Essen und Trinken

Wer zu spät kommt … Kurz nach Walpurgisnacht

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Bildschön - aber nach der Blüte welken die Blätter und sind für den Koch wertlos.

(Foto: © EmmaN / PIXELIO)

Wer zu spät kommt - den bestraft die Blüte! Da habe ich mich den ganzen Winter über auf die ersten frischen Kräuter aus meinem Garten gefreut - und dann trotzt das Grünzeug der Kälte dieser ersten Mai-Tage und steht schneller als gedacht in der Blüte . Als erste "Nutzpflanze” lockt nämlich der Bärlauch mit seinen Blättern, aber nach einer Woche des Lockens steht er schon in voller weißer Blütenpracht. Dann aber vergilbt das Laub sehr schnell und aus ist der Küchentraum.

Beim Waldmeister passe ich aber besser auf, denn da blinzeln auch schon die ersten kleinen Knospen. Will ich noch zu einer Mai-Bowle kommen, muss ich schnell ernten. Aber "Herrentag” ist ja bald, und so viel Bowle wie man Bärlauch essen könnte, kann man doch nicht trinken.

Eigentlich muss man Bärlauch UNBEDINGT vor der Walpurgisnacht vom 30. April zum 1. Mai sammeln, denn Bärlauch soll die Kraft haben, Böses fernzuhalten. Wer sich mit der Pflanze die Brust bestreicht, dem können die Hexen nichts anhaben. In der Walpurgisnacht nämlich durchstreifen die Hexen die Wälder und nehmen Pflanzen ihre magische Kraft - so auch dem Bärlauch. Kein Wunder also, dass wir mit der Finanzkrise zu kämpfen haben: Entweder hatten die Banker keinen Bärlauch oder sie haben zu spät geerntet. Wie ich!

Wie es sich für ein "Zauberkraut” gehört, hat Bärlauch tatsächlich einige gesundheitsfördernde Eigenschaften. Er enthält Vitamin C sowie Lauchöl und Flavonoide, die antibakteriell und desinfizierend wirken. Das nach Knoblauch schmeckende Kraut regt den Appetit an, stärkt Kreislauf und Immunsystem. Tee aus frischem Bärlauch entbläht den Darm und soll vorbeugend gegen Arteriosklerose wirken. Und irgendetwas muss ja dran sein an der "Zauberkraft”, denn Germanen wie Römer kannten und nutzten Bärlauch, und auch Hildegard von Bingen lobte den Bärlauch als Heilpflanze.

Die überaus kurze Bärlauchzeit kann man sich etwas verlängern, indem man die Blätter einfriert oder auf das Angebot im Supermarkt zurückgreift, das zeitlich doch ein wenig länger vorhanden ist als das aus Wald oder Garten.

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Bärlauch geerntet und bereit zur Verarbeitung.

(Foto: © Sarah Grazioli / PIXELIO)

Zum Einfrieren waschen Sie die Blätter kurz kalt ab und legen sie auf einem Küchentuch aus. Dann schneiden Sie die Blätter mit einer scharfen Schere in feine Streifen. Diese Streifen auf einer geeigneten Unterlage ausbreiten und etwa 10 Minuten lang anfrosten. Danach schütten Sie die Streifen in eine Plastikdose mit gut schließendem Deckel und frieren den Bärlauch ein. Frische Bärlauchblätter halten sich übrigens im Kühlschrank etwa zwei Tage, wenn man sie in ein feuchtes Küchentuch einschlägt.

Passend zum Frische-Angebot im Frühling schlage Ich Ihnen ein leckeres vegetarisches Gericht vor: "Kartoffel-Bärlauch-Gratin ":

Zutaten (4 Personen):

500 g halbfest kochende Frühkartoffeln
50 g frischer Bärlauch
100 g Sahne
100 g geriebener Käse
etwa 10 g Butter
0,2 l Milch
Salz, Pfeffer, Muskat

Zubereitung:

Kartoffeln waschen, schälen und in feine Scheiben hobeln. Bärlauch kurz unter fließendem Wasser abspülen, abtrocknen und in feine Streifen schneiden. Kartoffelscheiben mit den Bärlauchstreifen mischen und etwas salzen.

Eine Auflaufform mit der Butter ausstreichen und die Bärlauch-Kartoffel-Scheiben dachziegelartig einschichten.

Die Sahne mit der Milch verquirlen und mit Pfeffer, Salz und Muskat würzen. Den Käse fein reiben und mit der Sahne-Milch-Mischung verrühren. Die Mischung dann über die Kartoffelschieben gießen.

Im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad auf der Mittelschiene etwa 40 Minuten goldgelb überbacken.

Viel Spaß mit dem "Zauberkraut” wünscht Ihnen Heidi Driesner.

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So wie im Leipziger Auenwald sind jetzt vielerorts Bärlaubwiesen zu sehen.

(Foto: © Günter Schlee / PIXELIO)

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Quelle: n-tv.de