Als der Jurist Dmitri Medwedew am 7. Mai 2008 mit einer prunkvollen Zeremonie im Kreml ...Bild 1 von 49 ... als bisher jüngster russischer Präsident vereidigt wurde, galt er vielen als Marionette Putins.Bild 2 von 49 Aber es gab auch hoffnungsvolle Stimmen: Der Westen wünschte sich nach den acht Jahren mit Wladimir Putin von dem ehemaligen Gazprom-Chef liberale Reformen, vor allem eine teilweise Öffnung der russischen Wirtschaft.Bild 3 von 49 Der damals 42-jährige Medwedew versprach mehr Rechtstaatlichkeit, Justizreformen und einen rigorosen Kampf gegen die Korruption.Bild 4 von 49 Seine offene Kritik an den Missständen in Russland ließ auch den Westen aufhorchen.Bild 5 von 49 Doch selbst ein Jahr danach hält sich Skepsis, ob der Ziehsohn Putins wirklich willens und in der Lage ist, das größte Land der Erde, die neben den USA wichtigste Atommacht, eigenständig zu führen.Bild 6 von 49 Russlands Kommentatoren sahen zur ersten großen Zwischenbilanz nach Medwedews erstem Amtsjahr kaum Änderungen im politischen System des Riesenreichs.Bild 7 von 49 Im Grunde sei Medwedew ein "blasser Präsident ohne eigene Machtbasis", der bis jetzt keinen echten außenpolitischen Akzent gesetzt habe ... (hier mit Venezuelas Präsident Hugo Chávez)Bild 8 von 49 ... und seinem populären Regierungschef Putin frei das Feld überlasse.Bild 9 von 49 So geht die russische Sicherheitspolitik mit neuen und alten Verbündeten auf seinen Vorgänger zurück. (Mit Kubas Präsident Raúl Castro)Bild 10 von 49 "Er ist kein strategischer Führer, der ein klares Ziel vor Augen hat", meint die Moskauer Politologin Walerija Kassamara.Bild 11 von 49 In seinem ersten Amtsjahr habe Medwedew vielmehr die Politik seines Vorgängers treu fortgesetzt, ...Bild 12 von 49 ... habe ihn "bis hin zur Mimik, ...Bild 13 von 49 ... Gestik ...Bild 14 von 49 ... und einzelnen Handlungen" nachgeeifert, so Kassamara.Bild 15 von 49 Nur zaghaft lässt er Bemühungen erkennen, aus dem Schatten seines politischen Ziehvaters zu treten - und besinnt sich auf seine liberalen Wurzeln.Bild 16 von 49 Experten räumen ein, dass der Kremlchef - wohl auch befeuert durch die Finanzkrise mit ihren sozialen Folgen wie wachsender Arbeitslosigkeit - zu Zugeständnissen an die Opposition bereit ist.Bild 17 von 49 Nach allem "Wortgeklingel" vermissen sie aber Taten. Manche Kritiker sehen in der neuen Offenheit des Kreml sogar eine Strategie Putins, sozialen Unruhen vorzubeugen.Bild 18 von 49 Denn der Ex-Präsident ist im Zugzwang. Der Georgienkrieg vom vergangenen August, der Gasstreit mit der Ukraine zu Jahresbeginn ...Bild 19 von 49 ... und die fortdauernde Wirtschaftskrise sorgten dafür, dass er als Krisenmanager auf der Kommandobrücke blieb. (Die Moskauer Börse musste mehrfach ihren Handel aussetzen.)Bild 20 von 49 Aus den ersten Tagen des Kaukasuskonflikts bleibt in Erinnerung, wie Putin in den Nordkaukasus flog, um den Generälen noch auf dem Rollfeld Befehle zu erteilen, ...Bild 21 von 49 ... oder südossetische Flüchtlinge in der Krisenregion besuchte, während Medwedew noch in der Sommerfrische weilte.Bild 22 von 49 Putin bewies zu dieser Zeit, dass erstmals in der Geschichte Russlands entscheidende Weisungen nicht mehr aus dem Kreml, sondern aus dem Weißen Haus am Ufer der Moskwa kamen, wo der Regierungschef sitzt.Bild 23 von 49 Doch durch die Krise kann Putin nicht mehr mit eiserner Hand allein regieren: "Medwedew will allen zeigen, dass er demokratischer als angenommen und fähig ist zu großzügigen Gesten", meint das Nachrichtenmagazin "Russki Newsweek" ...Bild 24 von 49 ... und sieht bereits einen "Krieg der Apparate" heraufziehen. Es häuften sich die Abstimmungsprobleme zwischen dem Kreml und dem Weißen Haus.Bild 25 von 49 Dass Putin und Medwedew in der Öffentlichkeit immer seltener gemeinsam auftreten, lässt ebenfalls Spekulationen ins Kraut schießen.Bild 26 von 49 Allen Unkenrufen zum Trotz gab es bislang aber keine belastbaren Beweise für ein ernsthaftes Zerwürfnis zwischen zwischen dem Präsidenten und seinem Vorgänger.Bild 27 von 49 Doch Medwedew versucht, ein eigenes Profil zu zeigen: Immerhin rang er Menschenrechtlern das vorsichtige Lob ab, er höre sich Probleme an und ändere allein damit das politische Klima.Bild 28 von 49 Als im Januar ein Menschenrechtsanwalt und eine Journalistin in Moskau erschossen wurden, lud Medwedew demonstrativ den Chefredakteur der betroffenen Zeitung "Nowaja Gaseta" ein.Bild 29 von 49 Und ausgerechnet dieser regierungskritischen Zeitung gab er als Präsident das erste russische Presse-Interview überhaupt. (Chefredakteur Dmitri Muratow)Bild 30 von 49 Medwedew kritisierte auch die Regierung unter Putin für zu langsames Arbeiten in Krisenzeiten sowie jüngste Wahlrechtsverstöße.Bild 31 von 49 Und er stoppte die unter Putin verschärften Medien- und Extremismusgesetze. Auf seine Initiative wurde auch das Gesetz zur Parteienregistrierung ein wenig gelockert.Bild 32 von 49 In der Außenpolitik versucht er einen freundlicheren Weg zu finden. (Mit US-Präsident Barack Obama und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi.)Bild 33 von 49 Doch es bleibt zweischneidig: Am Tag nach der Wahl von Obama drohte er mit der Stationierung neuer Kurzstreckenraketen im Raum Kaliningrad. Und auch im Verhältnis zur NATO kriselt es immer wieder.Bild 34 von 49 Ob seine Vorstöße aber eine "Tauwetterpolitik" oder doch nur "eine Imitation von Demokratie" sind, darüber gehen die Meinungen auseinander.Bild 35 von 49 "Wir haben eine Schaufenster-Demokratie, wo Teures wie freie Wahlen und Menschenrechte ausliegen, aber unerreicht bleiben", sagt die Politologin Kassamara.Bild 36 von 49 "Medwedew lässt seinen demokratischen Worten im Grunde keine Taten folgen."Bild 37 von 49 Mit Videobotschaften im Internet, seiner Leidenschaft als Blogger und regelmäßigen Fernsehinterviews gibt sich Medwedew zwar volksnah.Bild 38 von 49 Medien kommentierten dies jedoch als Medwedews "Romanze mit der Demokratie".Bild 39 von 49 Nach Einschätzung des regierungskritischen Oligarchen Alexander Lebedew hat Medwedew erste liberale Zeichen gesetzt. Putin kontrolliere aber weiterhin "95 Prozent des Landes".Bild 40 von 49 Medwedew verstehe die Bedeutung von Demokratie und freien Medien, er wolle einen Vorrang der Justiz. "Er ist kein alter Sowjetmensch in seinem Denken", sagte Lebedew.Bild 41 von 49 "Aber wir haben noch nicht genügend Beweise, dass es Fortschritte gibt", so der Oligarch.Bild 42 von 49 Vielleicht gehe alles nicht so schnell, wie von manchen gewünscht, meint der Medwedew-Berater Igor Jurgens vom Institut für Moderne Entwicklung.Bild 43 von 49 "Die Veränderungen sollten gleitend geschehen und nicht übers Knie gebrochen werden", betont Jurgens, der vor allem eine Stärkung der Justiz als Verdienst Medwedews sieht.Bild 44 von 49 Doch Kritiker betonen, dass auch unter Putins Nachfolger die mitunter tödliche Jagd auf Journalisten und Menschenrechtler kein Ende findet. Die Täter kommen ungestraft davon.Bild 45 von 49 Vor allem aber gilt der neue Gerichtsprozess um den regierungskritischen Ex-Ölmilliardär Michail Chodorkowski weiter als Gradmesser für eine Liberalisierung unter Medwedew.Bild 46 von 49 Sollte der bekannteste Häftling Russlands zu einer zweiten Gefängnisstrafe verurteilt werden, ...Bild 47 von 49 ... dürfte das auch der Westen als Niederlage Medwedews und das vorläufige Ende seiner liberalen Ambitionen werten.Bild 48 von 49 Ob er letztlich aus Putins Schatten treten kann, ist deshalb noch fraglich. (Alle Bilder: AP, dpa, Reuters)Bild 49 von 49