Lebenserwartung wie im Mittelalter: Die verseuchtesten Orte der Welt
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Die Umweltschutzorganisation Blacksmith Institute hat 2006 eine Liste der am meisten verschmutzten Orte der Welt veröffentlicht.Bild 1 von 67 "Es gibt zahlreiche Plätze auf der Erde, an denen die Lebenserwartung ähnlich hoch ist wie im Mittelalter, ...Bild 2 von 67 .... Erkrankungen bei der Geburt die Regel sind, 90 Prozent aller Kinder an Asthma leiden und mentale Störungen endemisch zu sein scheinen", heißt es in dem Bericht, an dem internationale Umwelt- und Gesundheitsexperten gearbeitet haben.Bild 3 von 67 Mindestens zehn Millionen Menschen sind von den Umweltgefahren, die von diesen zehn Orten ausgehen, betroffen.Bild 4 von 67 "Ein wesentlicher Teil der Bedrohung dieser zehn schlimmsten Plätze liegt darin, dass sich zum einen verschiedene Giftstoffe akkumulieren ...Bild 5 von 67 ... und dass die Menschen seit Jahren mit diesen Giften leben bzw. diesen dauernd ausgesetzt sind", so der Direktor des Blacksmith Institute, Richard Fuller.Bild 6 von 67 Unter den zehn dreckigsten Orten befinden sich allein fünf auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion:Bild 7 von 67 Die russischen Städte Norilsk, Rudnaya Pristan / Dalnegorsk, Dserschinsk, das ukrainische Tschernobyl und der kirgisische Ort Mailuu-Suu.Bild 8 von 67 Sie alle leiden noch immer unter verheerenden Schlampereien und der gnadenlosen Ausbeutung der Natur.Bild 9 von 67 In der russischen Stadt Dserschinsk im Verwaltungsbezirk Nischnij Nowgorod, benannt nach dem Tscheka-Gründer Felix Dserschinski, ist die Lebenserwartung mittelalterlich.Bild 10 von 67 Männer werden im Schnitt 42, Frauen 47 Jahre alt.Bild 11 von 67 Zu Zeiten des Kalten Krieges war Dserschinsk einer der wichtigsten Chemie-Industriestandorte der Sowjetunion.Bild 12 von 67 Chemische Waffen und toxische Substanzen wurden hier hergestellt. Zwischen 1930 und 1998 wurden hier fast 300.000 Tonnen hochgiftige chemische Abfälle fahrlässig entsorgt.Bild 13 von 67 Rund 190 Chemikalien drangen ins Grundwasser ein, unter anderem Senfgas, Blausäure, Phosgen, Dioxine, Arsentrioxid. Viele der Stoffe gelangten in den nahe gelegenen Fluss Oka. Dieser ist die Trinkwasserquelle für die Stadt Nischni Nowgorod. ...Bild 14 von 67 Rund 300.000 Menschen wurden möglicherweise geschädigt.Bild 15 von 67 In der Industriestadt Norilsk, ursprünglich Arbeitslager in Sibirien, ist die Luft erfüllt von Strontium-90, Caesium-137, Schwefeldioxid, Schwermetallen und diversen anderen giftigen Substanzen.Bild 16 von 67 Die Stadt gilt als einer der am meisten verschmutzten Orte in Russland - die Luft schmeckt nach Schwefel, der Schnee ist schwarz, die Lebenserwartung von Fabrikarbeitern liegt zehn Jahre unter dem ohnehin niedrigen russischen Durchschnitt.Bild 17 von 67 In der Stadt gibt es die weltweit größten Schwermetall-Hüttenwerke. Rund ein Drittel der Welt-Nickel-Vorräte werden hier kontrolliert, mehr als 4 Millionen Tonnen Cadmium, Nickel, Arsen, Kupfer, Blei und Selen in die Luft geblasen.Bild 18 von 67 1999 wurden im Boden erhöhte Kupfer- und Nickelwerte noch in einem Radius von 60 Kilometern entdeckt, auch die Luft ist stark verseucht.Bild 19 von 67 Viele Kinder leiden unter Atemwegserkranken. Frühgeburten sind hier wesentlich häufiger als in anderen Regionen.Bild 20 von 67 Seit November 2001 herrscht in Norilsk - wie in 90 anderen "geschlossenen Städten" in Russland - Besuchsverbot für Ausländer.Bild 21 von 67 Mit Schwermetallen verseucht sind auch die beiden Städte Rudnaja Pristan / Dalnegorsk im Osten Russlands.Bild 22 von 67 Die Bewohner leiden hier vor allem unter den Belastungen einer Bleimine und einer Bleihütte, die seit 1930 betrieben wurde.Bild 23 von 67 Im Blut der Kinder wurden die US-Grenzwerte für Blei acht bis 20 Mal überschritten. Ob Trinkwasser, Staub oder im Gartenunkraut - fast alles ist bleiverseucht.Bild 24 von 67 Auch zwanzig Jahre nach dem Reaktorunglück nimmt das Blacksmith Institute das ukrainische Tschernobyl in die Top Ten der am meisten verschmutzten Orte auf.Bild 25 von 67 Bei dem Gau am 26. April 1986 wurde 100 Mal mehr Radioaktivität freigesetzt als nach den Atombomben von Hiroshima und Nagasaki.Bild 26 von 67 135.000 Menschen wurden evakuiert, Tausende starben.Bild 27 von 67 Bis heute gibt es eine unbewohnbare 19-Meilen-Zone rund um den Reaktor.Bild 28 von 67 Trotz des Beton-Sarkophags rund um den Reaktor befürchten Experten, dass durch Lecks Radioaktivität austritt und das Grundwasser verseucht.Bild 29 von 67 Schildrüsenkrebs ist bei Kindern in der Gegend ein häufig auftretendes Gesundheitsproblem.Bild 30 von 67 Seit 2002 wurden 2000 Fälle diagnostiziert - die großteils auf den Genuss von verseuchter Milch zurückgeführt werden.Bild 31 von 67 Insgesamt bewohnen noch rund fünf Millionen Menschen in Weißrussland, Russland und der Ukraine die Gegend, die seit der Reaktorkatastrophe als "nuklear verseucht" klassifiziert ist.Bild 32 von 67 Auch die kirgisische Stadt Mailuu-Suu leidet noch immer unter den Hinterlassenschaften der Sowjetunion.Bild 33 von 67 Hier wurde jahrelang Uranerz abgebaut - für die Produktion der ersten sowjetischen Atombombe. "Was bis jetzt zurückgeblieben ist, ist nicht eine Atombombe, sondern 1,96 Millionen Kubikmeter radioaktiver Bergwerksmüll", so das Blacksmith-Institut.Bild 34 von 67 Dieser Nuklearmüll bedroht nun das gesamte Ferghana-Tal, eine der fruchtbarsten und am dichtesten besiedelten Gegenden in Zentralasien. Da es in der Gegend immer wieder zu Erdbeben kommt, sind potenziell Millionen Menschen bedroht.Bild 35 von 67 Bereits jetzt ist die Strahlenbelastung in Mailuu-Suu außergewöhnlich hoch. Eine Studie von 1999 zeigt, dass doppelt so viele Menschen wie im Rest des Landes an Krebs erkrankt sind.Bild 36 von 67 In anderen Teilen der Welt sind es vor allem Schwermetalle, die extrem die Umwelt belasten.Bild 37 von 67 So ist die Region Bajos de Haina in der Dominikanischen Republik, die zu der am dichtest besiedelten Region des karibischen Staates zählt, stark bleiverseucht.Bild 38 von 67 Hier hat eine Autobatterie-Recyclingfabrik dazu geführt, ...Bild 39 von 67 ... dass die Blei-Grenzwerte im Blut um ein Vielfaches überschritten wurden.Bild 40 von 67 Das Unternehmen hat in der Zwischenzeit den Standort geschlossen (und verseucht nun eine andere Gegend), ...Bild 41 von 67 ... aber das Gift in Haina blieb.Bild 42 von 67 Fast jedes dritte Kind braucht sofort medizinische Behandlung, ...Bild 43 von 67 ... bei neun Prozent der Kinder werden schwere neurologische Krankheiten erwartet.Bild 44 von 67 Geburtsfehler, Augenkrankheiten, Lern- und Persönlichkeitsstörungen sowie plötzliche Todesfälle treten hier überdurchschnittlich oft auf.Bild 45 von 67 Auch im afrikanischen Kabwe, der zweitgrößten Stadt Sambias, bot sich den Umweltschützern ein katastrophales Bild.Bild 46 von 67 Seit Anfang des vergangen Jahrhunderts bis 1995 wurde hier Blei abgebaut. Die Hüttenwerke ließen unkontrolliert schwermetallverseuchte Partikel in die Luft, die sich in der Umgebung niedersetzten. "In dem Bergwerk und dem Schmelzwerk wird zwar nicht mehr gearbeitet, ...Bild 47 von 67 ... aber zurückgeblieben ist eine Stadt, die vergiftet ist durch lähmende Bleikonzentrationen in Boden und Wasser", so das Blacksmith Institute. Blutuntersuchungen zeigen: Die Einwohner haben mindestens doppelt so viel Gift in ihren Adern als normal wäre.Bild 48 von 67 Südamerikas verseuchteste Stadt heißt La Oroya und liegt in den peruanischen Anden.Bild 49 von 67 Neben den Schwermetallen Blei, Kupfer und Zink wurden hier Schwefeldioxid-Werte gemessen, die zehn Mal höher waren als die zulässigen Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO.Bild 50 von 67 99 Prozent der Kinder in und um La Oroya haben Blutwerte, die nach einer Studie nicht mehr im akzeptablen Bereich liegen.Bild 51 von 67 Die Vegetation der Umgebung ist durch sauren Regen zerstört, Pläne zur Reduzierung der Emissionen wurden bislang nicht umgesetzt.Bild 52 von 67 Die indische Stadt Ranipet ist der am stärksten verschmutzte Ort Südasiens. Hier hat eine inzwischen geschlossene Fabrik, die Chemikalien für das Gerben von Leder herstellte, 1,5 Millionen Tonnen Abfall schlampig deponiert.Bild 53 von 67 Grundwasser und Boden sind verseucht, viele Bauern glauben, dass wegen der toxischen Abfälle nur noch eine von fünf Ernten gut ausfällt. Das Wasser rieche faul, und, so die Beschwerde weiter: "Wenn wir in Kontakt mit dem Wasser kommen, bekommen wir Geschwüre auf der Haut und es juckt wie ein Insektenbiss."Bild 54 von 67 Die chinesische Stadt Linfen wurde ebenfalls in die Top-Ten Liste der schmutzigsten Orte aufgenommen ...Bild 55 von 67 ....als ein Beispiel für zahlreiche andere, stark verschmutze Städte in dem Riesenreich.Bild 56 von 67 16 der 20 Städte mit der weltweit größten Luftverschmutzung befinden sich der Weltbank zufolge in China, wobei Linfen alle chinesischen Städte übertrifft.Bild 57 von 67 Linfen in der Provin Shanxi gilt als das Zentrum von Chinas boomender Kohleindustrie.Bild 58 von 67 Die Luftqualität ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend.Bild 59 von 67 "Wenn Du einen Groll auf jemanden hast, lass ihn Einwohner von Linfen werden. Warum? Zur Strafe!", zitiert das Blacksmith Institute einen Umweltexperten.Bild 60 von 67 Örtliche Krankenhäuser beobachten zunehmend Fälle von Bronchitis, Lungenentzündung und und Lungenkrebs. "Ich fühle, dass meine Kehle sehr trocken ist, und der Stoff, der aus meiner Lunge kommt, ist schwarz", berichtet ein Einwohner dem Fernsehsender BBC.Bild 61 von 67 Der Gehalt von Schwefeldioxid und anderen Schadstoffen in der Luft überschreitet um ein Vielfaches die Standards der WHO.Bild 62 von 67 Eine zunehmende Zahl von Todesfällen der letzten Jahre wird direkt auf die starke Verschmutzung zurückgeführt. Auch Arsen belastet die Umwelt stark und führt zur Arsenvergiftung vieler Einwohner.Bild 63 von 67 In der Provinz sind einer Studie zufolge 52 Prozent des Quellwassers verseucht.Bild 64 von 67 Chinas dringender Bedarf an Kohle hat zu hunderten, oftmals illegalen und unkontrollierten Kohleminen, Stahlfabriken und Teer-Raffinerien geführt.Bild 65 von 67 Diese verschmutzen nun das Wasser und machen den Anbau des Landes in der Provinz fast unmöglich.Bild 66 von 67 Wasser ist so stark rationiert, dass sogar die Hauptstadt der Provinz Shanxi Wasser nur für ein paar Stunden am Tag erhält. (Alle Fotos: AP, dpa, Blacksmith-Institute; Text: Gudula Hörr)Bild 67 von 67
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