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Donnerstag, 02. August 2018

"Bin ein erfolgreiches Schwein": Luigi Colani, der Designer für einfach alles

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Wohl jeder hat schon mal was von ihm gesehen, denn er taucht in unendlich vielen Bereichen des Lebens auf: ... (Foto: imago/ITAR-TASS)

Wohl jeder hat schon mal was von ihm gesehen, denn er taucht in unendlich vielen Bereichen des Lebens auf: ...

Wohl jeder hat schon mal was von ihm gesehen, denn er taucht in unendlich vielen Bereichen des Lebens auf: ...

... Luigi Colani. Der Mann mit dem einst rabenschwarzen Schnauzer und dem legendär hitzigen Temperament ...

... ist heute etwas stiller, ruhiger geworden. Der Star-Designer, Starrkopf, Großsprecher, motzige Revoluzzer und geniale Egomane ...

... feiert am 2. August seinen 90. Geburtstag. Ohne großen Bahnhof, ohne Leute, die Reden halten, ohne Party. Nur mit Frau und einem Schweizer Freund. "Party ist für Nichtse", sagt er. Und Nichtse sind nichts für ihn.

Eigentlich heißt er Lutz Colani. Er wurde am 2. August 1928 in Berlin geboren. Seine Mutter stammte aus Polen, sein Vater war Schweizer. Seine Eltern wollten ihn früh zur Kreativität erziehen, sie gaben ihm statt Spielzeug eine Bastelkammer, ...

... in der er aus verschiedenen Materialien alles selber bauen konnte. Später studierte er dann Bildhauerei und Malerei in Berlin und Aerodynamik in Paris und arbeitete ab den Fünfzigerjahren als Designer.

Colanis Name hat heute noch großen Klang. Er war Vorbild für Generationen junger Designer und auch sonst kennen viele ihn. Am ehesten sind im Gedächtnis ...

... seine spektakulären, futuristischen Entwürfe ...

... von Autos und Rennwagen mit kühn geschwungenen Kotflügeln, ...

... von Flugzeugen ...

... und Lkws.

Der Universaldesigner hat aber auch Möbel entworfen, ...

... Geschirr (hier ein Weinglas, das statt Stiel eine Vertiefung im Boden hat), ...

... Loks (Modellstudie einer von ihm erdachten Hochgeschwindigkeits-Dampflok für die Sowjetunion), ...

... 3D-Drucker, ...

... Tapeten, ...

... sogar Wandfarbe, ...

... Brillen, Kameras, ...

... Fernseher (im Bild: Fernsehgerät für das ostdeutsche Unternehmen RFT Stassfurt, 1995) ...

... Kleidung, Klos, Küchen und Computer.

Auch Särge ...

... und Urnen.

Was seine Entwürfe eint, sind die runden, organischen Formen. Ecken und Kanten sind ihm verhasst, immer schon ...

... und heute noch. "Meine Welt ist rund", sagt er.

Mit manchen Ideen verdient er viel Geld und erregt großes Aufsehen: ...

Die ergonomisch geformte Spiegelreflexkamera Canon T90 nennt er sein vielleicht bestes Produkt. "Ich habe die Kamerawelt re-vo-lu-tio-niert", ruft er aus, mit Betonung auf jeder Silbe.

Colani entwarf sogar Uniformen der Hamburger Polizei, als ...

... die Hansestadt 2005 als erstes Bundesland die blauen Polizeiuniformen einführte.

Für namhafte Möbelhersteller entwarf er Stühle und Tische; ...

... seine Brillen verkauften sich bestens. "Ich bin ein erfolgreiches Schwein und habe riesige Chancen gehabt", sagt er.

Seine Entwürfe sind meist extravagant, mit großer Geste gezeichnet, mitunter genial, nicht immer praxistauglich. (Entwurf eines Reisebusses)

Er wurde in den 70er- und 80er-Jahren zum Medienstar und besten Vermarkter in eigener Sache. Auf Schmähungen der Fachwelt hat er ...

... mit umso größerem Geltungsdrang reagiert - und einer gern zur Schau getragenen Arroganz.

Laut und mit drastischen Worten hat er auf seinen Berufsstand geschimpft, sich gerne als Enfant terrible inszeniert. Heute klingt sein Zorn erschöpft.

Viele seiner eigenen Entwürfe - nach Colanis Angaben etwa 70 Prozent - blieben als Skizze in der Schublade, wurden nie mehr als ein Prototyp.

Insgesamt beziffert er seine zu Papier gebrachten Ideen auf rund 4000 - "Entwürfe, aus denen gelegentlich Gegenstände wurden. Oder nur Träume", erzählt er.

Überhaupt das Thema Traum und Wirklichkeit, Anspruch und Umsetzung. Colani hat bis heute hochfliegende Pläne. (im Bild: Stromlinientruck Colanis. Der Fahrer sitzt in einer Flugzeugkanzel und lenkt mit einem Joystick. Statt Rückspiegeln sind in den seitlichen Flossen Kameras eingebaut.)

"Große Projekte", wie er es nennt, die aber im Vagen bleiben und über die Jahre gestrandet sind.

Irgendwo im Nirwana abgesprungener Investoren, aus seiner Sicht spießiger Geschäftspartner, bockiger Stadtplaner, regelwütiger Behörden oder schlichten Ignoranten spielen sich seine Niederlagen ab.

Das Museum, das man ihm in Venedig bauen wollte? Gibt es bis heute nicht. (im Bild: Colani-Teekanne in einer Ausstellung 2015 in Oldenburg)

Sein Lebenswerk "Eco-City", das er auf einer chinesischen Insel verwirklichen wollte? Auf Eis gelegt, weil die Chinesen dort alles verbaut hätten. (Im Bild: Haus in Oberleichtersbach in Bayern, bei dem sich je nach Bedarf Bad, Küche oder Schlafzimmer nach vorn in einen Wohnraum mit breiter Fensterfront drehen lässt. Per Knopfdruck setzt ein Rotor das Rondell in Bewegung.)

Für Colani ist das kein Scheitern, sondern eher ein Kampf: "Ich bin denen immer zu sehr nach vorne gestürmt", sagt er.

"Colani war für seine Umgebung eine Nummer zu groß und dachte zu schnell und zu weit voraus", heißt es in einem Aufsatz des Designers Peter Friedrich Stephan zum Schaffen Colanis.

Aber inzwischen erkenne man den visionären Charakter so mancher seiner Vorschläge, ... (im Bild: Lüntec-Technologiezentrum der ehemaligen Zeche Minister Achenbach mit aufgesetztem Büromodul, als Colani-Ufo oder -Ei bezeichnet)

... sagt Stefan Legner, Mitarbeiter für Produktdesign an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG, im Bild).

"Ich bin verkannt!" - so sieht es Colani. Er hat in Japan gearbeitet und lebt seit mehr als 20 Jahren auch in China. Seinen Wohnsitz in Karlsruhe hat er behalten und weilt jedes Jahr in der Stadt.

Hier arbeitet er an neuen Aufträgen, über die er nach eigenen Worten nichts Konkretes sagen darf. (im Bild: Colani 2006 mit seinem Stadtauto, dem "gelben Ei", einem Ferrari Testarossa, mit dem er einen Weltrekord von 387 km/h fuhr, und einem Speedster auf Basis eines VW-Käfers von 1968/69, v.r., in einem Autohaus.)

In China sitzt er an "drei großen Projekten": zwei Wohnwagentypen sowie einem E-Auto - diesmal will er sie selbst produzieren.

Was daraus wird, wird sich zeigen. Die Welt sei sowieso noch nicht bereit für ihn, erklärt er. "Ich muss auf sie warten."

Über den Tod will er übrigens nicht sprechen. "Ich entstamme ...

... einer Familie von Hundertjährigen", sagt er knapp. "Warum sollte man sich mit dem Sterben beschäftigen, wenn das Leben so viele Fragen stellt, die noch unbeantwortet sind?" (abe/dpa)

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