Essen und Trinken

Unsterblich durch Schwäche B. mag es nackt

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Sippschaft ist riesig, denn botanisch gesehen existiert nur eine einzige Kohlfamilie: Brassica. Aus der Gattung der Kreuzblütler kommt alles, was Kohl heißt, egal, ob simple Sorten wie Weiß- und Grünkohl oder edlere wie Rosen- und Blumenkohl. Für Mark Twain war der Blumenkohl “nichts anderes als Kohl mit akademischer Bildung”.

Gegessen werden vom Kohl recht unterschiedliche Teile: der Kopf (Weißkohl), die Blütenanlagen (Blumenkohl, Brokkoli), die Achselknospen (Rosenkohl), die verdickte Sprossachse /Kohlrabi) oder die Blätter (Grünkohl). Eines aber haben alle gemeinsam: Dank der Vitamine C und A, der Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Magnesium, der verdauungsfördernden Ballaststoffe sowie der 49 enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe (Phytamine) sind sämtliche Kohlsorten sehr gesund.

Die gesundheitliche Wirkung von Kohlgemüse wurde schon etwa 600 Jahre vor Christi geschätzt. Blumenkohl galt bei den antiken Römern als Delikatesse, später geriet er etwas in Vergessenheit und wurde erst in der Renaissance wiederentdeckt.

Die schöne creme-weiße Farbe bekommt Blumenkohl durch einen Trick: Einige der inneren Hüllenblätter werden über dem Kohlkopf geknickt und zusammengebunden, so dass das Sonnenlicht abgehalten wird. Denn schon wenige Stunden “Bestrahlung” färben die Röschen gelb, braun oder sogar violett.

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(Foto: © BirgitH / PIXELIO)

Zwar sollte man auch Blumenkohl möglichst frisch gekauft verarbeiten, doch lässt er sich mühelos eine gute Woche im Kühlschrank aufbewahren. Dabei gilt aber: Blumenkohl mag es “nackt”! Die grünen Hüllenblätter müssen vor dem Lagern entfernt werden, denn sie entziehen dem Kohl Feuchtigkeit und er wird welk. Am besten legt man den Kopf in einem perforierten Folienbeutel ins Gemüsefach. So hat er nach zehn Tagen noch bis zu 90 Prozent seines Vitamin-C-Gehalts.

Auch hierzulande wurde Blumenkohl vor einigen Jahren - als die “feine Küche” entdeckt wurde - schief angeguckt. Gastronomie-Kritiker Wolfram Siebeck titulierte ihn sogar als “ordinären Stinker”, was dem Feinschmecker der Nation auf die Füße fiel: Seit der “Blumenkohlbeleidigung” gilt Siebeck als arrogant. Mitunter ist auch zu hören, Blumenkohl schmecke fade, irgendwie nach nichts. Wenn die Röschen “tot” gekocht werden, stimmt das wohl; hat der Kohl aber noch “Biss”, behält er auch seinen feinen Geschmack.

Unter Ludwig XV. kam Blumenkohl sogar zu außergewöhnlichen Ehren. Das zarte Gemüse war so beliebt, dass ein Blumenkohlgericht sogar den Namen der königlichen Mätresse erhielt: Madame du Barry.

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(Foto: Wikipedia)

Marie-Jeanne Bécu stammte aus sehr einfachen Verhältnissen. Die blonde Schönheit erregte als 16- oder 18-Jährige das Interesse des Grafen du Barry, der sogar ihre Herkunft fälschte, um sie hoffähig zu machen. Durch die Heirat wurde Marie-Jeanne Gräfin  - und später Ludwigs Mätresse. Die junge Frau hatte außer der Schwäche für den alternden König eine für Blumenkohl. “Die Dubarry” endete zwar 1793 unter der Guillotine der französischen Revolution, aber eine samtige Blumenkohlsuppe machte sie unsterblich: “Creme Dubarry”:

Zutaten (4 Personen):

1 Blumenkohl
1 kleine Zwiebel
¼ l Hühnerbrühe
¼ l Milch
1 oder 2 Eigelb
3 EL süße Sahne
2 gestrichene EL Mehl
2 EL Butter
Salz, weißer Pfeffer, Zitronensaft, Muskat, Petersilie

Zubereitung:

Den Blumenkohl putzen und in Röschen teilen. Zwiebel fein hacken.

Die Butter in einem Topf zerlassen, die Zwiebelwürfelchen darin kurz anschwitzen, dann mit dem Mehl bestäuben. Anschwitzen, aber keinesfalls bräunen. Die Mehlschwitze muss hell bleiben. Dann unter Rühren die heiße Brühe und die Milch zugeben.

Den Blumenkohl zufügen und 5 bis 7 Minuten köcheln lassen.

Die Suppe mit dem Mixstab pürieren. Die Eigelbe in der Sahne verrühren und mit dieser Eiersahne die Suppe legieren. Mit frisch gemahlenem weißen Pfeffer, Salz und frisch geriebenem Muskat abschmecken. Mit gehackter Petersilie bestreut servieren.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de