen die Griechen Zeit bis 2045. Auf dem Rückweg piept es wieder. Ein Blick auf die App. Glücklicherweise konnte die Geiselnahme unblutig beendet werden. Nur leider schmiert der Dax ab. Und heute Abend fährt Vettel um den WM-Sieg aber unser Nachrichtenleser ist bei den langweiligen Nachbarn zum Essen eingeladen. Gut, dass es den n-tv-Formel-1-Ticker auch auf dem Handy gibt. 1 Uhr nachts, endlich ab ins Bett. Letzter Klick aufs iPad. Vettel feiert ausgelassen, die Presse sieht Merkels Rede sehr kritisch, Wall Street im Plus, Und das Wetter morgen? Sonnig.

  1. Was Sie jetzt beschrieben haben, klingt nicht nur nach Dauerstress, sondern auch nach mehr als Nachrichten?

Nun, wir machen Nachrichten aus Leidenschaft. Und natürlich auch mit Leidenschaft. Aber wir sind, wie einige wenige andere Nachrichtenangebote im Internet auch, weit mehr als Nachrichten. Um den Gedanken von eben wieder aufzugreifen: Tageszeitung, Wochenmagazin, Tagesschau: Bei n-tv finden alle Bereiche, alle Formate statt. Die schnelle News, der Kommentar, die Analyse, die Reportage, das Interview. Wir bieten Überraschendes, Unterhaltsames, mit Fakten und Zahlen gespickte Hintergrundinformationen ebenso wie geldwerte Servicegeschichten. Denn was will der Leser? Er will über das aktuelle Geschehen informiert werden, auf dem Laufenden bleiben. Er will sich dabei nicht durch Texte quälen und mühsam versuchen, zu verstehen, was eigentlich so wichtig an dem Thema ist, was eigentlich Sache ist. Der Leser will nicht ratlos zurückbleiben, sondern Erklärungen bekommen, Einordnungen, Auseinandersetzungspunkte vielleicht auch.

  1. Wie wichtig ist die eigene Recherche im Onlinejournalismus

Anhand der eigenen Recherche, dem eigenen Zugang zu Themen, der eigenen Themensetzung und der eigenen Sprache wird sich im Onlinejournalismus die Spreu vom Weizen trennen. Seien wir ehrlich. Vor zehn Jahren haben viele Nachrichtenseiten nichts anderes gemacht, als Agenturtexte ins Web zu kopieren. Viele Seiten machen das immer noch so. n-tv.de nicht. Dabei geht es nicht nur um die berühmte Nachricht hinter der Nachricht. Es geht auch darum, den überbordenden Nachrichtenstrom sinnvoll aufzubereiten, das Spannende herauszufiltern, Langweiliges wegzulassen, Informatives hervorzuheben, die Show zurückzudrängen, Emotionen und Stimmungen nicht aufzubauschen, aber Berührendes sichtbar zu machen.

  1. Wie sieht so etwas konkret aus?

Konkret mal ein Beispiel aus dem alltäglichen Nachrichtengeschäft. Peer Steinbrück wird Kanzlerkandidat der SPD. Jetzt äußern sich Politiker sämtlicher Parteien zum Kandidaten. Wollen Sie das lesen? Wollen Sie lesen, dass Frau Nahles Herrn Steinbrück als erste Wahl ansieht und man keinen besseren hätte finden können? Wollen Sie lesen, dass die CDU der Meinung ist, Steinbrück sei auf gar keinen Fall geeignet, Deutschland in diesen wichtigen Zeiten zu führen und so weiter und so fort. Sehen Sie, das alles wollen Sie nicht lesen. Darum bieten wir dem Leser lieber eine Geschichte „Was Deutschland mit Steinbrück als Kanzler zu erwarten hätte“. Oder eine Geschichte „Was die Ortsverbände der Sozialdemokraten wirklich über Steinbrück denken“. Dafür braucht es Recherche, Ideen und vor allem kluge Köpfe in der Redaktion. Um solche Themen auch richtig anpacken zu können.

  1. Unterscheidet sich die Arbeit an n-tv.de eigentlich wesentlich von der mit den mobilen Services?

Wo n-tv draufsteht, da ist auch n-tv drin. Das ist unsere erste Prämisse. Verlässlichkeit ist für uns ein wesentlicher Leitgedanke. Darum verfolgen wir konsequent eine Multiplattformstrategie. Und hier gilt die Devise: So viel Gemeinsamkeiten zwischen TV, Online und Mobil wie möglich, so viel eigene Themen, Aufbereitung und Ansprache wie nötig. Bei den n-tv Apps steht zunächst die schnelle, klare Information im Vordergrund. Was ist gerade wichtig? Was geschieht gerade? Auf einen Blick. Dazu vielleicht noch ein paar schöne Lesestücke über den neuen A4 oder den Bond-Premiere-Abend. Für die Wartezeit auf dem Flughafen oder die sich hinziehende Abteilungssitzung. Im Internet gehen wir noch mehr in die Tiefe. Hier spielt auch die multimediale Aufbereitung der Themen eine größere Rolle: Eine interaktive Karte zur Chronologie des Schiffsunglücks, eingebaute Audio-Files von Telefonaten der Passagiere, eine Mitschrift des Funkverkehrs, dazu eine Bilderstrecke mit Amateuraufnahmen und von den TV-Kollegen eine animierte Grafik zum Unfallhergang.

  1. Stichwort TV. Was unterscheidet Nachrichten im TV von denen via Website und App? Will der Leser anders informiert werden als der Zuschauer?

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(Foto: AP)

Nein. Das eine schließt das andere ja auch gar nicht aus. Und die Themen der Nachrichten sind ja auch nicht beliebig. Egal ob im TV oder online: Wir rücken das in den Fokus, was relevant ist, was die Lebenswirklichkeit der Leser oder Zuschauer beeinflusst, was Zuschauer oder Leser angeht, sie berührt. Bei den TV-Kollegen läuft das natürlich primär über Bilder. Wir dagegen sind in erster Linie Schreiberlinge. Letztlich aber ergänzt sich beides. Das sieht man ja auch wunderbar auf der Website und auch den Apps. Die Nutzer lesen einen Artikel, als nächstes wird ein n-tv Video geschaut, dann wieder etwas gelesen, etwas kommentiert, an einer Umfrage teilgenommen. Menschen unter 25 ist die Trennung zwischen Bewegtbild auf der einen und geschriebenen Stücken auf der anderen Seite gar nicht mehr plausibel zu vermitteln.

  1. Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit den TV-Kollegen?

Wir ergänzen uns wunderbar. Heute denkt man nicht mehr, jeder Journalist müsste unbedingt alle Themen und alle medialen Formate gleichermaßen bedienen können. Offenheit und Interesse auf der einen, Fachwissen und Fachkompetenz auf der anderen Seite sind das Erfolgsrezept von n-tv. Egal ob TV oder online. Darum stimmen wir uns mehrmals täglich mit den TV-Kollegen auf Redaktionssitzungen ab. Welche Themen, welche Gesprächspartner, welche Aspekte wollt ihr herausstellen, was können wir Ergänzendes auf der Website machen? Oder andersherum. Was haben die Online-Kollegen rausbekommen, welche Debatten werden gerade online heiß geführt und wie können wir diese ins TV heben. Und natürlich gibt es auch einen regen Austausch der einzelnen Ressorts, egal ob Wirtschaft, Sport oder Wetter. Das läuft dann bilateral und mein Eindruck ist, dass das allen Kollegen auch viel Spaß macht. n-tv ist ein kleiner, schlank arbeitender Sender. Und da ist es nicht nur notwendig, an einem Strang zu ziehen. Es ist auch toll zu sehen, wie viel eine kleine Mannschaft stemmen kann, wenn sich alle als Team verstehen.

  1. n-tv.de behauptet sich als einziges Angebot eines TV-Senders unter den erfolgreichsten deutschen Nachrichtenportalen, die n-tv App ist das beliebteste Angebot für Nachrichten- und Wirtschaftsinformationen. Worin liegt der Erfolg begründet? Und war das bei der Gründung von n-tv.de zu erwarten

Ja sicher. Nein, im Ernst: bei der Gründung von n-tv.de 1999 war das natürlich nicht zu erwarten. Damals ging man noch mit einem 14.4-Modem ins Internet, Smartphones waren noch gar nicht erfunden. Uns jetzt selbst auf die Schulter zu klopfen, ist wohl nicht angemessen. Und es gehört auch immer etwas Glück dazu, mindestens das Glück, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu machen. Aber eines habe ich schon angesprochen. Die Leidenschaft. Wer etwas mit Leidenschaft macht, der hat schon mal die beste Voraussetzung für Erfolg. Weil er seine Begeisterung transportieren kann. Dann muss er noch sein Handwerk verstehen und seine Sache gut machen. Das macht n-tv seit genau 20 Jahren.

Quelle: ntv.de