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Montag, 19. März 2018

Letzte Tage hinter Gittern: Japans Gefangene vergreisen

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Von den Bergen rund um die japanische Stadt Tokushima ist das Gefängnis der Stadt gut zu sehen. (Foto: REUTERS)

Von den Bergen rund um die japanische Stadt Tokushima ist das Gefängnis der Stadt gut zu sehen.

Von den Bergen rund um die japanische Stadt Tokushima ist das Gefängnis der Stadt gut zu sehen.

In der Einrichtung, 520 Kilometer von Tokio entfernt, wurde gerade umgebaut. Denn immer mehr Häftlinge sind hinter Gittern alt geworden.

Die steigende Lebenserwartung der Japaner macht sich auch hier bemerkbar.

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Häftlinge in Japan, die die 60 bereits überschritten haben, auf über 9.000 angestiegen.

Sie machen schon ein Fünftel der Gefängnisinsassen aus. In anderen Ländern ist der Prozentsatz deutlich geringer.

Viele von ihnen sind Wiederholungstäter, einige verbüßen lebenslange Haftstrafen wegen schwerer Verbrechen wie Mord oder Vergewaltigung.

Ein 81-jähriger Insasse berichtet, er sei mehrfach in der Gefängnisfabrik zusammengebrochen.

Jetzt lebt, isst und arbeitet er in dem speziellen Gebäude für die älteren Häftlinge.

Den größten Teil des Tages verbringen sie gemeinsam zu viert oder fünft in einer der großen Zellen.

Sie verrichten dort lediglich leichte körperliche Tätigkeiten.

Das Gefängnis beschäftigt auch eine Pflegekraft, die sich um die Alten kümmert.

Vielen Häftlingen fällt das Kauen und Schlucken bereits schwer, für sie wird spezielles Essen vorbereitet.

Das Gefängnis von Tokushima ist das erste, in dem für die alten Häftlinge umgebaut wurde.

Doch auch andere Vollzugsanstalten haben sich auf ihre alternde Klientel eingestellt.

In Takamatsu wurde in einem Neubau das erste Stockwerk für ältere Häftlinge reserviert.

Die Böden von Zellen und Fluren sind dort angeglichen, um Insassen mit eingeschränkter Mobilität zu unterstützen.

Es ist eine schwierige Abwägung, dem Alter Rechnung zu tragen, ohne es den Gefangenen zu bequem zu machen. Während der Arbeit ist das Sprechen untersagt.

Die Zellen haben keine Klimaanlagen. Im Winter dürfen die Gefangenen zweimal in der Woche baden, im Sommer dreimal.

Auch bei den alten Gefangenen bleibt die Freilassung das Ziel.

Anstaltsleiter Kenji Yamaguchi zufolge ist es jedoch für die älteren Männer oft schwierig, "draußen" zurechtzukommen.

Die Rückfallquote der über 65-Jährigen ist so hoch wie in keiner anderen Altersgruppe.

Ungefähr ein Viertel von ihnen saß zwei Jahre nach der Entlassung wieder hinter Gittern.

"Das Fehlen von Beschäftigungsmöglichkeiten in Kombination mit der Kennzeichnung als Ex-Sträfling macht die Wiedereingliederung älterer Menschen schwierig", sagt Yasuyuki Deguchi von der Tokioter Universität.

Ein 71-Jähriger, der gerade das siebte Mal wegen Diebstahls und Betrugs einsitzt, bestätigt das.

Ohne Wohnung und Arbeit habe er kaum eine Alternative zum Verbrechen gesehen.

Andere fürchten schon jetzt den nahenden Tag ihrer Entlassung.

Ein Mann, der demnächst nach 13 Haft freikommen soll, vermutet, er wäre besser dran, wenn er hierbleiben könnte. Bis zum Schluss. (sba/rts)

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