Auferstanden aus Ruinen: Die Dresdner Frauenkirche
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Nach zwölf Jahren Bauzeit wurde die Dresdner Frauenkirche Ende 2005 fertig - deutlich schneller als erwartet und mit 132 Millionen Euro Baukosten keinen Cent teurer als gedacht. Mit dem Fest der Weihe vom 30. Oktober bis 1. November 2005 ...Bild 1 von 31 ... begann für die evangelisch-lutherische Kirche mit der bewegten Vergangenheit ein neues Kapitel. 1722 hatte der Rat der Stadt Dresden den Ratszimmermeister George Bähr mit der Planung des protestantischen Monuments beauftragt.Bild 2 von 31 Ursprünglich sollte die Kuppel aus Kupfer gegossen werden. Doch Sachsen war im Krieg. Aus Gründen der Sparsamkeit konstruierte der Baumeister eine Kuppel aus Sandsteinquadern. Das brachte dem Sakralbau den Namen "Steinerne Glocke" ein. Baumeister Bähr ...Bild 3 von 31 ... erlebte die Krönung seines Lebenswerks, das Aufsetzen der Turmhaube, nicht mehr. Laut Kirchenbuch starb er 1738 und damit fünf Jahre zu früh an "Streckfuß und Verzehrung". Als man aber fast 100 Jahre später sein Grab öffnete, fand man ein Skelett ...Bild 4 von 31 ... mit eingeschlagenem Schädel und drei gebrochenen Rippen. Als am 13. Februar 1945 650.000 britische Brandbomben in Dresden einschlugen, wurde die Frauenkirche zwar nicht getroffen, befand sich aber mitten im Feuersturm.Bild 5 von 31 Zudem war in ihren Kellern ein Filmarchiv untergebracht. Die Filme bestanden damals aus leicht brennbarem Zelluloid, was eine enorme Hitze erzeugte. Am 15. Februar um 10 Uhr morgens brach das Gebäude in sich zusammen.Bild 6 von 31 Die Innenpfeiler waren ausgebrannt und konnten die gewaltige Last nicht länger tragen. Nur noch zwei Mauerstümpfe ragten seither aus dem Trümmerberg. In der DDR war die Ruine der Frauenkirche über 40 Jahre lang ein Mahnmal gegen den Krieg.Bild 7 von 31 Das SED-Regime nutzte die Stätte zu propagandistischen Zwecken gegen die "anglo-amerikanischen Kriegstreiber". Erstmals am 37. Jahrestag der Zerstörung Dresdens ...Bild 8 von 31 ... versammelten sich einige hundert Menschen vor der Ruine, die Friedens- und Bürgerbewegung wagte sich ans Licht. Die Staatsmacht konnte die Gruppierung nicht aufhalten. Der Kampf um das Symbol hatte begonnen.Bild 9 von 31 Neonazis instrumentalisierten die Ruinen der Frauenkirche für ihre Zwecke. Regelmäßig am 13. Februar marschierten sie mit ihren Springerstiefeln am Mahnmal auf. Der Wiederaufbau hat daran nichts geändert: Die Skinheads kommen immer noch (Bild: 13. Februar 2005)Bild 10 von 31 Im Herbst 1989 formierte sich eine Initiative für den Wiederaufbau der Frauenkirche. In vorderster Reihe engagierte sich der Trompeter Ludwig Güttler - hier mit einem Säckchen Münzen, der Spende einer unbekannten Dresdnerin.Bild 11 von 31 Die Wiederaufbau-Pläne stießen zunächst auf erbitterten Widerstand. Besonders die Denkmalschützer aus dem Westen machten dagegen Front. Sie wollten die Überbleibsel der Frauenkirche bewahren und restaurieren - aber bloß nicht rekonstruieren.Bild 12 von 31 Auch die Amtskirche sträubte sich - durchaus mit guten Argumenten. Vierzig Jahre lang war die Kirche in der DDR nur geduldet. Die wenigen kleinen Gemeinden brauchten keine repräsentativen Gebäude. Die vorhandenen historischen Kirchenbauten waren ohnehin viel zu groß.Bild 13 von 31 Doch der Widerstand bröckelte. Der damalige Kanzler Kohl und Sachsens Länderchef Biedenkopf sprachen sich für den Wiederaufbau aus. V.a. aber die Dresdner selbst wollten die Kirche neu errichten. Schließlich stimmte die Evangelische Synode nach heftiger Debatte zu.Bild 14 von 31 Eine beispiellose Sammlungsbewegung rollte an. 2003 konnte der Trompeter Ludwig Güttler (r.) einen Spendenscheck über 2,818 Mio Euro an Landesbischof Volker Kreß überreichen. Mehr als zwei Drittel der Bausumme stammen aus privaten Spenden oder Erlösen.Bild 15 von 31 Am Anfang stand eine aufwändige Spurensuche. Jeder einzelne Stein wurde katalogisiert - Maße, Gewicht, Schäden und mutmaßliche Herkunft wurden erfasst. Ein gutes Drittel hatte die Bombennacht 1945 weitgehend unbeschadet überstanden.Bild 16 von 31 Der Computer ermittelte den ursprünglichen Platz der alten Sandsteine, den sie auch in der erneuerten Außenhaut wieder einnehmen sollten. Die Reste des Eckturms und des Chores sollten ebenfalls in den Neubau integriert werden.Bild 17 von 31 Das dadurch entstandene irritierende Muster ist nur von begrenzter Dauer. In ein, zwei Generationen wird der helle Sandstein nachgedunkelt sein und sich farblich angepasst haben.Bild 18 von 31 Zunächst begann der Wiederaufbau im Schneckentempo. Doch schon bald kam Schwung in die Sache: Findige Ingenieure entwickelten eigens ein hydraulisches Wetterschutzdach, das mit der Friedenskirche mitwachsen konnte. Bereits Anfang 2000 begann man, ...Bild 19 von 31 ... die Kuppel hochzuziehen. Im Aufbau begriffen, steckte der Bau den Winter allerdings nicht so leicht weg. Weil der Mörtel 1997/98 bei -15 Grad nicht richtig abband, drohte der Baustopp. Die Bauleute wurden erneut erfinderisch:Bild 20 von 31 In einem Zelt auf dem Neumarkt wurden die Steine mit einem Gebläse vorgewärmt. Steinmetze errichteten die innere und äußere Kuppel um ein 10 m hohes Holzgerüst. Dazwischen verläuft heute ein spiralförmiger Aufgang für Besucher.Bild 21 von 31 Nicht immer hielten sich die Bauherren an das historische Vorbild. Einige Neuerungen kamen hinzu, von denen Baumeister Bähr im 18. Jahrhundert noch nicht wusste, dass es sie eines Tages geben würde: eine Wasserrinne rund um die Kuppel, Besuchertoiletten, ...Bild 22 von 31 eine Lautsprecheranlage und einen Fahrstuhl, der die Touristen auf der Aussichtsplattform in 67 m Höhe absetzt. Von hier aus können sie durch ein Glasdach ins Innere der Kuppel schauen oder den Ausblick über Dresden genießen.Bild 23 von 31 Das I-Tüpfelchen setzt die immerhin 28 Tonnen schwere Turmhaube. Im Juni 2004 hievte ein Kran die Haube samt Kreuz auf die so genannte Laterne. Der britische Dresden Trust sammelte mehr als 750.000 Euro für die vergoldete Spitze der barocken Kirche.Bild 24 von 31 Seitdem hat die Dresdner Frauenkirche wieder ihre alte Höhe von 91,24 m. Von hier oben gibt es einen fabelhaften Blick auf den Hausmannsturm des Schlosses (rechts), den Dresdner Zwinger (links) und ...Bild 25 von 31 ... den Mond. Das 8 m hohe Kuppelkreuz fertigte der Sohn eines jener britischen Bomberpiloten an, die einst an den Angriffen auf Dresden teilgenommen hatten.Bild 26 von 31 Die Frauenkirche nimmt seitdem wieder ihren angestammten Platz in der historischen Stadtsilhouette Dresdens ein.Bild 27 von 31 Den Innenraum beschallen 4873 Orgelpfeifen. Lange Zeit erhitzte der "Orgelstreit" die Gemüter. Einige Großspender forderten den detailgetreuen Nachbau der originalen Silbermann-Orgel.Bild 28 von 31 Ludwig Güttler setzte sich für eine teurere Orgel ein, die auch die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts spielen kann - und setzte sich durch.Bild 29 von 31 Auch beim Geläut gibt die Frauenkirche im wahrsten Sinne den Ton an. Mit acht Glocken kann in Sachsen keine andere Kirche dienen: sie heißen Jesaja, Johannes, Jeremia, Maria, Josua, David, Philipous und die kleine Hanna.Bild 30 von 31 Seit der Weihe im Oktober 2005 entwickelte sich die Dresdner Frauenkirche zum Besuchermagneten: bis Ende 2008 waren es bereits sieben Millionen und im August 2010 wurde die Zehn-Millionen-Grenze überschritten. (Bilder: dpa).Bild 31 von 31