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Dienstag, 05. Juni 2018

Skandale, Unglücke, Attentate: Die Kennedys - Schicksalsschläge einer Familie

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Die Kennedys faszinieren. In einem Land ohne Adel und ohne König sind sie das heimliche Königshaus. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Kennedys faszinieren. In einem Land ohne Adel und ohne König sind sie das heimliche Königshaus.

Die Kennedys faszinieren. In einem Land ohne Adel und ohne König sind sie das heimliche Königshaus.

Doch Unglück, Tod und Skandale verfolgen die berühmteste Familie der USA wie ein Fluch.

Kaum eine Familie verkörpert so sehr den amerikanischen Traum. (Gruppenbild der Familie Kennedy im November 1960)

1848, während der Hungersnot in Irland, bricht Patrick Kennedy in die USA auf und lernt auf der Fahrt seine spätere Frau Bridget kennen. Sie bekommen vier Kinder, ...

... ihr Sohn Patrick Joseph Kennedy (1858-1929) wird als Abgeordneter von Massachusetts der erste Politiker der Familie.

Er heiratet eine Politikertochter, Mary Augusta Hickey. Aus dieser Ehe stammt Joseph Patrick Kennedy (im Bild), der Gründer des eigentlichen Kennedy-Clans.

Dieser wiederum heiratet Rose, die älteste Tochter des Bostoner Bürgermeisters John Francis Fitzgerald.

Joseph Kennedy erwirbt ab 1929 mit Aktienspekulationen und offenbar auch durch illegalen Schnapshandel ein Vermögen, pflegt intensive Kontakte zur Mafia.

Er unterstützt aktiv den Wahlkampf von Franklin D. Roosevelt, erhält jedoch nach dessen Wahl keinen der begehrten Ministerposten.

Stattdessen wird er 1938 US-Botschafter in London, wo er bis 1940 bleibt. Hitler und den Antisemitismus der Deutschen hält er für harmlos, er befürwortet die Appeasement-Politik des britischen Premiers Chamberlain und gilt bald als Nazi-Sympathisant, ...

... was schließlich zum Bruch mit Roosevelt führt. (Im Bild beim Abschiedsbesuch bei Winston Churchill)

Ganz offen unterhält der fromme Katholik außereheliche Beziehungen, unter anderem mit der Schauspielerin Gloria Swanson.

Ehefrau Rose leidet still und gebiert neun Kinder, die sie nicht eben liebevoll, aber leistungsorientiert erzieht.

Die älteste Tochter, Rosemary, kommt möglicherweise leicht geistig behindert zur Welt. 1941 wird sie operiert, um sie sexuell ruhigzustellen, dabei erleidet sie starke Hirnschädigungen. Schwerbehindert verbringt sie ihr Leben in einer Heilanstalt. (Im Bild steht sie in der Mitte zwischen Mutter Rose rechts und Schwester Kathleen links von ihr)

1944 trifft die Familie der nächste Schicksalsschlag. Der älteste Sohn Joseph, designierter politischer Erbe des Vaters, stürzt im Zweiten Weltkrieg über dem Ärmelkanal ab - er ist erst 29 Jahre alt.

Nur vier Jahre später trauert die Familie um Josephs Schwester Kathleen. Sie kommt mit 28 Jahren bei einem Flugzeugunglück ums Leben.

Zuvor hatte sie beinahe Schande über die Familie gebracht. Zunächst heiratet sie den protestantischen Marquess William Cavendish of Hartington und plant nach dessen Tod die Ehe mit einem geschiedenen Mann.

Trotz des tragischen Verlusts ihrer älteren Kinder spornen Joseph senior (hier mit Joseph junior und JFK) und Rose die jüngsten dazu an, vor keiner Hürde zurückzuscheuen und nur die höchsten Ämter anzustreben.

Nicht zuletzt deshalb beginnt John Fitzgerald Kennedy trotz seiner labilen Gesundheit mit dem Aufbau einer politischen Karriere. Er arbeitet als Journalist, wird ins Repräsentantenhaus gewählt.

1952 wird er Senator von Massachusetts, im Jahr darauf heiratet der junge Senator Jacqueline Bouvier.

Doch auch dieses Traumpaar wird schon bald von Schicksalsschlägen getroffen. 1955 erleidet Jackie eine Fehlgeburt, 1956 wird Tochter Arabella tot geboren.

Gerüchten zufolge sind die Todesfälle auf Chlamydien-Infektionen zurückzuführen, mit denen JFK seine Frau nach außerehelichen Kontakten ansteckt.

1957 kommt schließlich Caroline Bouvier Kennedy zur Welt. Jackie hat zu diesem Zeitpunkt schon die Strategie der Kennedy-Frauen übernommen, sie verschließt die Augen vor den zahlreichen Frauengeschichten ihres Mannes.

Die Kennedy-Geliebte Judith Exner soll zur gleichen Zeit die Freundin des Chicagoer Gangsterbosses Sam Giancana gewesen sein.

Marilyn Monroe teilte er wohl mit seinem Bruder Bobby.

Am 25. November 1960 wird in guter Familientradition John Fitzgerald Kennedy jr. geboren.

1961 zieht John F. Kennedy als jüngster gewählter Präsident der Vereinigten Staaten im Alter von 43 Jahren ins Weiße Haus ein.

Er hat den Auftrag seines Vaters erfüllt. Genießen kann der Dynastie-Chef den Triumph nicht: Als der Sohn ins Weiße Haus einzieht, lähmt ein Schlaganfall den Vater. Bis zu seinem Tod 1969 bleibt Joseph stumm.

Seinen Bruder Robert (Bobby, hier mit seiner Frau Ethel und sieben Kindern) macht John zum Justizminister.

Im Sommer 1963 ist Jackie hochschwanger mit dem dritten Kind. Am 7. August kommt, fünf Wochen zu früh, Sohn Patrick zur Welt. Er stirbt am Morgen seines dritten Lebenstages.

Da hat sein Vater noch zweieinhalb Monate zu leben. Am 22. November 1963 ist ganz Amerika wie gelähmt: In Dallas im US-Staat Texas wird auf offener Straße auf US-Präsident John F. Kennedy geschossen.

Der Präsident, zu dem die Nation aufblickte, stirbt im Kugelhagel.

Die Bilder von der weinenden Jackie ...

... und dem kleinen John Jr., der vor dem Grab seines Vaters salutiert, gehen um die Welt.

1964 entkommt der jüngste Bruder Edward Kennedy bei einem Flugzeugunglück nur knapp dem Tod.

Fünf Jahre nach den Todesschüssen von Dallas wird auch Robert F. Kennedy Opfer eines Gewaltverbrechens: Ein Palästinenser schießt am 5. Juni 1968 auf den Demokraten. Robert F. Kennedy befindet sich im Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur und hält sich dazu im Ambassador Hotel in Los Angeles auf.

Einen Tag später erliegt er seinen schweren Verletzungen, am 8. Juni wird er zu Grabe getragen.

Für Edward zerplatzt der Traum von der Präsidentschaft am 18. Juli 1969: Betrunken rast "Teddy" nach einer Party auf der Insel Chappaquiddick (direkt neben Martha's Vineyard) mit dem Wagen von einer Brücke, ...

... seine Wahlhelferin Mary Jo Kopechne kommt ums Leben.

Kennedy bekennt sich vor Gericht der Fahrerflucht schuldig und wird zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Mit Kopechnes Familie einigt er sich außergerichtlich nach Zahlung von 50.000 Dollar aus seiner Versicherung und 90.904 Dollar aus seinem Privatvermögen.

Fortan gelten die beiden Söhne von Robert F. Kennedy - Joseph und Michael - als die großen Hoffnungsträger des Clans. Beide sollen den Glanz früherer Jahre zurückbringen.

Doch 1973 schlägt das Schicksal erneut zu: Joseph verunglückt mit dem Auto, seine Mitfahrerin Pam Kelly ist seitdem gelähmt. "Du trägst eine besondere Verantwortung. Liebe dein Land", hatte Robert seinem ältesten Sohn nach JFKs Tod geschrieben.

Die Kennedys kaufen sich mit einer Million Dollar frei von jeder Verantwortung.

Im gleichen Jahr muss Edward Kennedy Jr. ein Bein amputiert werden. Er hat Knochen-Krebs.

Zu diesem Zeitpunkt ist Edward Kennedys Frau Joan längst alkoholabhängig, er selbst hat einen Ruf als durch Bars und Schlafzimmer ziehender Lebemann.

1984 trauert die Dynastie aus Massachusetts erneut: Robert Kennedys Sohn David stirbt 29-jährig in einem Appartement in Florida an einer Überdosis Rauschgift.

Er war als 13-Jähriger in einem Hotelzimmer in Los Angeles vergessen worden, wo er stundenlang und fassungslos den Mord an seinem Vater im Fernsehen betrachtet hatte.

1991 steht Edward Kennedys Neffe William Kennedy Smith wegen Vergewaltigung auf dem Familienbesitz in Palm Beach (Florida) vor Gericht. Er wird freigesprochen.

1995 stirbt Rose Kennedy im Alter von 104 Jahren, sie überlebt vier ihrer neun Kinder und auch vier Enkel.

Ihre letzten elf Lebensjahre verbrachte sie nach einem Schlaganfall in geistiger Umnachtung.

Roberts bislang unauffälliger Sohn Michael (l.) gerät 1996 in die Schlagzeilen, weil er eine Affäre mit einer 14-Jährigen hat, die auf seine Kinder aufpasst.

Einer sicheren Verurteilung wegen Vergewaltigung entgeht er nur, weil das Mädchen und seine Eltern nicht gegen ihn aussagen. Anschließend begibt er sich wegen Alkoholismus in Behandlung.

Michael stirbt am Silvester-Nachmittag 1997 im Ski-Urlaub, den er mit Mutter Ethel und den Geschwistern verbringt. Er rast in Aspen in Colorado frontal gegen einen Baum.

Der Hoffnungsträger der Kennedy-Dynastie fällt ins Koma, stirbt 90 Minuten nach dem tragischen Unfall auf dem Weg ins Krankenhaus. Alle Wiederbelebungsversuche seiner Schwester Rory, geboren nach dem Tod des Vaters Robert, bleiben erfolglos.

Wieder trifft sich auf dem Familiensitz die inzwischen weit verzweigte Verwandtschaft, um einen Kennedy zu beerdigen.

Am 17. Juli 1999 soll in Hyannis Port endlich wieder ein Freudenfest der Kennedy gefeiert werden. Roberts Tochter Rory will heiraten, die ganze Familie wird erwartet.

John F. Kennedy jr., genannt John-John, seit Kindheitstagen eine Art Kronprinz der Kennedys, fliegt von New Jersey aus mit seiner Ehefrau Carolyn Bessette und seiner Schwägerin Lauren zu der Hochzeit.

Er ist ein unerfahrener Pilot, hat nur die Sichtfluglizenz. Doch nach Sicht kann er an diesem Abend nicht mehr fliegen. Wahrscheinlich nach einem Pilotenfehler stürzt die Piper 32 Saratoga ins Meer, alle drei Insassen sterben.

Laut Edward Klein, dem Autor des Buches "Der Kennedy-Fluch: Warum Amerikas Erste Familie seit 150 Jahren von Tragödien verfolgt wird", soll die Ehe von John F. Kennedy Jr. und der schönen Carolyn Bessette ...

... bereits lange vor dem tödlichen Absturz des Paares zerrüttet gewesen sein.

Carolyn sei drogensüchtig gewesen, mit "Baywatch"-Darsteller Michael Bergin fremd gegangen sein und habe auf Johns Kinderwunsch mit Sexverweigerung reagiert.

Die Bessette-Familie, die an diesem Tag zwei Töchter verliert, wird mit einer Millionen-Summe entschädigt und verzichtet dafür auf eine Klage wegen fahrlässiger Tötung gegen Kennedys Rechtsnachfolger.

Rory Kennedy heiratet zwei Wochen später in kleinem Kreis.

2001 wird der Neffe von Ethel Skakel-Kennedy, Michael Skakel, des Mordes an Martha Moxley überführt und angeklagt. Der Mord geschah 1975, als Opfer und Täter 15 Jahre alt waren. Skakel wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Die Kennedy-Familie kämpft seitdem um seine Rehabilitierung.

Zwei Jahre später wird der Scheidungskrieg zwischen Kerry Kennedy, Tochter des 1968 ermordeten Robert Kennedy, und ihrem Ehemann Andrew Cuomo, Bauminister im Kabinett von Bill Clinton, auf den Titelseiten ausgetragen.

Cuomo fühlte sich durch seine Frau "betrogen". Reporter finden Cuomos Nebenbuhler: einen wohlhabenden, verheirateten Polo-Spieler. Mittlerweile müsste er aber den Rosenkrieg mit der Kennedy-Tochter überwunden haben. Denn seit 2010 ist er Gouverneur des Bundesstaates New York und lebt mit der Fernsehköchin Sandra Lee zusammen.

Was die Kennedys den USA bedeuten, ließ sich zuletzt ahnen, als bekannt wurde, dass der letzte überlebende Kennedy-Bruder, Edward, an einem bösartigen Gehirntumor erkrankt ist. Unzählige E-Mails mit Genesungswünschen kommen innerhalb weniger Stunden im Büro des Senators an.

Am 25. August 2009 stirbt der letzte männliche Überlebende der zweiten Generation der Familie Kennedy. An seiner Beerdigung nehmen zahlreiche prominente Politiker teil, unter anderem Präsident Barack Obama, die ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter, Bill Clinton und George W. Bush.

Nur wenige Kennedys sind heute noch einflussreich. Da ist zum einen Caroline Bouvier Kennedy Schlossberg, die Tochter von JFK. Sie hat den Vizepräsidentschaftskandidaten des demokratischen Hoffnungsträgers Barack Obama mit ausgewählt.

Manche trauten ihr das Amt gar selbst zu. 2013 nahm Kennedy am Auswahlverfahren zur US-Botschafterin in Japan teil. Im selben Jahr wurde sie noch durch Außenminister John Kerry vereidigt. Damit war Caroline die erste Frau in diesem Amt in Tokio.

Bobby Shriver, der älteste Sohn von Eunice Kennedy Shriver, hat nicht nur seine eigenen Millionen verdient. Er betreibt gemeinsam mit Bono ein Projekt zur Afrika-Hilfe, bei dem Unternehmen Produkte entwickeln, deren Erlöse zum Teil in humanitäre Projekte fließen.

Schließlich ist da noch Maria Shriver, ebenfalls eine Tochter von Eunice und Ex-Frau des ehemaligen republikanischen Gouverneurs von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger. 2011 trennte sich das Paar. Heute arbeitet Maria Shriver wieder als Fernsehkorrespondentin.

Erst in diesem Jahr scheiterte Christopher G. Kennedy, als er versuchte, Gouverneur von Illinois zu werden.

Er ist einer der Söhne von Robert Kennedy und ein erfolgreicher Unternehmer.

Dem Sohn von Edward Kennedy, Edward M. "Ted" Kennedy Jr., wurden eine Zeitlang Ambitionen auf den Gouverneursposten in Connecticut nachgesagt.

Er entschied sich aber schließlich gegen eine Kandidatur, setzt sich aber weiter für die Teilhabe von Behinderten ein. (im Bild mit seiner Mutter Joan)

2010 legt Patrick Kennedy, ein Sohn von Edward Kennedy, sein Mandat im Repräsentantenhaus wegen Suchtproblemen nieder. Damit bekleidet erstmals seit 63 Jahren kein Kennedy ein politisches Amt in Washington.

Das ändert sich jedoch 2012 wieder, als Roberts Enkel, Joseph Kennedy III., in den Kongress einzieht.

Dem Juristen mit der eindeutigen Familienähnlichkeit wird nachgesagt, dass er sich auch die Präsidentschaft zutrauen würde.

Im März 2017 hält er im Kongress in Washington eine vielbeachtete Rede gegen die Gesundheitsreform von US-Präsident Donald Trump.

So könnte es mit dem Kennedy-Clan in die nächste Generation gehen, wenn nicht wieder ein Schicksalsschlag dazwischenkommt.

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