"Eine der beeindruckendsten Frauen": Freya von Moltke
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Sie war eine außergewöhnliche Frau, eine der letzten Zeugen der Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises und eine unermüdliche Verfechterin für die Versöhnung mit Polen: Freya Gräfin von Moltke.Bild 1 von 37 Nun ist Freya von Moltke im Alter von 98 Jahren gestorben.Bild 2 von 37 | Foto: ASSOCIATED PRESSIhr Leben war geprägt von ihrer Ehe mit dem Nazi-Widerstandskämpfer Helmuth James Graf von Moltke.Bild 3 von 37 Die gebürtige Kölnerin lernt ihn im August 1929 im Alter von 18 Jahren kennen. "Ich sah ihn und mein Herz stand still", erzählt sie später dem Autor Jochen Köhler. 1931 heiratet sie Helmuth von Moltke und zieht auf dessen Familiengut Kreisau in Niederschlesien.Bild 4 von 37 "Helmuth war das Zentrum meines Lebens", so die promovierte Juristin.Bild 5 von 37 Helmuth von Moltke ist ein Gegner des nationalsozialistischen Staates. Dieser erscheint ihm, wie er kurz vor seinem Tod schreibt, als Ausdruck "der Enge und der Gewalt, der Überheblichkeit, der Intoleranz und des Absoluten, erbarmungslos Konsequenten".Bild 6 von 37 Als Anwalt hilft Moltke Juden bei der Ausreise.Bild 7 von 37 Kurz nach Kriegsbeginn wird er Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht im Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht.Bild 8 von 37 In den besetzten Gebieten versucht er Geiselerschießungen zu verhindern und kämpft für eine menschliche Behandlung von Kriegsgefangenen.Bild 9 von 37 Er knüpft ein Netz des Widerstandes, das Protestanten und Katholiken, Konservative und Sozialdemokraten umfasst.Bild 10 von 37 Auf ihrem Gut in Kreisau organisieren die Moltkes in den Jahren 1942 und 1943 drei Treffen von Freunden, Bekannten und Vertrauten.Bild 11 von 37 Unter ihnen sind Männer wie Julius Leber, Adolf Reichwein, Peter Yorck Graf von Wartenburg und Theodor Steltzer. Als einer der wenigen versucht Moltke, die traditionellen politischen Lager zu einem Widerstand zu vereinigen.Bild 12 von 37 "Wir hatten die Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen...Bild 13 von 37 ... Wir waren vollkommen überzeugt davon, dass wir das Richtige taten, dann mussten wir auch die Folgen tragen. Dieses Niveau des Lebens habe ich später nie wieder erreicht", erinnert sich später Freya von Moltke.Bild 14 von 37 Der "Kreisauer Kreis", wie die Gestapo die Gruppe nach der Entdeckung nennt, entwirft Pläne für ein demokratisches Deutschland nach dem verlorenen Krieg.Bild 15 von 37 Doch das Kriegsende kommt nicht früh genug. Im Januar 1944 wird James von Moltke verhaftet, nachdem er einen Freund vor der Gestapo gewarnt hat.Bild 16 von 37 Ein Jahr lang bangt Freya von Moltke, inzwischen Mutter zweier Söhne, um das Leben ihres Mannes.Bild 17 von 37 Mitte Juli erfährt Moltke, dass er in Kürze entlassen würde "gegen die Verpflichtung, Industriearbeiter zu werden". Doch nach dem 20. Juli, ...Bild 18 von 37 ... nach dem gescheiterten Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler, zerschlägt sich diese Hoffnung.Bild 19 von 37 Freya von Moltke tut, was sie kann. Sie geht für ihren Mann zu Roland Freisler, dem berüchtigten Strafrichter am Volksgerichtshof. Und sie geht zur Gestapo.Bild 20 von 37 Vergebens. Am 29. November 1944 darf sie noch einmal ihren Mann im Gefängnis besuchen, ein befreundeter Pfarrer gibt ihnen das letzte gemeinsame Abendmahl.Bild 21 von 37 "Er hat mich auf den Tod hin verheiratet", sagt Freya von Moltke später.Bild 22 von 37 Im Dezember schreibt James von Moltke an seine Frau: "Der Tod ist so ein Begleiter des ganzen Jahres geworden."Bild 23 von 37 Am 23. Januar 1945, mit 37 Jahren, wird er hingerichtet, seine Asche auf den Rieselfeldern von Berlin verstreut. Eine Beteiligung an den Umsturzplänen sowie die meisten seiner Widerstandsaktivitäten können ihm nicht nachgewiesen werden. Freya von Moltke ist gerade 33 Jahre alt.Bild 24 von 37 Sie kann nicht lange trauern. Die Front rückt näher, sie muss mit ihren zwei Söhnen Caspar und Konrad und den vielen Familien, die bei ihr in Kreisau Schutz gefunden hatten, fliehen.Bild 25 von 37 Schon bald nach dem Krieg zieht Freya aus Deutschland fort, nach Südafrika, in die Heimat ihrer verstorbenen Schwiegermutter. Hier arbeitet sie als Sozialarbeiterin und setzt sich gegen hier waltendes Unrecht ein.Bild 26 von 37 Erst Ende der 50er Jahre kehrt sie noch einmal nach Deutschland zurück, 1960 siedelt sie nach Vermont in den USA über. Mehr und mehr wird sie in dieser Zeit zur Chronistin des Widerstands - unter anderem durch ihre Herausgabe der Briefe ihres Mannes ...Bild 27 von 37 ... und durch ihre "Erinnerungen an Kreisau". Sie macht es sich zur Aufgabe, das Schweigen in einer von Verdrängung geprägten Gesellschaft zu brechen.Bild 28 von 37 In Vorträgen und Publikationen hält sie die Erinnerung an den Widerstand im Dritten Reich wach.Bild 29 von 37 1989 wird auf dem früheren Gutshof der Familie, im heute polnischen Krzyzowa, ein Versöhnungsgottesdienst zwischen der deutschen und polnischen Regierung gefeiert.Bild 30 von 37 In den folgenden Jahren wird der Hof aufwändig renoviert.Bild 31 von 37 Innerhalb weniger Jahre entsteht hier ein Begegnungszentrum und internationaler Tagungsort.Bild 32 von 37 Im Wohnhaus der Familie von Moltke, dem nahegelegenen Berghaus, wird eine Gedenkstätte zur Erinnerung an den Kreisauer Kreis eingerichtet.Bild 33 von 37 Freya von Moltke setzt sich unermüdlich für die Versöhnung mit Polen ein und verfolgt bis zuletzt aufmerksam die Aktivitäten in ihrer ehemaligen Heimat.Bild 34 von 37 2004 gibt sie ihren Namen der "Freya von Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau", ...Bild 35 von 37 ... deren Ziel es ist, die Begegnungsstätte langfristig zu erhalten.Bild 36 von 37 | Foto: picture-alliance / dpa/dpawebSchirmherr der Stiftung ist Bundespräsident Horst Köhler, der 2004 Freya von Moltke als "eine der beeindruckendsten Frauen unserer Zeit" würdigt.Bild 37 von 37 | Foto: ASSOCIATED PRESS
"Eine der beeindruckendsten Frauen"Freya von Moltke