BilderserienWir kennen die Wahl der Miss Deutschland 2008, ...Bild 1 von 51 ... Wahlen zur Miss Europa, ...Bild 2 von 51 ... die Krönung der Miss World 2007 oder ...Bild 3 von 51 ... die Kür der Miss Universe - wie und durch wen auch immer dieser Titel vergeben wird.Bild 4 von 51 Die Kriterien sind offensichtlich: Die Frauen sind im landläufigen Sinne gutaussehend, ...Bild 5 von 51 ... wohlproportioniert ...Bild 6 von 51 ... haben auf der Bühne eine positive Ausstrahlung und, sehr wichtig, ...Bild 7 von 51 ... sie haben schöne Beine.Bild 8 von 51 Das kann man von den Kandidatinnen des angolanischen Schönheitswettbewerbs "Miss Landmine" nicht behaupten.Bild 9 von 51 "Ich denke, man sollte mehr Menschen in unser Schönheitsideal - was auch immer das ist - einschließen", erklärt Morten Traavik (Mitte), ein norwegischer Film- und Theaterregisseur und der Initiator des provokanten Schönheitswettbewerbs, gegenüber n-tv.de.Bild 10 von 51 Inzwischen wurde die verstümmelte Schönheitskönigin Angolas im Rahmen eines offiziellen Events im Beisein von Politikern, Nichtregierungsorganisationen, Fernsehteams und Fans gekürt. Wer sie ist, wird hier erst zum Schluss verraten.Bild 11 von 51 Der Ideengeber Traavik sieht den Wettbewerb als subversives Kunstprojekt mit gesellschaftlichem und humanitärem Anliegen. Die Wahl folgt ihren eigenen Regeln, ihrem eigenen Manifest, das konventionelle Schönheitswettbewerbe (Bild) unterläuft.Bild 12 von 51 Ziel ist es, den Frauen und Menschen mit Behinderung allgemein eine Stimme und internationale Sichtbarkeit zu verleihen (Bild: Lady Diana 1997), ...Bild 13 von 51 ... die Menschen zu bestärken und ihnen ihren Stolz zurückzugeben.Bild 14 von 51 Der Wettbewerb hinterfragt unsere Vorstellungen von Schönheit und will Ungleichheit und Schuldkomplexe in jeder Hinsicht auf die Probe stellen - auf historischer, kultureller, sozialer und persönlicher Ebene in Afrika wie in Europa.Bild 15 von 51 Nicht zuletzt soll die "wahre Schönheit" gefeiert werden. Die Teilnehmerinnen dieser außergewöhnlichen Misswahl sind keine mitleiderregenden "Opfer", sondern freudestrahlende "Überlebende".Bild 16 von 51 Die Idee zu dem Wettbewerb kam Traavik bei einem privaten Besuch in Angola 2003, nur ein Jahr nach dem Ende des Bürgerkriegs.Bild 17 von 51 "Es herrschte noch immer Notstandsstimmung", erinnert sich der Norweger, "häufige Stromausfälle, Müll überall, von Kugeln zerlöcherte Fassaden und überall Landminenüberlebende".Bild 18 von 51 "Außerhalb der großen Städte konnte man fast nirgendwo hingehen, weil das Gelände noch nicht auf Minen überprüft worden war", erzählt Traavik.Bild 19 von 51 Im krassen Gegensatz dazu stand ein von Kindern organisierter Schönheitswettbewerb in der Nachbarschaft. Der Norweger wurde in die Jury berufen: eine "feel-good experience" - seiner geringen Meinung von Schönheitswettbewerben zum Trotz, wie er sagt.Bild 20 von 51 Aus dem Erlebnis entwickelte der Künstler die Idee zum ersten Schönheitswettbewerb ...Bild 21 von 51 ... für Menschen, denen der Weg auf die Laufstege dieser Welt sonst verwehrt bleiben würde. Allein in Angola sind es Tausende, die für das Projekt in Frage kämen.Bild 22 von 51 Denn das hoffnungsvolle Kunstprojekt hat noch eine zweite, grausame Vorgeschichte.Bild 23 von 51 Die traurige Geschichte eines mehr als ein Vierteljahrhundert währenden Bürgerkriegs in Angola, ...Bild 24 von 51 ... der mit der Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonie Portugiesisch-Westafrika 1975 begann (portugiesische Soldaten 1961 in Angola) ...Bild 25 von 51 ... und dessen Folgen bis in die Gegenwart reichen.Bild 26 von 51 Der Krieg hat Millionen Blindgänger, explosive Munition, Antifahrzeugminen und Antipersonenminen auf den Feldern zurückgelassen.Bild 27 von 51 Die betroffene Fläche umfasst nach Angaben des "Landmine Impact Survey" des Mine Action Information Centers (MAIC) zwischen 207 und 1239 qkm. Nach Angaben des Landminen Monitor Report wurden 2005 und 2006 insgesamt knapp 20 qkm vermintes Gebiet gesäubert.Bild 28 von 51 Auch nach jahrelangen Aufräumarbeiten gleichen viele Landstriche auch heute noch Minenfeldern.Bild 29 von 51 Wer hier sät und erntet, riskiert Leben und Gesundheit.Bild 30 von 51 Besonders Kinder kommen häufig ums Leben, wenn sie beim Spielen auf eine der Minen treten.Bild 31 von 51 Mit Unterstützung von UNICEF werden Kinder in angolanischen Schulen über die Gefahr am Boden aufgeklärt. Rund 20.000 Lehrer unterrichten etwa eine Million Schülerinnen und Schüler über die tödlichen Risiken durch Landminen.Bild 32 von 51 Angola hat außerdem die "Ottawa-Konvention" unterzeichnet, in der sich rund drei Viertel aller Länder verpflichten, ihre Minenbestände zu vernichten und auf Produktion, Handel und Einsatz der Waffen zu verzichten. Doch der Weg zu einer minenfreien Welt ist noch weit.Bild 33 von 51 Internationale Hilfsorganisationen und Regierungsakteure arbeiten auch auf lokaler Ebene zusammen, um den Leidtragenden eine erträgliche Zukunft zu ermöglichen. Deutschland hat Angola nach offiziellen Angaben mit 2,5 Millionen Euro unterstützt.Bild 34 von 51 Zurück zum Wettbewerb. Über lokale Hilfsnetzwerke haben die Kandidatinnen von der Wahl zur "Miss Landmine 2008" erfahren - Schönheitswettbewerbe sind im südafrikanischen Angola sehr populär.Bild 35 von 51 Zehn Frauen nahmen an der Wahl 2008 teil. Enthusiastisch waren sie bei der Sache, so Projektleiter Traavik, bis auf wenige Ausnahmen wurde das Event in der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommen. Zu den Projektpartnern gehören nationale und internationale Akteure.Bild 36 von 51 Maria da Fatima Conceicao (19): Sie trat 1999 bei der Feldarbeit auf eine Mine, sie erwartet ihr erstes Kind. Die Gründe der Frauen zu kandidieren sind vielfältig. Gemeinsam teilten sie den Spaß bei den Vorbereitungen, bei Fototerminen und im Scheinwerferlicht der Medien.Bild 37 von 51 Sie haben die Gelegenheit ergriffen, als Botschafter ihres Landes international Bewusstsein für ihr Leben zwischen Landminen zu wecken. Filomena Domingos da Costa (33) wurde 1998 auf der Flucht vor Soldaten von einer Mine verstümmelt, ebenso ihr Ehemann.Bild 38 von 51 Severina Cuhiela (26) verlor ihr Bein bereits 1985. Die Verkäuferin wäre gerne Innenausstatterin. Dem weißen, norwegischen Initiator Traavik wurde verschiedentlich vorgeworfen, ein ausbeuterisches, neokolonialistisches Spiel mit den schwarzen, mittellosen und ...Bild 39 von 51 ... physisch versehrten Frauen zu treiben. Er bezeichnet diese Kritik "schlechtinformierter Besserwisser" als herablassend den Frauen gegenüber - als würden diese nicht selbst für sich entscheiden. Paulina Vadi (25) floh vor Soldaten, als eine Mine 1997 ihr Bein zerfetzte.Bild 40 von 51 "Die Frauen finden es komisch und lustig, dass sich Menschen in Europa für sie aufregen", meint Traavik. Mariana Lucas (27) verlor ihr Bein 1993 auf dem Nachhauseweg von der Schule. Danach ging sie nicht mehr hin. Sie ist arbeitslos, würde aber gerne Kleider entwerfen.Bild 41 von 51 Ana Diogo (32) ist schon seit 1984 verstümmelt. Die Witwe und Mutter dreier Kinder sucht dringend Arbeit. Einwände aus Europa gegen die Misswahl erscheinen aus angolanischer Sicht irrelevant, so Traavik. "Miss Landmine" birgt die Chance auf eine bessere Zukunft, ...Bild 42 von 51 ... die Chance, gesehen zu werden, mitzureden und gehört zu werden: Vier internationale Filmteams dokumentieren die Wahlen und begleiten die Frauen durch das Ereignis. Anita Pedro (22) ist die Mutter von Zwillingen. Sie verlor ihr Bein 1999.Bild 43 von 51 Kritik an "Miss Landmine" ist dem Initiator willkommen. Wer das Projekt für eine "Freak-Show" hält, ist in Traaviks Augen von gestern: "Ein Bein verloren zu haben, macht einen Menschen doch nicht hässlich, oder?" Generosa Cassinda (30) trat 1989 bei der Feldarbeit auf eine Mine.Bild 44 von 51 Auch Repräsentanten der angolanischen Regierung haben sich mit den Frauen zum Gespräch getroffen. Traavik hofft, dass politische Taten in den Bereichen Aufklärung und Rehabilitation von Überlebenden folgen. Domingas Antonio Barroso (30) lebt seit 1992 mit einem Fuß und ...Bild 45 von 51 ... wäre wie Maria Restino Manuel (25) gerne Krankenschwester, die "Miss Landmine 2008". Sie erhielt bei der Internetabstimmung rund 2800 Stimmen und konnte so die Wahl für sich entscheiden. Ihr Preis ist eine Beinprothese.Bild 46 von 51 Die Preisverleihung in Angolas Hauptstadt Luanda ist jedoch kein Schlusspunkt. Traavik plant bereits weitere Wahlen zur "Miss Landmine":Bild 47 von 51 Im nächsten Jahr in Kambodscha in enger Kooperation mit Hilfsorganisationen vor Ort. Auch für andere Länder schweben ihm ähnliche Wettbewerbe vor.Bild 48 von 51 Eines ist sicher: Die Auswahl möglicher Austragungsorte für "Miss Landmine"- oder "Mister Landmine"-Schönheitswettbewerbe ist erschreckend groß ...Bild 49 von 51 ... und wird es trotz aller Anstrengungen wohl auch in Zukunft bleiben.Bild 50 von 51 Obwohl es dem Projekt noch so sehr zu wünschen wäre, dass ihm irgendwann die Teilnehmer auf zwei Beinen davonlaufen. (Verwendung von Fotos mit © Miss Landmine nur auf Anfrage)Bild 51 von 51 Verstümmelt und schönMiss Landmine 200802.04.2008, 10:26 UhrFacebookXWhatsAppE-MailLink kopierenArtikel druckenTeilenFolgen auf: