Leben

Eleganz auf zwei Beinen Strauße beobachten macht ruhig

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Marcel Hambruch auf seinem Straußenhof bei den Jungtieren.

(Foto: dpa)

Auf einer Farm bei Bad Fallingbostel werden Strauße nicht nur gezüchtet. Es geht auch um den Effekt der eleganten Exoten auf Menschen. Denn das Beobachten der Zweibeiner mit den langen Hälsen kann beruhigend wirken.

Karin Drohla ist fasziniert von den jungen Straußenkindern im kleinen Freilandgehege auf dem abgelegenen Hof bei Bad Fallingbostel. "Es ist einfach toll hier, die Kleinen sind so drollig", sagt die Rentnerin aus Hildesheim, die den Weg mit ihrem Mann auf sich genommen hat, weil sie die exotischen Tiere kennenlernen will. Die ungewöhnlichen Spreizfüße und der intensive Blick haben es der Hobby-Fotografin angetan. Mit den Enkeln will sie in den Sommerferien wiederkommen, auch wenn es rund 100 Kilometer Anreise sind.

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Junge Strauße unter einer Wärmelampe.

(Foto: dpa)

"Bitte nicht füttern", steht in großen Lettern am Zaun. Dahinter wuseln in Kleingruppen die wenige Wochen alten pelzigen Zweibeiner. Mit den ersten sommerlichen Regentropfen werden sie schnell in den Stall gescheucht - werden sie nass, droht schnell eine Erkältung. Hinter einer Glasscheibe schlafen die erstaunlich großen Ein-Tages-Küken im Brutkasten.

Die besondere Wirkung der Zweibeiner mit den langen Hälsen auf ihre Umgebung hat Laura Masu in ihrer Bachelor-Arbeit untersucht. "Die Leute kommen und sagen, dass die Strauße beruhigend auf sie wirken, je länger sie sie beobachten", sagt die Sozialpädagogin, die für ihr Abschlusswerk Einzelinterviews auswertete. Ihre Erklärung für den Effekt: Die elegante Bewegung auf zwei Beinen wirke exotisch und beruhigend. Die 33-Jährige will noch weiter forschen, um dann professionell mit den Tieren und Menschen zu arbeiten. "Die Strauße sind super aufmerksam", findet sie.

Mit 20 Küken fing alles an

Diese Beobachtung kann Christoph Kistner, Präsident des Berufsverbands Deutsche Straußenzucht, nur bestätigen: "Viele unserer Besucher bleiben einen halben oder dreiviertel Tag bei uns und schauen den Tieren einfach zu." Auf seiner Farm in Rülzheim in Rheinland-Pfalz mit 80 Alttieren empfängt er nach eigenen Angaben jährlich 100.000 Tierliebhaber.

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Scheu, aber extrem neugierig sind die flinken Strauße.

(Foto: dpa)

Laura Masu gibt Schulklassen aus der Umgebung Einblicke in die Welt des Straußenhofs im Heidekreis, den ihr Freund Marcel Hambruch seit vier Jahren betreibt. Er übernahm den Betrieb von den Eltern und stellte radikal von Schwein um, 250 Säue wurden verkauft. "Ich habe mich in die Tiere verliebt", erzählt der Landwirt. Mit 20 Küken fing er an, inzwischen ist die Herde auf 180 ausgewachsene Tiere angewachsen. Elvis mit der berühmten Tolle auf dem Haupt sei der aggressivste, bringe aber auch mit fast 100 Prozent die beste Befruchtungsleistung, erzählt Hambruch.

Engelberth schnappt mit seinem rötlichen Schnabel immer wieder nach Hambruchs Hand - der lässt es einfach geschehen und lacht. Zwar sind auch die Waden leicht rot gefärbt - ein Zeichen für die Aggressivität - aber Engelberth gilt als weniger gefährlich als andere Zeitgenossen. Im Winter geht die Färbung sogar ganz zurück, da würden sie auch zurückhaltender. Und setzten mehr Speck an, den sie mit der Wetterveränderung im Sommer wieder verlieren.

Deutschland Vorreiter bei der Haltung

"Strauße kommen ursprünglich aus Zentralasien und sind extreme Bedingungen gewöhnt", weiß Verbandspräsident Kistner. Sie seien sogar mit den Flugsauriern verwandt: "Das Atmungssystem und die langen Hälse sind fast identisch." Spuren von Knochenresten habe man in Europa bis Ende der letzten Eiszeit vor mehr als 10.000 Jahren gefunden, berichtet der Experte. Erst über Europa seien sie nach Afrika gekommen.

In Deutschland gibt es nur zehn professionelle Höfe, die von der Größe her ideal für die Haltung seien. "Die Haltungsvorschriften sind vorbildlich, wir sind da Vorreiter", sagt Kistner. Maximal sieben Tiere pro Hektar seien erlaubt, das sei in anderen Ländern leider noch nicht so.

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Hambruch hält seine Straußenvögel auf dem weitläufigen Gelände und schlachtet auch selbst. Was ihm nicht leichtfällt. Aber er möchte alles selbst machen und ist besonders stolz, dass seine Tiere eigentlich nie krank sind oder Medikamente brauchen. Das Fleisch und auch die großen Straußeneier, die er im Hofladen und online vertreibt, seien cholesterinarmer als von vielen anderen Tieren.

Derzeit baut er zwei kleine Tiny-Häuschen, in denen bis zu vier Personen Urlaub auf dem Hof machen können. Er selbst nimmt sich höchstens mal eine Wochenendauszeit. "Ich fühle mich hier pudelwohl. Es war mein Herzenstraum", sagt der Landwirt.

Quelle: ntv.de, Britta Körber, dpa

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