Die Weltöffentlichkeit ist alarmiert. Vor der Küste Somalias machen Piraten Jagd auf Schiffe. Dutzende Attacken gab es alleine im vergangenen Jahr.Bild 1 von 46 Der Kampf gegen die Piraten fällt eigentlich in den Zuständigkeitsbereich des somalischen Staates. Die chaotischen Zustände in dem ostafrikanischen Land machen es jedoch unmöglich, die Piraterie wirkungsvoll zu unterbinden.Bild 2 von 46 Armut, Hunger und ständiger Aufruhr bestimmen das Leben in diesem Staat, der eigentlich keiner mehr ist - ein idealer Nährboden für die zunehmende Kriminalität zu Lande und zu Wasser.Bild 3 von 46 Somalia befindet sich am Horn von Afrika. In dem ostafrikanischen Land leben rund 8,7 Millionen Einwohner.Bild 4 von 46 Immer wieder wird Somalia von schweren Naturkatastrophen getroffen. Auf Überschwemmungen ...Bild 5 von 46 ... folgen katastrophale Dürren. Die Menschen leiden unter den schweren Lebensbedingungen, etwa 70 Prozent sind unterernährt.Bild 6 von 46 Bewaffnete Milizen ringen um die Macht in dem zerrütteten Land. Die amtierende Regierung kann weder die Sicherheit der eigenen Bürger noch die der Handelsschiffe garantieren.Bild 7 von 46 Die Auflösung der staatlichen Strukturen und die herrschende Gesetzlosigkeit machen viele Regionen zu einem idealen Standort für Piraten. In Puntland werden die lokalen Machthaber sogar beschuldigt, mit den Seeräubern gemeinsame Sache zu machen.Bild 8 von 46 Somalia gilt als so genannter "Failed State". Eine Erhebung der Fachzeitschrift "Foreign Policy" führt Somalia auf dem Index der gescheiterten Staaten auf Platz 1. Ein Jahr zuvor belegte das Land Platz 3.Bild 9 von 46 Insgesamt wurde die Lage in 177 Staaten beleuchtet. Für die Analyse wurden zwölf soziale, ökonomische und politische Indikatoren untersucht.Bild 10 von 46 Zu den sozialen Faktoren gehören: starkes Bevölkerungswachstum, große Flüchtlingsbewegungen, die zum Teil schwere humanitäre Krisen nach sich ziehen, und Racheabsichten verfeindeter Gruppen.Bild 11 von 46 Als ökonomische Indikatoren gelten: die ungleiche Verteilung des ökonomischen Wachstums und der Teilhabe daran vor allem entlang ethnischer Gruppenzugehörigkeiten sowie der starke oder ständige Verlust an Wirtschaftskraft.Bild 12 von 46 Politische Indikatoren sind eine zunehmende Kriminalisierung und die darauf folgende Delegitimierung des Staates, der fortschreitende Verfall öffentlicher Dienstleistungen und Verwaltungsstrukturen sowie die Aufhebung oder willkürliche Auslegung von Rechtsnormen.Bild 13 von 46 Der Sicherheitsapparat wird zum Staat im Staate, die Eliten zersplittern, andere Staaten oder auswärtige politische Akteure intervenieren.Bild 14 von 46 Was macht Somalia zu einem gescheiterten Staat ? Der deutsche Soziologe Max Weber gab 1919 eine bis heute gültige Definition des Begriffes "Staat": ...Bild 15 von 46 ... "Der Staat ist diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb eines bestimmten Gebietes das Monopol auf legitime physische Gewaltsamkeit mit Erfolg für sich beansprucht."Bild 16 von 46 Somalia befindet sich seit 1991, als Rebellen den damaligen Präsidenten Siad Barre stürzten, faktisch in einem Zustand der Anarchie.Bild 17 von 46 Nach dem Sturz Barres verstrickten sich die verschiedenen Stämme in einen Bürgerkrieg um seine Nachfolge. Die staatliche Ordnung zerfiel völlig.Bild 18 von 46 Im Jahr 1992 unternahmen die Vereinten Nationen einen Versuch, die Ordnung wiederherzustellen.Bild 19 von 46 Die UN-Missionen UNOSOM und UNOSOM II schlugen jedoch fehl. Unter dem militärischen Druck der Warlords zogen sich die Truppen 1995 endgültig zurück.Bild 20 von 46 Nach schier endlosen Kämpfen gab es 2004 zwar eine Übereinkunft zwischen Warlords und bürgerlichen Politikern, eine Übergangsregierung zu bilden. Die so geschaffene Regierung konnte die Zentralgewalt jedoch nie an sich bringen.Bild 21 von 46 Premierminister Nur Hassan Hussein verfügt nicht über die Mittel, das Monopol der staatlichen Gewaltsamkeit durchzusetzen. Somalia bleibt ein zerrissenes Land.Bild 22 von 46 Im Norden sind sowohl Somaliland als auch Puntland quasi autonom. Im Süden üben Warlords und islamistische Milizen die Herrschaft aus.Bild 23 von 46 2007 brachen erneut schwere Kämpfe aus, vor allem in der Hauptstadt Mogadischu.Bild 24 von 46 Das führte zu einer Massenflucht. Innerhalb weniger Monate flohen Hunderttausende aus Mogadischu, insgesamt wird die Zahl der Flüchtlinge auf über eine Million geschätzt.Bild 25 von 46 Die islamistischen Milizen rücken aus dem von ihnen kontrollierten Süden immer weiter auf die Hauptstadt Mogadischu vor..Bild 26 von 46 Die Übergangsregierung hat den Milizen keine ebenbürtigen Kräfte entgegenzusetzen. Nur durch die Unterstützung Äthiopiens kann sie Teile des Landes halten. Auch Friedenstruppen der Afrikanischen Union sind vor Ort.Bild 27 von 46 Die Auseinandersetzungen werden mit brutaler Härte geführt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beklagt auf beiden Seiten Kriegsverbrechen. Für die Menschen in Somalia gibt es keinerlei Schutz vor den Wirren der Kämpfe. Es gibt keine effektive Polizei ...Bild 28 von 46 ... und auch eine zentrale Gerichtsbarkeit existiert nicht. Stattdessen übernehmen lokale traditionelle Körperschaften oder islamische Gerichte die Rechtsprechung.Bild 29 von 46 Die Infrastruktur in Somalia ist wegen fehlender staatlicher Investitionen in einem katastrophalen Zustand.Bild 30 von 46 Es gibt kaum fließend Wasser, selbst in den Städten müssen die Menschen weite Wege auf sich nehmen, um sich mit Wasser zu versorgen.Bild 31 von 46 Gesicherte wirtschaftliche Zahlen sind aufgrund der chaotischen Verhältnisse kaum zu erheben. Grundlage der rudimentär entwickelten Wirtschaft ist die Viehhaltung. Ungefähr 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft.Bild 32 von 46 Die Trockenheit des Jahres 2007 führte jedoch zur schlechtesten Ernte seit 13 Jahren.Bild 33 von 46 Einzig Wechselgeschäfte und die Kommunikationsbranche sind wegen der wachsenden somalischen Diaspora relativ gut entwickelt. Ein Großteil der Somalier überlebt nur aufgrund regelmäßiger Zahlungen durch Verwandte aus dem Ausland.Bild 34 von 46 Die Vereinten Nationen warnen vor einer "humanitären Katastrophe" in Somalia. Besonders die Flüchtlinge befinden sich in einer elenden Lage.Bild 35 von 46 Somalia weist eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten der ganzen Welt auf. Ein Zehntel aller Kinder erreicht nicht einmal das Alter von fünf Jahren.Bild 36 von 46 Viele Somali sind abhängig von humanitärer Hilfe aus dem Ausland.Bild 37 von 46 Doch die Hilfeleistungen nach Somalia sind völlig unzureichend. Nur etwa 200 Millionen Dollar flossen im Jahr 2007 in das Land.Bild 38 von 46 Nicht immer erreicht die Hilfe überhaupt ihren Bestimmungsort. Auch Schiffe mit Hilfsleistungen sind vor den Piraten nicht sicher.Bild 39 von 46 Für die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen gelten scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Trotzdem sterben immer wieder Helfer im Einsatz. Hier besucht UN-Koordinator Laroche in einer schusssicheren Weste ein Flüchtlingslager.Bild 40 von 46 Die faire Verteilung der Hilfsgüter wird zusätzlich durch die grassierende Korruption behindert.Bild 41 von 46 2008 belegt Somalia den schlechtesten Wert auf dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International. Der Teufelskreis aus Armut, versagendem Rechtssystem und Bestechung verschlimmert die Not der Somali.Bild 42 von 46 „In den ärmsten Ländern kann das Ausmaß von Korruption den Ausschlag über Leben oder Tod geben, wenn es um Geld für sauberes Trinkwasser oder Krankenhäuser geht", sagt Huguette Labelle, die Vorsitzende von Transparency International.Bild 43 von 46 Solange es faktisch keinen funktionierenden somalischen Staat gibt, besteht keine Aussicht auf eine Verbesserung der Lage.Bild 44 von 46 Dies sieht auch der UN-Sondergesandte für Somalia, Ahmedou Ould-Abdallah, ähnlich. Er rief Regierungschef Hassan Hussein und Präsident Yusuf Ahmed (im Bild) erneut auf, an der Beendigung der Gewalt zu arbeiten.Bild 45 von 46 Erst dann kann endgültig die Piraterie vor Somalias Küste wirksam bekämpft werden.Bild 46 von 46