Leben
Lecker Erdbeerchen: Was so gut schmeckt, ist nicht die eigentliche Frucht, sondern die Scheinfrucht.
Lecker Erdbeerchen: Was so gut schmeckt, ist nicht die eigentliche Frucht, sondern die Scheinfrucht.(Foto: imago/momentphoto/Robert Michael)
Sonntag, 22. April 2018

Frühlingsgefühle in Werder: Schöner Schein schmeckt himmlisch

Von Heidi Driesner

Die süßesten Früchte hängen nicht am Baum, sondern wachsen auf dem Boden: Erdbeeren. Das Havelstädtchen Werder bei Berlin lädt wieder Obstfreunde zu einer ganz besonderen Verkostung ein. Erdbeeren gibt’s dabei meist in flüssiger Form.

Unsere heiß geliebte Erdbeere ist überhaupt keine Beere. Das ist der reinste Besch...! Das Früchtchen, und nicht mal das ist die Erdbeere so richtig, ist nämlich eine Sammelnussfrucht. So sehen es jedenfalls die Botaniker. Das, was so lecker schmeckt, ist nur zum Schein eine Frucht, eine Scheinfrucht, und die eigentlichen Früchte sind die kleinen gelblichen Nüsschen an ihrer Oberfläche. Im Klartext: Das, was sich immer gerne in den Zahnzwischenräumen verewigt, ist die Frucht. Das, was schmeckt, ist der schöne Schein. Alles klaro? Dem Genießer ist das Namens-Gerangel egal, Hauptsache, die Erdbeeren sind so richtig aromatisch. Doch darauf müssen wir noch ein Weilchen warten. Zwar gibt es jetzt schon importierte Sorten zu kaufen, aber leider ist der Genuss wenig überzeugend. Besser ist es, auf die roten Früchte aus regionalem Anbau zu warten.

Die Großaufnahme zeigt es: Die kleinen Früchtchen sitzen auf dem schönen Schein.
Die Großaufnahme zeigt es: Die kleinen Früchtchen sitzen auf dem schönen Schein.(Foto: imago/Photocase/Andreas Berheide)

Mit dem Beginn des Frühjahrs wächst bei Groß und Klein die Vorfreude auf die saftigen und süßen Früchtchen. Die Erdbeerzeit ist stark vom Wetter abhängig, deshalb kann sie von Jahr zu Jahr etwas variieren. Dank Folientunnel und Gewächshaus lässt sich miesem Wetter ein Schnippchen schlagen. Je nach Region und Witterungslage blühen Erdbeeren von April bis Mai. In Gegenden mit mildem Klima können die ersten Erdbeeren schon ab Mai geerntet werden. Die Saison endet meistens Anfang August. Bei speziellen immertragenden Sorten verlängert sich die Erntezeit bis in den Herbst hinein. Wer auch nach dem Sommer noch etwas von den Erdbeeren haben möchte, der püriert am besten die gesunden und kalorienarmen Früchte. Das Püree lässt sich einfrieren und bleibt so etwa zehn Monate haltbar.

Zur Gattung der Erdbeeren (Fragaria) gehören ungefähr 20 Arten und zahlreiche Unterarten. Mindestens seit der Steinzeit gehörten Erdbeeren zur menschlichen Ernährung; unsere Ahnen sammelten die im Wald wachsenden kleinen roten Beeren. Im Mittelalter wurden auf großen Flächen die sehr aromatischen Walderdbeeren kultiviert. Sie wachsen auch heute noch in unseren Wäldern. Die Stammart unserer heutigen großfruchtigen Erdbeeren entstand durch Kreuzungen verschiedener Wildsorten vor dem 19. Jahrhundert.

Die Besten bekommen die Kruke

Die Gegend um Berlin herum ist wegen ihres Erdbeer-Anbaus berühmt. So sind Obst und Gemüse aus Werder an der Havel weit über die Grenzen des Landes Brandenburg bekannt. Obst aus Werder wurde schon vor über 300 Jahren auf dem Wasserwege nach Berlin gebracht. Bis zum heutigen Tage hat dieses Obst seine Bedeutung nicht verloren. Auf Grund eines leicht und schnell erwärmbaren Sandbodens sowie eines mildem Klimas bestehen die besten Voraussetzungen für ein gutes Aroma. In und um die Stadt an der Havel wachsen außer besagten Erdbeeren auch Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren, Süßkirschen, Sauerkirschen, Aprikosen, Pfirsiche, Äpfel, Birnen und Pflaumen. Viele Obstbauern laden während der Erntezeit ein, das sonnengereifte Obst selbst zu pflücken, bieten aber auch den Hofverkauf an. Zudem besteht die Möglichkeit, das frische Obst und Gemüse auf vielen Wochenmärkten in den Berliner Stadtteilen und im Brandenburgischen zu kaufen.

Beim Baumblütenfest in Werder dreht sich alles um den Obstwein.
Beim Baumblütenfest in Werder dreht sich alles um den Obstwein.(Foto: picture-alliance/dpa/Nestor Bachmann)

Im zeitigen Frühjahr, wenn mal gerade die Erdbeeren so langsam reifen, aber an den Bäumen von Obst noch nichts zu sehen ist, zieht Werder dennoch alljährlich Hunderttausende Obstfreunde an. Oder sollte man besser sagen "Obstweinfreunde"? Anfang Mai zeigt sich das milde, sonnenreiche Klima im westlichen Brandenburg von seiner schönsten Seite. Wenn die Obstbäume in Werder zu blühen beginnen, verwandelt sich das idyllische Städtchen an der Havel in einen Ort opulenter Schönheit. Zu dieser Zeit findet das traditionelle Baumblütenfest statt, das sich auch auf die umliegenden Ortschaften und die Höfe der Obstbauern erstreckt. Es gilt als das zweitgrößte Volksfest in Deutschland nach dem Münchner Oktoberfest gilt,bei dem es um ein Getränk geht.

Das Blütenmeer beschert Frischverliebten einen romantischen Hintergrund und soll schon so manchem Paar zum Bund fürs Leben verholfen haben. Auch der Liebe nicht zugewandte Personen halten gerne Siesta unter den unzähligen in voller Blüte stehenden Obstbäumen, was an der Menge des genossenen Weins liegen dürfte. Denn auf dem Baumblütenfest wird der Obstwein von der vorigen Ernte ausgeschenkt, und zwar reichlich. Wenn man die süffigen (und ob ihrer Wirkung berüchtigten) Weine nicht in Massen, sondern in Maßen genießt, bleibt das Baumblütenfest in Werder nicht nur bei verliebten Pärchen in guter Erinnerung. In diesem Jahr findet das Volksfest vom 28. April bis zum 6. Mai statt; es ist schon das 139.

2018 hat der Obsthof Lindicke die meisten "Kruken" für den Wein abgeräumt.
2018 hat der Obsthof Lindicke die meisten "Kruken" für den Wein abgeräumt.(Foto: picture alliance/dpa/Ralf Hirschberger)

Jedes Jahr wird für den besten Schluck die "Goldene Kruke" vergeben. 2018 musste sich die Jury, die aus Mitgliedern des städtischen Obst- und Gartenbauvereins besteht, durch 234 Proben von 30 Erzeugern testen. Zum Vergleich: 1998, als zum ersten Mal Werderaner Obstweine verkostet und prämiert wurden, waren 36 Proben abgegeben worden. Die Weine werden in Kategorien unterteilt, je nachdem ob es sich um Beeren, Steinobst, Mischweine oder heimische Raritäten handelt. In diesem Frühjahr waren es immerhin schon neun Kategorien, darunter neben Klassikern wie Schwarze Johannisbeere, Kirsche oder Erdbeere auch wieder Löwenzahn und Aronia. Zu den großen Exoten zählten dieses Mal Pfingst- und Wildrose. Der Obsthof Stefan Lindicke war mit drei Goldenen Kruken für Sauerkirsche, Erdbeere und Schwarze Johannisbeere sowie einer Bronze-Kruke für den Pflaumenwein der große Abräumer. Der Trend bei den Obstweinen geht eindeutig in Richtung nicht so süß, dafür aromatisch, wie die Juroren feststellten. Die Kruke-Sieger hängen ihre Qualitätssiegel an ihre Stände und haben natürlich großen Zulauf. Wer die prämierten Weine probieren will, sollte sich beeilen: Oft sind die Siegerweine schon am ersten Wochenende ausverkauft.

Zum Start in die heimische Erdbeer-Saison gibt’s heute ein Rezept für eine leckere Erdbeer-Quark-Speise:

Erdbeersalat

Zubereitung:

Zutaten (4-6 Pers):

1 kg frische, vollreife Erdbeeren
100 - 120 g Zucker
2 - 3 Orangen
250 g Quark
200 g Schlagsahne
1 Pä Vanillezucker
50 g Mandelsplitter

Die Orangen auspressen. Die geputzten und gewaschenen Erdbeeren halbieren (sehr große vierteln). Die Hälfte davon durch ein Sieb passieren oder im Mixer pürieren. Dieses Fruchtmark mit dem Saft der Orangen vermischen und mit dem Zucker süßen. Die anderen Erdbeeren darunter heben und alles im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.

Kurz vor dem Servieren die Erdbeermischung portionieren. Die Schlagsahne steif schlagen. Den Quark mit dem Vanillezucker schaumig rühren und auf dem Erdbeersalat platzieren. Mit der Schlagsahne und Mandelsplittern krönen. Alles schön gekühlt servieren und ähnlich wie beim Obstwein nicht zu oft zulangen. Zur Beruhigung des schlechten Gewissens und zur Erhaltung des Hüftumfangs kann die Sahne auch weggelassen werden.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de