"Wer Sorgen hat, hat auch Likör": Wilhelm Busch zum 100. Todestag
Bilderserien
Jeder kennt sie und jeder lacht über die fiesen Streiche von "Max und Moritz", den beiden Lausbuben, die hinterlistig die Hühner der armen Witwe Bolte töten, um sie ihr dann auch noch aus der Pfanne zu stibitzen.Bild 1 von 30 Doch wer ist Wilhelm Busch, der diese Werke schuf und dessen Todestag sich am 9. Januar 2008 zum 100. Mal jährt?Bild 2 von 30 Ein genialer Zeichner aus der niedersächsischen Provinz ist er, der in seinen bitterbösen Bildergeschichten das Spießbürgertum seiner Zeit auf die Schippe nimmt und die Tücken und Unzulänglichkeiten des dörflichen Lebens zur Schau stellt.Bild 3 von 30 Inspirationen zu seinen Bildergeschichten findet Busch im bäuerlichen Alltag seiner Heimat genug. Als Heinrich Christian Wilhelm Busch wird er am 15. April 1832 als erstes von sieben Kindern eines Krämers in Wiedensahl bei Hannover geboren.Bild 4 von 30 Mit neun Jahren kommt er zu seinem Onkel Georg Kleine, Pfarrer in Ebergötzen bei Göttingen, um dort seine Erziehung zu genießen.Bild 5 von 30 Gemeinsam mit seinem Freund Erich Bachmann, dem Sohn des ortsansässigen Müllers, wird er vom Onkel privat unterrichtet.Bild 6 von 30 Seine Kindheitserlebnisse, das dörfliche Leben, das Schlachten der Tiere, abendlich erzählte Märchen und Sagen und die dörflichen Gestalten finden Eingang in seine Geschichten.Bild 7 von 30 So taucht die Mühle von Erichs Vater in "Max und Moritz" auf.Bild 8 von 30 Seine Bildergeschichten handeln von Tierquälern, ungezogenen Kindern, saufenden Pfarrern, prügelnden Eheleuten. Busch setzt dabei auf Unordnung und Chaos.Bild 9 von 30 Voller Grausamkeit und Komik, mittels Übertreibung und schwarzem Humor befriedigt Busch die Lust des Lesers an Leid und Tod und die Schadenfreude über die körperlichen Schmerzen anderer.Bild 10 von 30 Und es wird gestorben, was das Zeug hält: In der Mühle zermahlen, verbrannt, in die Luft gesprengt, plattgewalzt, geköpft oder an der Nase aufgehängt. Keine Todesart wird ausgelassen.Bild 11 von 30 Wilhelm Busch ist auch ein Dichter, der seine spritzigen und temporeichen Zeichnungen wortgewaltig und lautmalerisch mit Texten unterlegt: "Rickeracke! Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke."Bild 12 von 30 Das virtuose und dynamische Zusammenspiel von in Einzelbilder zerlegten Handlungssträngen und untermalenden Texten nimmt die Entwicklung des Zeichentrickfilms und des Comics vorweg, die ...Bild 13 von 30 ... typische Elemente Buschs wie verknotete Arme und Beine aufgreifen. Busch gilt hier als Ur-Vater.Bild 14 von 30 Seine Zeichner- und Erzählerkarriere beginnt Busch mit Beiträgen für die "Fliegenden Blätter", einer satirischen Illustrierten. 1865 erscheint "Max und Moritz", die Rechte verkaufte er als Student für etwa 1000 Gulden an seinen Verleger.Bild 15 von 30 Mit der Veröffentlichung von "Max und Moritz" wird der Zeichner schlagartig berühmt. Aus seiner intensiven Arbeit gehen unzählige Werke hervor, so "Hans Huckebein, der Unglücksrabe" (1867), "Fipps der Affe" (1879) oder "Die fromme Helene" (1872).Bild 16 von 30 Aus der "Frommen Helene" stammt eines der vielen Zitate, die in zu geflügelten Worten wurden: "Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör."Bild 17 von 30 Neben seinen Bildergeschichten schafft Busch zahlreiche Beiträge für Zeitschriften, Prosastücke wie "Eduards Traum" (1891) und "Der Schmetterling" (1895). Zudem verfasst er Gedichtsammlungen wie "Kritik des Herzens (1874) und ...Bild 18 von 30 ... autobiographische Texte, so "Was mich betrifft" (1886), als Reaktion auf eine Biographie, die entgegen seiner Vorstellung verfasst wurde.Bild 19 von 30 Busch ist ein Quartalstrinker und Kettenraucher, zwei Mal erkrankt er an einer Nikotinvergiftung. Von seinem Onkel hat er die Imkerei erlernt und spielt mit dem Gedanken, als Bienenzüchter nach Brasilien zu gehen. Reisen führen ihn nach Österreich, Holland, Belgien, Italien.Bild 20 von 30 Busch ist Maler. Weil sein Interesse der Malerei gilt, bricht Busch ein Maschinenbau-Studium ab und besucht Kunstakademien in Düsseldorf, Antwerpen und München. Ab 1858 befasst er sich intensiv mit Aktstudien, Anatomie, Zeichnen und Malen.Bild 21 von 30 Nachdem er von den Tantiemen seiner Bildergeschichten leben kann, widmet er sich ganz der Malerei und schafft über 1000 Ölbilder, die er zeitlebens unter Verschluss hält. Erst nach seinem Tod werden sie veröffentlicht. Im Bild: ein Selbstporträt.Bild 22 von 30 Der Querkopf und Satiriker Busch hat einen bitterbösem Humor. Er polarisiert und muss sich nicht nur Blasphemie und gefühllosen Sadismus vorwerfen lassen, sondern auch Antisemitismus und Frauenhass.Bild 23 von 30 In seinem 1864 angefertigten Werk "Der heilige Antonius von Padua", das wegen eines Verbotes erst sechs Jahre später erscheint, prangert Busch die klerikale Scheinheiligkeit und Verlogenheit an.Bild 24 von 30 Er karikiert seine Umwelt und ist ein Menschen- und Gesellschaftskritiker, dem Misanthropie nachgesagt wird.Bild 25 von 30 Er ist ein Sonderling. Nach Einschätzung von Hans Joachim Neyer, Direktor des Wilhelm-Busch-Museums Hannover, hat sich Busch bewusst für die Kunst und gegen eine eigene Familie entschieden.Bild 26 von 30 Auch Scheu vor körperlicher Nähe wird vermutet. Seine Freundschaft zur Bankiersgattin Johanna Kessler, die er während seines Aufenthaltes in Frankfurt kennen lernt, bleibt eine wohl unerfüllte Liebe.Bild 27 von 30 1872 zieht es ihn in seinen Geburtsort Wiedensahl ins Pfarrhaus zu seiner Schwester Fanny zurück. 1898 zieht er nach Mechtshausen am Harz, wo er 1908 an Herzversagen stirbt.Bild 28 von 30 Seine Bildergeschichten erfreuen sich noch heute ungebrochener Beliebtheit ...Bild 29 von 30 ... und amüsieren den Leser und Betrachter.Bild 30 von 30
"Wer Sorgen hat, hat auch Likör"Wilhelm Busch zum 100. Todestag