Die Montessori-Weltgemeinschaft feiert den 100. Jahrestag einer Revolution in der Erziehung:Bild 1 von 49 In den ersten Januartagen des Jahres 2007 werden rund 1.500 Erzieherinnen, Erzieher und Montessori-Fans aus aller Welt nach Rom pilgern, um eine Bilanz ihrer 100-jährigen Methode zu ziehen.Bild 2 von 49 Und um ein Jubiläum zu feiern: Am 6. Januar 1907 eröffnete Maria Montessori ihr erstes "Casa dei bambini" (Kinderhaus) im römischen Arbeiterviertel San Lorenzo.Bild 3 von 49 Die 1870 bei Ancona geborene Maria Montessori war Ärztin und Pädagogin. Durch Studium und Beobachtung gewann sie Erkenntnisse über den kindlichen Selbsterziehungsprozess und schuf eine pädagogische Philosophie.Bild 4 von 49 "Hilf mir, es selbst zu tun" war das Schlüsselwort der Italienerin. Es gilt noch heute für jede der weltweit 40.000 Montessori-Schulen.Bild 5 von 49 Kern der Lehre ist, die natürliche Freude der Kinder am Lernen zu fördern und schwierige, abstrakte Zusammenhänge wie Mathematik kindgerecht zu gestalten und sinnlich "begreifbar" zu machen.Bild 6 von 49 Hinzu kommt viel "Freiarbeit", in denen die Kleinen ohne das Korsett des Stundenplans selbst bestimmen können, womit sie sich beschäftigen.Bild 7 von 49 Klingt wie ein Kinderparadies auf Erden und ein bisschen so, als hätten die Schüler sich das selbst ausgedacht: kein Leistungsdruck, keine Zensuren, keine Schulstunden im 45-Minuten-Takt. Und das Beste: Man darf stundenlang machen, was man will.Bild 8 von 49 Aber schauen wir genauer hin. Die Montessorimethode wird oft als Philosophie beschrieben, die das Kind und seine Individualität in den Mittelpunkt stellt. Maria Montessori glaubte an den Eigenwert des Kindes.Bild 9 von 49 Sie wollte eine Pädagogik, die auf den Gesetzen der menschlichen Natur begründet ist. Erziehung hieß für sie Verwirklichung von Freiheit. Um sie zu ermöglichen, haben Pädagogen ihrer Meinung nach für diese Voraussetzungen zu sorgen:Bild 10 von 49 1. Die Kinder dürfen die Materialien, mit denen sie lernen wollen, frei wählen.Bild 11 von 49 2. Die Kinder haben die Freiheit, beim Lernen mit anderen zusammenzuarbeiten.Bild 12 von 49 3. Die Pädagogen müssen das Leben in der Gemeinschaft so gestalten, dass genügend freie Zeit bleibt, um sich auf Tätigkeiten konzentrieren zu können.Bild 13 von 49 Deshalb werden Montessori-Erzieher dazu ausgebildet, sich selbst nicht ernster zu nehmen als die Kinder. Sie lernen, sich zurückzuhalten und den Kindern die Chance zu geben, ihre eigenen Erfahrungen zu machen.Bild 14 von 49 Angestaubte Weisheiten wie "Messer, Gabel, Schere, Licht - sind für kleine Kinder nicht" sind außer Kraft gesetzt. Dreijährige dürfen experimentieren, sägen, Streichhölzer anzünden und ...Bild 15 von 49 ... nähen. Und wenn mal was schief geht, dann wird nicht geschimpft, aber ...Bild 16 von 49 ... auch nicht gelobt, wenn es besonders gut gelingt. Maria Montessori glaubte nämlich, dass sowohl Belohnungen als auch Strafen schädlich sind für die innere Einstellung des Menschen - dass Kinder ganz natürlich aus ihrer eigenen Motivation lernen wollen.Bild 17 von 49 Die Rolle der Erzieher besteht darin, den kindlichen Aktivitäten zu folgen und nicht, ihnen alles vorzukauen. Sie korrigieren auch nicht immer gleich. Will ein Kind mal länger spielen, dann stört das nicht.Bild 18 von 49 Montessori-Verfechter wollen ihre Pädagogik aber nicht mit jener anti-autoritären Erziehung verglichen sehen, wie sie in den 70er Jahren von so manchem (miss-)verstanden wurde.Bild 19 von 49 "Typisch Montessori" ist auch das Spielzeug, das hier "Material" heißt.Bild 20 von 49 Maria Montessori bezeichnete es als "Schlüssel zur Welt".Bild 21 von 49 Die Kinder sollen lernen, Fühlen und abstraktes Denken in Einklang zu bringen.Bild 22 von 49 Die "Übungen des täglichen Lebens" sind ein fester Bestandteil bei Montessori: Da gibt es zum Beispiel spezielle mit Stoff bespannte Holzrahmen, an denen man das Schleifebinden ...Bild 23 von 49 ... oder Knöpfen üben kann, ohne dass Mami daneben steht und mit den Füßen scharrt.Bild 24 von 49 Einen weiteren Schwerpunkt legte Maria Montessori auf Bewegung: "Das Kind kann nur aufpassen oder denken, wenn es sich bewegt."Bild 25 von 49 Kein Kind wird gezwungen, sich mit etwas Bestimmtem zu beschäftigen. Abgesehen von gemeinsamen Aktivitäten wie dem Essen oder wie hier einem spontanen Lama-Besuch, gilt die "freie Wahl der Arbeit". Wenn man sie nur lässt, so der Ansatz von Montessori, kommen die Kinder irgendwann von selbst.Bild 26 von 49 Montessori-Verfechter sind der Meinung, dass Kinder am besten in ihrem eigenen Rhythmus und auf ihre eigene Art lernen. Die Kinder werden also ermutigt, das Tempo, das Thema und die Wiederholung der Lektionen selbstständig zu steuern.Bild 27 von 49 Kinder brauchen die Möglichkeit, Tätigkeiten so lange zu wiederholen, bis sie "sitzen". Für Kinder sind solche eintönigen Handlungen Schritte innerer Reifung, glaubte Maria Montessori.Bild 28 von 49 Auch in den Montessori-Schulen ist "Freiarbeit" ein wichtiger Bestandteil. Hinzu kommt eine Zeit des Lernens in gebundenen Formen, genannt Fachunterricht.Bild 29 von 49 Der gebundene Unterricht zu den Sachgebieten der Grundschule (Mathematik, Deutsch, Englisch, Sachunterricht, Kunst, Musik, Religion, Sport) korrespondiert mit den Lehrplänen des jeweiligen Landes.Bild 30 von 49 Ein ganz wichtiger Faktor bei Montessori ist die Gestaltung der Lernumgebung. Diese wird bestimmt durch das Interesse des Kindes.Bild 31 von 49 Da gibt es zum Beispiel Lernkarteien für den Lese- und Schreibunterricht, ...Bild 32 von 49 ... Perlenketten zum Verständnis des Dezimalsystems, ...Bild 33 von 49 ... Kugeln zum Zeitverständnis ...Bild 34 von 49 ... und Sandpapier-Buchstaben, mit denen die Form nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Händen erfasst werden kann - Umgebung und Material sind auf alle Sinne der Kinder ausgerichtet.Bild 35 von 49 Die Klassen sind bei Montessori altersgemischt, weil "Kinder in einer Weise voneinander lernen, die kein Material und kein Erwachsener ersetzen kann".Bild 36 von 49 An Montessorischulen werden unterschiedliche Modelle der Altersmischung verwirklicht. Es gibt die Mischung von zwei, drei oder vier Jahrgängen.Bild 37 von 49 Auch dem Forscherdrang des Kindes, seiner wachsenden Vorstellungs- und Abstraktionskraft und seinem Bedürfnis nach sozialer Interaktion soll Rechnung getragen werden.Bild 38 von 49 Die Arbeit in der Grundschule folgt dem Gedanken, dass Bildung keine Anhäufung von einzelnen Kenntnissen ist, sondern nur durch das Erfassen von Zusammenhängen erreicht wird. Das Bewusstsein vom Zusammenwirken aller Dinge und allen Lebens im Universum soll auf die Verantwortung für eben dieses Universum vorbereiten.Bild 39 von 49 Montessori bezeichnet diesen für sie zentralen Erziehungsaspekt als "kosmische Erziehung".Bild 40 von 49 Unumstritten war die "Methode Montessori" nie. Kritiker meinen immer wieder, das "weiche Lernen" sei vor allem auf Jüngere ausgerichtet, weniger auf ältere Schüler. Bemängelt wird auch immer wieder die vergleichsweise geringe Betonung der künstlerischen und ästhetischen Erziehung.Bild 41 von 49 Dennoch sind einige Ideen der Montessori-Lehre, die vor 100 Jahren revolutionär waren, längst zu festen Bestandteilen der ...Bild 42 von 49 ... modernen Pädagogik geworden.Bild 43 von 49 "Freizeitphasen" gibt es heute in vielen deutschen Schulen, auch altersübergreifender Unterricht ist längst sehr verbreitet.Bild 44 von 49 Vor 100 Jahren mutete das Konzept Maria Montessoris schlichtweg atemberaubend an.Bild 45 von 49 Heute hat es sich auf der ganzen Welt verbreitet. Überall spielen und lernen Kinder mit "Rosa Türmen" ...Bild 46 von 49 ... und Rechenrahmen, ...Bild 47 von 49 ... mit Bausätzen ...Bild 48 von 49 ... und Perlenmaterial. (Fotos: montessoricentenary.org, dpa, AP)Bild 49 von 49