Holocaust-Mahnmal in Berlin: Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas
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Sechzig Jahre nach Kriegsende ist das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin eingeweiht worden. Eine lange Diskussion über Sinn und Gestaltung eines Holocaust-Mahnmals war dem Ereignis vorausgegangen.Bild 1 von 27 Nachdem der erste Architektenwettbewerb ohne Entscheidung bleibt, fällt die Wahl im zweiten Anlauf auf einen Entwurf des US-Architekten Peter Eisenman.Bild 2 von 27 Allerdings ist der heutige Bau das Ergebnis eines jahrelangen Diskussionsprozesses: ein Kompromiss aus Eisenmans zweitem und drittem Entwurf. Man entscheidet sich für ein Denkmal, das aus 2.700 Betonstelen und einem "Ort der Information" besteht.Bild 3 von 27 Im Jahr 1999 stimmt der Bundestag über den endgültigen Entwurf des Mahnmals ab. Bis auf wenige Ausnahmen - darunter Wolfgang Schäuble - stimmt die Opposition mit Nein.Bild 4 von 27 Das Denkmal steht an einem zentralen Ort in Berlin: zwischen Reichstagsgebäude, Brandenburger Tor, (noch im Bau befindlicher) US-Botschaft, Repräsentanzen der Bundesländer, dem Tiergarten ...Bild 5 von 27 ... und dem Potsdamer Platz.Bild 6 von 27 Der "Ort der Information" unter dem Stelenfeld besteht aus vier Räumen, die weniger umfassend informieren als vielmehr einen emotionalen Zugang über die Präsentation individueller Schicksale bieten wollen, wie z.B. durch die hier abgebildeten großformatigen Porträts von Holocaust-Opfern.Bild 7 von 27 Die Glaskästen auf dem Boden enthalten Zeugnisse der Opfer, darunter einen Brief der zwölfjährigen Judith Wischnjatskaja vom 31. Juli 1942 an ihren Vater, den sie kurz vor ihrem Tod verfasste: "Lieber Vater! Vor dem Tod nehme ich Abschied von Dir. Wir möchten so gerne leben, doch man lässt uns nicht, wir werden umkommen. ...Bild 8 von 27 ... Ich habe solche Angst vor diesem Tod, denn die kleinen Kinder werden lebend in die Grube geworfen. Auf Wiedersehen für immer. Ich küsse dich inniglich. - Deine J." Solche bewegenden Dokumente werden ergänzt durch informative Schautafeln.Bild 9 von 27 Ohne das Engagement der deutschen Publizistin Lea Rosh gäbe es das Denkmal wohl nicht. Sie machte sich das Mahnmal-Projekt 1988 zur Lebensaufgabe.Bild 10 von 27 Die Initiatorin des Mahnmals macht zunächst Karriere in Funk und Fernsehen, bevor sie durch Dokumentationen über den Holocaust und den Völkermord an den Sinti und Roma bekannt wird. Frau Rosh gerät jedoch auch immer wieder in die Kritik, was sicher an ihrer besonderen Art liegt, sich in den Mittelpunkt zu stellen.Bild 11 von 27 Die Kosten des Holocaust-Mahnmals belaufen sich auf 27,6 Millionen Euro. Spenden in Höhe von 900.000 Euro unterstützen den Bau. Bei der Spendensammlung gerät Frau Rosh abermals in die Kritik.Bild 12 von 27 Die Plakatkampagne aus dem Jahr 2001 schockiert nicht zuletzt Holocaust-Überlebende, da sie mit der Auschwitz-Lüge spielt. Aufgrund der Kritik wird die Aktion früher als geplant beendet.Bild 13 von 27 In der Diskussion steht jedoch nicht nur die Frage der Finanzierung und Ausgestaltung, sondern auch die Frage, ob es legitim ist, ein Denkmal allein für die jüdischen Opfer zu errichten. Andere von den Nazis Verfolgte wie Homosexuelle, Sinti und Roma oder Kommunisten und russische Verschleppte fühlen sich benachteiligt.Bild 14 von 27 Doch man bleibt bei der Entscheidung, den ermordeten Juden Europas ein eigenes Mahnmal zu errichten.Bild 15 von 27 Auch die Frage, ob das Mahmal ästhetisch ansprechend sein darf, wenn es doch das Grauen repräsentiert, liefert Stoff für Diskussionen. Und die Frage, für wen das Mahnmal erbaut wird: Ist es in erster Linie für die Täter und ihre Nachfahren oder für die Opfer?Bild 16 von 27 Die Bauphase erstreckt sich über mehrere Jahre. Bereits 1998, also vor der endgültigen Entscheidung für einen konkreten Entwurf, wird das Gelände in Berlin-Mitte vorbereitet.Bild 17 von 27 Bis die Fundamente für die Stelen gegossen werden, vergehen weitere fünf Jahre.Bild 18 von 27 Doch seit der Errichtung der Fundamente im Jahr 2003 geht es immer schneller vorwärts.Bild 19 von 27 Peter Eisenman und Lea Rosh sorgen derweil dafür, dass der Bau des Mahnmals in den Medien präsent bleibt. Anlass für Pressetermine bieten die einzelnen Schritte des Baus, wie z.B. die Vorstellung der ersten zehn Stelen, die das Team Eisenman / Rosh hier präsentiert.Bild 20 von 27 Noch einmal gerät der Bau ins Stocken, als bekannt wird, dass der Graffiti-Schutz "Protectosil", der für die Stelen verwendet werden soll, von der Firma Degussa stammt: Eine der Degussa-Tochterfirmen hatte das Todesgas Zyklon B für die Vernichtungslager der Nazis geliefert.Bild 21 von 27 Die Diskussion um die Verwendung des Degussa-Produkts wird vor allem im Feuilleton geführt. Die Fragen drehen sich um die Verantwortung deutscher Unternehmen für ihre NS-Geschichte.Bild 22 von 27 Rosh lehnt Degussa ab und beruft sich dabei auf Holocaust-Überlebende und Nachkommen der Opfer. Eisenman kann diese Position nicht nachvollziehen. Er sagt über Rosh: "Sie tendiert dazu, für eine Gruppe von Menschen zu sprechen, die sie in ihrem Kopf erfunden hat."Bild 23 von 27 Im Juli 2004 kann endlich Richtfest gefeiert werden. Der Rohbau ist fertig.Bild 24 von 27 Und im Dezember schwebt die letzte von rund 2.700 Stelen an einem Kran befestigt über dem Mahnmal ...Bild 25 von 27 ... und die Kiefern zwischen den Stelen werden gepflanzt.Bild 26 von 27 Nun bleibt abzuwarten, wie das Mahnmal von der Bevölkerung aufgenommen wird: Wird es ein Ort des Gedächtnisses oder eine touristische Attraktion? Werden die Menschen "Zugang" zum Stelenfeld finden?Bild 27 von 27
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