Katastrophale Folgen der Wirtschaftskrise: Jeder sechste Mensch hungert
Bilderserien
Internationale Organisationen sind alarmiert.Bild 1 von 91 Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise macht sich drastisch in den Entwicklungsländern bemerkbar.Bild 2 von 91 Nach Zahlen der UN hungern weltweit 1,02 Milliarden Menschen.Bild 3 von 91 Das ist der höchste Wert seit 1970.Bild 4 von 91 Und 100 Millionen mehr als noch im Jahr 2008, als bereits die Welternährungskrise kurzzeitig die Welt aufschreckte.Bild 5 von 91 "Das 21. Jahrhundert droht zum Hungerjahrhundert zu werden", warnt Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe.Bild 6 von 91 Der Generaldirektor der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), Jacques Diouf, fordert die Regierungen der Industrieländer auf, sich stärker gegen Hunger zu engagieren.Bild 7 von 91 So wie die Mächtigen der Welt "schnell, gemeinsam und kraftvoll" auf die Weltwirtschaftskrise reagiert hätten, sei nun "derselbe starke Einsatz gefragt, um den Hunger zu bekämpfen".Bild 8 von 91 Auch das Welternährungsprogramm WFP fordert mehr internationales Engagement. "Während die Zahl der Hungernden alle Rekorde bricht, ist die weltweite Ernährungshilfe auf einem 20-Jahres-Tief", kritisiert das WFP.Bild 9 von 91 Viele Staaten haben bereits angekündigt, ihre Zusagen zur Entwicklungshilfe in den nächsten Jahren nicht einhalten zu wollen.Bild 10 von 91 "Was wir gerade sehen, ist eine immense Herausforderung im Kampf gegen den Hunger", so der Chef des Berliner WFP-Büros, Ralf Südhoff, gegenüber n-tv.de. Die Weltbank warnte schon 2008 offen vor Unruhen und Aufständen.Bild 11 von 91 "Es geht nicht nur um eine ausgefallene Mahlzeit oder Unruhen", sagt der Chef der Entwicklungshilfeorganisation in Washington, Robert Zoellick.Bild 12 von 91 "Die Armen im Jemen geben inzwischen mehr als ein Viertel ihres Einkommens nur für Brot aus. Ausgaben für Kindernahrung, Gesundheit oder Behausung müssen hinten anstehen."Bild 13 von 91 Auch wenn sich die Nahrungskrise im Vergleich zu 2008 etwas abgeschwächt hat, gibt es doch keinen Grund zur Entwarnung.Bild 14 von 91 Die Nahrungsmittelpreise seien von einem "absurd hohen auf ein sehr hohes Niveau gefallen - und das hilft den Ärmsten der Armen nicht weiter", so Südhoff.Bild 15 von 91 Noch immer sind die Nahrungsmittelpreise hoch, in Afghanistan kostet Weizen beispielsweise 60 Prozent mehr als vor einem Jahr, in Kenia ist Mais sogar mehr als doppelt so teuer.Bild 16 von 91 Insgesamt liegen die Getreidepreise, die für die Entwicklungsländer relevant sind, noch über 70 Prozent über dem Vorkrisenniveau.Bild 17 von 91 "Weil sie nirgendwo sonst sparen können, bedeutet das - weniger Mahlzeiten", beschreibt Zoellick die Folgen der hohen Lebensmittelpreise.Bild 18 von 91 Nicht nur die Ärmsten sind betroffen. "In vielen Ländern ist nun auch die Schicht der Zweitärmsten vom Hunger bedroht", so Südhoff.Bild 19 von 91 Das International Food Policy Research Institute in Washington hat errechnet: Wenn die Nahrungsmittelpreise um ein Prozent steigen, sind zusätzlich 16 Millionen Menschen von Hunger bedroht.Bild 20 von 91 Mehr als 25.000 Menschen sterben schon jetzt täglich an den Folgen des Hungers.Bild 21 von 91 "Im Jahr 2005 hat der Hunger mehr Menschen getötet als alle in diesem Jahr geführten Kriege zusammen", sagt Jean Ziegler, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.Bild 22 von 91 "Heute stirbt alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren an Hunger oder an mit Unterernährung verknüpften Krankheiten."Bild 23 von 91 Durch die Wirtschafts- und Finanzkrise wird nun zusätzlich alle zwei Minuten ein Kind sterben, hat die Entwicklungshilfeorganisation World Vision ausgerechnet.Bild 24 von 91 Der Tod durch Hunger sieht nicht immer so aus, wie spektakuläre Bilder suggerieren.Bild 25 von 91 Nur die wenigsten Hungernden befinden sich in einer akuten Notsituation und verhungern tatsächlich.Bild 26 von 91 Die meisten leiden vielmehr - von der Weltöffentlichkeit unbeachtet - ...Bild 27 von 91 ... oft über Jahre an täglicher Unterversorgung und dem Mangel an Nahrungsmitteln.Bild 28 von 91 "Der Körper versucht den Mangel zu kompensieren, indem er die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit herunterdrosselt", stellt das UN-Welternährungsprogramm fest.Bild 29 von 91 "Ein hungriger Mensch kann sich weder konzentrieren noch Initiative ergreifen. ...Bild 30 von 91 ... Ein Kind verliert jeden Antrieb zu spielen oder zu lernen."Bild 31 von 91 Das Immunsystem Hungernder ist geschwächt, die Gefahr, an Krankheiten wie Masern, Durchfall oder einer Grippe zu sterben, steigt rapide.Bild 32 von 91 Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind weltweit 150 Millionen Kinder chronisch unterernährt.Bild 33 von 91 500.000 Kinder erblinden jährlich aufgrund von Vitamin-A-Mangel.Bild 34 von 91 Jodmangel, unter dem weltweit 780 Millionen Menschen leiden, kann zu Gehirnschäden und Missbildungen führen.Bild 35 von 91 "Erwachsene, die als Kinder unterernährt waren, sind körperlich und geistig weniger produktiv, haben einen niedrigeren Ausbildungsgrad und Verdienst und sind häufiger krank", heißt es im Welthunger-Index.Bild 36 von 91 Weltbankchef Zoellick spricht von "intellektueller wie auch körperlicher Verkrüppelung" als Folge des Hungers.Bild 37 von 91 Laut dem Welthungerindex 2009 befinden sich 29 Länder in einer alarmierenden Hungersituation.Bild 38 von 91 Dabei liegen die meisten betroffenen Länder in Afrika, südlich der Sahara.Bild 39 von 91 Rein zahlenmäßig leben die meisten Hungernden, zum Großteil paradoxerweise Kleinbauern, noch immer in Asien.Bild 40 von 91 Mehr als 220 Millionen haben im aufstrebenden Schwellenland Indien nicht genug zu essen.Bild 41 von 91 "Hunger betrifft meist Länder, in denen schon eine andere Krise im Gange ist", sagt WFP-Experte Südhoff gegenüber n-tv.de.Bild 42 von 91 Deutlich zeigt sich dies in den afrikanischen Kriegsregionen.Bild 43 von 91 Als Folge der bewaffneten Auseinandersetzungen hungern Millionen Menschen unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo, in Burundi, im Sudan, in Somalia.Bild 44 von 91 Die Flüchtlinge können sich nicht selbst ernähren, die Felder sind vermint, die Ernten zerstört.Bild 45 von 91 Regierungen tragen durch Korruption und Missmanagement ebenfalls zum Hunger in ihren Ländern bei.Bild 46 von 91 Das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea ist seit Jahren auf Lebensmittellieferungen angewiesen.Bild 47 von 91 Millionen Menschen laufen Gefahr, nicht genügend zu essen zu bekommen.Bild 48 von 91 "Die Nahrungsmittelversorgung in Nordkorea ist ganz schlecht und verschlechtert sich weiter", warnt Tony Banbury vom WFP 2008.Bild 49 von 91 Kaum besser die Lage in Simbabwe: Hier leiden durch die schwere Wirtschaftskrise mehrere Millionen Menschen unter Hunger.Bild 50 von 91 Afrika und Asien sind besonders betroffen vom Klimawandel, der zu immer heftigeren Regenfällen, Überschwemmungen oder Dürreperioden führt.Bild 51 von 91 Seit Mitte der 90er Jahre verdoppelte sich die Anzahl der Naturkatastrophen.Bild 52 von 91 Gleichzeitig steigt die Weltbevölkerungszahl rapide. In vierzig Jahren werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben.Bild 53 von 91 Hinzu kommt, dass rasant wachsende, bevölkerungsreiche Länder wie Indien, China und andere Schwellenländer immer mehr und höherwertige Nahrungsmittel verbrauchen.Bild 54 von 91 So nimmt in China der Fleischkonsum um rund fünf Prozent zu - pro Jahr.Bild 55 von 91 Das Problematische daran: Um ein Kilo Fleisch zu erhalten, muss man rund sieben Kilo Getreide in ein Rind stecken. Getreide, das anderswo fehlt.Bild 56 von 91 In Indien etwa nähmen inzwischen rund 300 Millionen Menschen eine zweite Mahlzeit am Tag ein, konstatiert Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen Jahr.Bild 57 von 91 "Wenn die plötzlich doppelt soviel Nahrungsmittel verbrauchen als sie das früher gemacht haben, und dann auch noch 100 Millionen Chinesen beginnen Milch zu trinken, dann verzerren sich natürlich unsere gesamten Milchquoten und vieles andere", so die Kanzlerin.Bild 58 von 91 Das Recht auf Nahrung wird zum Problem; ...Bild 59 von 91 ... was Jupiter darf, steht dem Ochsen dann doch nicht zu.Bild 60 von 91 Dass zeigt sich auch in der Wirtschaftspolitik der führenden Industrienationen gegenüber den Entwicklungsländern - eine Politik, die viele als wesentlichen Grund für Armut und Hunger dort ausmachen.Bild 61 von 91 Einerseits verschließt der Westen noch immer seine Märkte für Waren aus Dritte-Welt-Ländern und macht es so deren Bauern und Händlern schwer, ihre Produkte zu ordentlichen Preisen zu verkaufen.Bild 62 von 91 Andererseits werden viele Entwicklungsländer mit hoch subventionierten Lebensmitteln aus dem Westen überschwemmt.Bild 63 von 91 Jeden Tag subventionieren die Industrieländer ihr Agrarsystem mit rund einer Milliarde Dollar.Bild 64 von 91 Ein Teil davon fließt, um Überschüsse zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt zu bringen.Bild 65 von 91 "Auf jedem Markt in Afrika können Sie europäisches Obst und Gemüse zur Hälfte oder zu einem Drittel des Preises der Inlandsprodukte kaufen", so Ziegler.Bild 66 von 91 Die Folgen für die Kleinbauern: Hunger und Ruin.Bild 67 von 91 Ähnlich sieht es der Weltagrarrat, ein Gremium aus 400 internationalen Experten. "Die ärmsten Entwicklungsländer verlieren in den meisten Liberalisierungs-Szenarien unter dem Strich", warnt Weltagrarrats-Chef Robert Watson bereits im vergangenen Frühjahr.Bild 68 von 91 Entwicklungsländer werden als willkommene Absatzmärkte für industrielles Saatgut, Düngemittel und Pestizide betrachtet - ob es ihnen zum Vorteil gereicht oder nicht.Bild 69 von 91 Großkonzerne wie Monsanto, deren Saatgut jährlich neu erworben werden muss, bringen viele Kleinbauern in eine gefährliche Abhängigkeit.Bild 70 von 91 Der Weltagrarrat fordert daher im Weltagrarbericht 2008 eine radikale Neuausrichtung der globalen Landwirtschaft.Bild 71 von 91 Die Experten warnen vor einem "immer zerstörteren und geteilteren Planeten" und plädieren für eine Rückbesinnung auf natürliche und nachhaltige Produktionsweisen.Bild 72 von 91 Ihr Argument: Die kapitalintensive Industrieproduktion unserer Nahrungsmittel in ihrer jetzigen Form zerstört Böden, Wasser und Artenvielfalt, trägt zum Klimawandel bei und nutzt einseitig den reichen Ländern.Bild 73 von 91 Ein besonderes Problem, das sie und viele andere Experten anprangern: Die wachsende Nachfrage nach Biotreibstoffen.Bild 74 von 91 Um der Ölknappheit zu trotzen und die selbst gesteckten Klimaschutzziele so bequem wie möglich zu erreichen, lässt der Westen Getreide als Biosprit in die Autotanks fließen und verteuert so das Brot der Ärmsten.Bild 75 von 91 2007 verarbeiteten die USA ein Drittel ihrer Maisernte zu Ethanol.Bild 76 von 91 "Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit" nennt der indische Finanzminister Palaniappan Chidambaram die Herstellung von Biosprit aus Nahrungsmitteln.Bild 77 von 91 Jean Ziegler, bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, fordert einen fünfjährigen Anbaustopp für Biotreibstoffe.Bild 78 von 91 Seine Position ist unmissverständlich: "Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet. ...Bild 79 von 91 ... Die Weltordnung, wie sie heute besteht, ist mörderisch. Und sie ist absurd, denn diese Morde geschehen ohne Notwendigkeit."Bild 80 von 91 Für ihn wie auch die Welternährungsorganisation FAO ist klar: "Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren."Bild 81 von 91 Könnte sie vermutlich, wenn sie wollte. Doch geht dies von idealtypischen Zuständen aus.Bild 82 von 91 Und es setzt eine veränderte Landwirtschaftspolitik voraus: Mehr Hilfen für Kleinbauern, eine Ausweitung der Landwirtschaftsflächen, Produktivitätssteigerungen.Bild 83 von 91 Der Forscher Joachim von Braun vom International Food Policy Research Institute fordert 2008 weltweit 20 bis 30 Milliarden Dollar zusätzlich für Investitionen in die Forschung, die in vergangenen Jahren vernachlässigt worden sei.Bild 84 von 91 Doch nun sind die Industriestaaten vorerst voll und ganz mit der Wirtschafts- und Finanzkrise beschäftigt.Bild 85 von 91 Diese birgt die Gefahr in sich, dass die noch immer wohlhabenden Nationen ihre bereits zugesagten Hilfsgelder für die Entwicklungsländer einfrieren oder kappen.Bild 86 von 91 Dabei seien die Gelder, die "für eine erhebliche Verbesserung der Situation in den Entwicklungsländern benötig würden, nur 'Peanuts'", sagt Kurt Bangert von der Entwicklungshilfeorganisation World Vision gegenüber n-tv.de.Bild 87 von 91 Mit 15 Milliarden US-Dollar könnten jährlich 6 Millionen Kinder vor dem Tod gerettet werden, 400.000 Mütter und Schwangere müssten nicht sterben und die Behandlung von gefährlichen Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und HIV/AIDS könnte erheblich verbessert werden.Bild 88 von 91 Nach einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind mindestens 25 Milliarden Dollar in diesem Jahr nötig, um den am stärksten betroffenen Staaten mit Krediten zu helfen.Bild 89 von 91 Der IWF fordert die internationale Gemeinschaft dazu auf, schnell und großzügig zu handeln.Bild 90 von 91 Nur so lassen sich die verheerenden Effekte der Krise auf die verwundbarsten Länder verhindern. (Text: Gudula Hörr)Bild 91 von 91
Katastrophale Folgen der WirtschaftskriseJeder sechste Mensch hungert