Essen und Trinken

Typisch deutsch Wir lieben sie

Regionale Erzeugnisse liegen voll im Trend. Drei Viertel der Bundesbürger wünschen sich im Lebensmitteleinzelhandel und in der Gastronomie wieder mehr Produkte aus der eigenen Gegend, denn Lebensmittel aus der Region stehen für Frische, Qualität und Geschmack. Außerdem schonen sie die Umwelt und unterstützen die einheimischen Erzeuger. Natürlich lassen sich Transporte nicht vermeiden, das will ja niemand, aber Zwiebeln aus Neuseeland oder Kaninchenkeulen aus China müssen nun wirklich nicht sein. Beides gesehen in Berliner Supermärkten! Und das dürften nicht die einzigen Unsinnigkeiten sein.

Bis vor Kurzem war Deutschland mit 40.000 Tonnen/Jahr größter europäischer Produzent von Kohlrabi, inzwischen dürfte uns Spanien überrundet haben. Allein von dort, vor allem aus der Provinz Almeria, kommen im Jahr 35 Millionen Knollen für den deutschen Markt, denn größter europäischer Konsument von Kohlrabi ist Deutschland geblieben. Deshalb kommen wohl auch die phantasiereichsten Kohlrabi-Rezepte aus der deutschen Küche.

Wir lieben die "deutsche Rübe", von der jeder Bundesbürger durchschnittlich ein Kilo im Jahr verspeist. Auch Amerikaner und Briten sind ihr zugeneigt; dort heißt sie in manchen Gegenden auch "Kohlrabi" oder eben "German Turnip" (Deutsche Rübe).

Wann der Kohlrabi in unsere Küche kam, weiß niemand so genau. Alte Dokumente zeigen, dass er hierzulande bereits vor 450 Jahren aufgetischt wurde. Bekannt ist auch, dass sich schon die Römer ein Gemüse schmecken ließen, das verblüffende Ähnlichkeit mit der "deutschen Rübe" hatte und das sie Caulorapa - Stielrübe - nannten. Denn nicht Blüte oder Frucht, Blätter oder Wurzel sind der Gegenstand unseres Begehrens: Es ist der Stiel, der das knollige Gemüse hervorbringt, sozusagen ein verdickter Stängel.

Kohlrabi gibt es das ganze Jahr über. Zwischen Februar und Mai kommt er aus dem Treibhaus und schmeckt besonders zart, mild und saftig. Von Mai bis November wird dann der Freiland-Kohlrabi angeboten, der sich durch einen etwas kräftigeren und würzigeren Geschmack auszeichnet.

Kohlrabis eignen sich hervorragend für Suppen, Füllungen, Eintöpfe, Aufläufe oder als Beilage. Auch roh schmecken sie in Salaten frisch und pikant. Oder einfach als Sticks oder in Scheiben geschnitten zum Pausenbrot in Schule und Büro.

Die zartgrünen oder blauvioletten Knollen, zwischen denen übrigens kein geschmacklicher Unterschied besteht, haben mehr Vitamin C als Orangen und mehr Magnesium als die meisten Gemüsesorten. Außerdem stecken noch Kalzium, Kalium und Selen in dieser Kohlsorte. Noch mehr Nährstoffe enthalten die Blätter. Sie weisen bis zu dreimal so viele Vitamine und Mineralien wie der Kohlrabi selbst auf. Besonders reich sind sie an Carotinoiden, der Vorstufe des Vitamin A.

Achten Sie beim Kauf auf frische Blätter, die noch keine gelben Stellen haben: Erstens zeigt das, dass der Kohlrabi nicht schon lange im Regal liegt, und zweitens können Sie dann die Blätter mitessen. Nehmen Sie auch lieber kleinere Knollen, denn die größten Exemplare sind meist die ältesten. Sie könnten holzig sein. Die Außenhaut der Knolle sollte leicht glänzen und keine Risse haben.

Die zarten "Herzblätter" aus der Mitte können wie Küchenkräuter gehackt und zur Verfeinerung von Suppen, Eintöpfen und Salaten verwendet werden. Die größeren Blätter schmecken am besten wie Spinat gedünstet oder klein geschnitten als Beigabe im Kohlrabigemüse oder im "Kohlrabi-Eintopf", so wie ihn meine Oma schon kochte (mit Kohlrabi aus eigener Ernte):

Zutaten (4 Personen):
500 g Kasselerrippen oder 300 g Kasselerkamm ohne Knochen
4 Kohlrabi mit viel frischem Blattwerk
1 Zwiebel
3 festkochende Kartoffeln
Salz, Pfeffer, Piment, Lorbeer

Zubereitung:
Das gesäuberte Fleisch mit kalten Wasser in einem genügend großen Topf ansetzen und zum Kochen bringen. Nach dem Aufkochen den Eiweißschaum mit einer Schaumkelle abschöpfen. 2 Lorbeerblätter und 5 Pimentkörner sowie die gewürfelte Zwiebel dazugeben. Auf kleiner Flamme und bei leicht angekipptem Topfdeckel kochen, bis das Fleisch gar ist.

In der Zwischenzeit die Blätter (welke aussortieren) von den mittleren Blattrippen befreien und das Grün sehr sorgfältig waschen. Bei Treibhausgemüse ist die Gefahr von unliebsamem "Fleischzusatz" (zum Beispiel Raupen) weniger groß als bei Freilandgemüse. Die gewaschenen Blätter abtropfen lassen, immer eine Handvoll zusammenrollen und diese Rolle in Streifen schneiden. Die Kohlrabi-Knollen schälen und in Stifte schneiden. Getrennt von den Blättern aufbewahren.

Das Fleisch aus der Brühe nehmen, nur die geschnittenen Kohlrabiblätter in die Brühe geben und weiterkochen. Das etwas abgekühlte Fleisch gegebenenfalls von Knochen befreien und in mundgerechte Stücke schneiden. Wieder in die Brühe zurückgeben. Solange kochen, bis die Blätter fast weich sind. Dann die Kohlrabistifte zugeben, sie brauchen nicht lange, bis sie weich sind. Kurz aufkochen und die in Stückchen geschnittenen Kartoffeln zufügen. Den Eintopf noch etwa acht Minuten köcheln, bis alles gar ist. Mit frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und - falls das Kasseler nicht schon genügend Salz abgegeben hat - mit Salz würzen.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de