Die Unterbindung des Waffenschmuggels über Tunnel an der Grenze zwischen dem südlichen Gazastreifen und Ägypten ist für Israel eines der wichtigsten Ziele.Bild 1 von 46 Gleich zu Beginn seiner militärischen Großoffensive "Operation Gegossenes Blei", im Dezember 2008, gab es deshalb massive Luftangriffe auf das betreffende Gebiet. Unterirdisch explodierende "Bunker Buster" wurden eingesetzt, um die Geheimgänge zum Einsturz zu bringen.Bild 2 von 46 Um wie viele Tunnel es sich handelt, weiß niemand.Bild 3 von 46 Seit die radikal-islamische Hamas im Juni 2007 die Herrschaft im Gazastreifen übernahm, hatte Israel seine Blockadepolitik gegenüber den Palästinensern in diesem Gebiet verschärft ...Bild 4 von 46 ... und die rund 1,5 Millionen Einwohner des Gazastreifens fast vollständig von der Außenwelt abgeriegelt.Bild 5 von 46 Wegen der Schließung der Grenzübergänge durch Israel und Ägypten gibt es in den Supermärkten immer weniger Milchprodukte, Tiefkühlfleisch, Reinigungsmaterial, Windeln, Saft und so weiter.Bild 6 von 46 Nahrungsmittel, Baumaterial, Brennstoffe und Elektroartikel sind Mangelware. Nur noch sehr wenige von einstmals 3900 Betrieben arbeiten UN-Angaben zufolge. Jeder Zweite ist arbeitslos. Die Armut grassiert.Bild 7 von 46 Doch der Warenverkehr, der über der Erde nicht fließt, lief unterirdisch weiter.Bild 8 von 46 Zunächst gab es lediglich ein Dutzend Schmuggeltunnel, doch in Ermangelung anderer Verdienstmöglichkeiten entwickelte sich nach und nach eine regelrechte Tunnelindustrie.Bild 9 von 46 Manchmal liegen die Gänge nur wenige Meter unter der Erde. Einige sollen jedoch in 30 Meter Tiefe mehr als einen Kilometer lang ins benachbarte Ägypten verlaufen.Bild 10 von 46 Rafah, das als weitgehend untertunnelt gilt, brachte es schließlich sogar zu einem Zoo - mit geschmuggelten Tieren natürlich.Bild 11 von 46 175.000 Dollar sollen acht Investoren dafür eingesetzt haben. Schulklassen und Großfamilien kommen, um Papageien, Luchse und Löwen zu sehen.Bild 12 von 46 In der Tunnelwirtschaft wurden Millionen umgesetzt.Bild 13 von 46 Und die Hamas verdiente kräftig mit. Für umgerechnet 2000 Euro Lizenzgebühr gab es von den Behörden Strom und das Nutzungsrecht für Bagger und Kleinlaster.Bild 14 von 46 Natürlich wurden auf die eingeführten Waren auch Zölle erhoben.Bild 15 von 46 Die Tunnelgrabeausrüstung, natürlich eingeschmuggelt, konnte man im Gazastreifen überall kaufen. Doch die Einrichtung eines neuen Tunnels kostet Tausende US-Dollar.Bild 16 von 46 Die neureichen Schmuggler bauten Häuser und fahren große Autos oder glänzende Motorräder. Die Gewinnmargen waren gewaltig.Bild 17 von 46 Den Waffenschmuggel überließen sie der Hamas, die eigene Stollen betrieb, durch die immer mehr Waffen und Munition in den Streifen gelangten.Bild 18 von 46 Nach Angaben des israelischen Inlandsgeheimdiensts Schin Beth gelangten auf den unterirdischen Wegen Sprengstoff, Sturmgewehre und Granaten in den Gazastreifen, außerdem Raketen, die sich den selbstgebauten Kassam-Geschossen als überlegen erwiesen.Bild 19 von 46 Israel befürchtet zudem, dass die Hamas die Tunnel auch deshalb unterhielt, um durch sie weitere Israelis zu entführen.Bild 20 von 46 Bis zu 90 Prozent der im Gazastreifen verkauften Güter kamen nach der Schätzung von Experten durch die Tunnel.Bild 21 von 46 Schafe, Ziegen, Kühe, Büstenhalter, Coca-Cola, Mehl, Wolldecken, Beruhigungsmittel - alles wurde wie in Brunnenschächte hinunter gelassen und dann in zu Loren umfunktionierten Plastikfässern durch die Tiefe gezogen.Bild 22 von 46 Wegen des großen Bedarfs an allen Dingen des täglichen Lebens stellte die Hamas eine Prioritäten- und Verbotsliste auf. Verboten sind der Schmuggel von Alkohol, Haschisch und Drogen - darunter fällt auch Viagra.Bild 23 von 46 Durch einige Tunnel wurden Röhren verlegt, Pipelines, um Treibstoff in den Gazastreifen zu pumpen.Bild 24 von 46 Auf der ägyptischen Seite fahren Tankwagen an diese Pipelines heran und leiten Benzin auf die palästinensische Seite. Dort stehen riesige Tanks, über die dann die Treibstoffversorgung des Gazastreifens läuft.Bild 25 von 46 Weil der Schmuggel über die unterirdischen Lebensadern florierte, waren einige Dinge in Gaza sogar billiger als in Israel.Bild 26 von 46 Ein Liter Diesel beispielsweise kostete in Tel Aviv neun Schekel (1,60 Euro), in Gaza nur drei. Ein Päckchen Marlboro-Zigaretten war in Gaza mit sechs Schekel rund drei Mal billiger als in Israel.Bild 27 von 46 Viel kosten darf nichts im verarmten Gazastreifen.Bild 28 von 46 Wegen des Gasmangels kochen viele Menschen im Gazastreifen inzwischen auf offenen Feuern.Bild 29 von 46 Inzwischen sollen palästinensische Ingenieure auch eine spezielle "Pipeline" konstruiert haben, die es ermöglicht, ägyptisches Gas durch den Tunnel unter der Grenze hindurchzuleiten. Die Lieferung größerer Gas-Mengen war wohl geplant.Bild 30 von 46 In den engen, heißen Tunneln schufteten Arbeiter bis zu 12 Stunden, oft unter Lebensgefahr und für nur wenige Schekel am Tag.Bild 31 von 46 Über 40 Arbeiter sind allein 2008 bei Einstürzen, durch Stromschläge oder durch ägyptische Gasgranaten ums Leben gekommen.Bild 32 von 46 Die Tunnelbetreiber - neben der Hamas sollen es vier große Familien aus Rafah sein - zahlen dann die Begräbnisse der Männer und geben den Familien ein paar Tausend Schekel.Bild 33 von 46 Es sei ein offenes Geheimnis in Gaza, dass die Besitzer von Schmuggeltunneln Militante für das Abfeuern von Raketen bezahlen, weil offene Grenzen schlecht für das Geschäft seien, berichten Korrespondenten vor Ort. (Im Bild: Einschlag in Beersheba.)Bild 34 von 46 Palästinensische wie ägyptische Polizisten tolerierten die unterirdischen Gänge. So sollte vermieden werden, dass der Frust der Menschen im Gazastreifen zu groß wird.Bild 35 von 46 Denn dann könnten die Palästinenser wieder die Grenze zu Ägypten stürmen, um all das einzukaufen, woran es ihnen so sehr mangelt. (Im Bild: niedergerissene Grenzanlagen im Dezember 2007.)Bild 36 von 46 Mit gelegentlichen Razzien oder Aktionen kam Ägypten bisher amerikanischen Forderungen entgegen. Dann wurden einige Schmuggler festgenommen und Waren beschlagnahmt.Bild 37 von 46 Aus israelischer Sicht liegt der Schlüssel vor allem in den Händen der Ägypter. "Wenn sie ihre Zustimmung zu einer strengen Vereinbarung mit effektiven Methoden zum Stopp des Schmuggels unter internationaler Überwachung geben, ...Bild 38 von 46 ... dann kann Israel seine Operation beenden. Das könnte dann ganz schnell gehen", zitierte die Tageszeitung "Maariv" einen hochrangigen Regierungsmitarbeiter.Bild 39 von 46 Durch gezielte Indiskretion ist in die israelische Presse schon durchgesickert, wie die Maximalvorstellungen Israels aussehen. Danach sollen bekannte, noch bestehende Tunnel durch gezielte Sprengungen zerstört werden.Bild 40 von 46 US-Spezialisten sollen mit ihren ägyptischen Partnern anschließend mit modernen Spürgeräten auf Tunnelsuche gehen. Schließlich soll Ägypten durch bessere Überwachung seiner Grenze zum Sudan und seiner Häfen dem Waffenschmuggel einen Riegel vorschieben.Bild 41 von 46 Auch die Hamas könnte sich wohl mit Beobachtern an der Grenze zum Gazastreifen anfreunden - allerdings zu ganz anderen Konditionen.Bild 42 von 46 Sie möchte lieber Beobachter ohne Machtbefugnis als eine internationale Truppe mit robustem Mandat, die den Schmuggel wirklich wirksam beenden könnte.Bild 43 von 46 Ohne das Tunnelsystem halten Experten ein Wiedererstarken der Hamas für schwierig.Bild 44 von 46 Allerdings könnten die Palästinenser nach israelischer Einschätzung binnen drei bis sechs Monaten die Schmugglerwege wieder aufbauen, sollte an der ägyptischen Grenze nicht entschlossener vorgegangenen werden.Bild 45 von 46 Entscheidend wird letztlich sein, ob es gelingt, den Gazastreifen dauerhaft legal zu versorgen, z.B. durch die Öffnung der Grenze nach Ägypten. Nur dann könnten die Menschen langfristig auf die Tunnelversorgung verzichten.Bild 46 von 46