Fast welk und traurig liegt die Rose auf dem kleinen Steinvorsprung. Mit einer gewissen Ironie unterstreicht sie den Eindruck, dass das Grab des umstrittenen Philosophen auf dem Londoner Friedhof "Highgate" langsam zu verfallen scheint.Bild 1 von 50 Seit 1956 ziert ein von der Kommunistischen Partei Großbritanniens gestiftetes Marmor-Monument das Grab des Denkers.Bild 2 von 50 Darauf ruht eine bullige Büste von Marx mit vollem Haar und Rauschebart. Aus drei Metern Höhe blickt er mit gerunzelter Stirn auf die anderen Gräber herab.Bild 3 von 50 Alle paar Minuten kommen Besucher vorbei. "Nicht mehr wie früher in großen Delegationen, sondern in kleinen Gruppen", sagt Rowan Davies vom Verein der Freunde des Highgate Cemetery.Bild 4 von 50 "An Wochenenden sind es je nach Wetter bis zu 200." Die meisten Besucher seien Studenten - viele aus China, Russland oder Deutschland. Einige brächten Blumen mit.Bild 5 von 50 Am 14. März 1883 - also vor 125 Jahren - fand Friedrich Engels seinen Freund Karl Marx tot im Lehnstuhl sitzend im Arbeitszimmer.Bild 6 von 50 34 Jahre - und damit mehr als die Hälfte seines Lebens - hatte Karl Marx mit seiner Familie im Londoner Exil gelebt - lange Zeit nur wenige Kilometer von seiner jetzigen Ruhestätte entfernt.Bild 7 von 50 Zur Beerdigung 1883 kamen gerade einmal elf Personen. Dennoch sagte Engels in der Grabrede: "Sein Name wird durch die Jahrhunderte fortleben und so auch sein Werk."Bild 8 von 50 Engels behielt Recht: Auch 125 Jahre nach seinem Tod gilt Marx als großer Philosoph und Ökonom, der wie kaum ein anderer Deutscher die Neuzeit verändert hat.Bild 9 von 50 Seine Ideen spalteten die Welt in zwei Systeme und prägten die Geschichte des 20. Jahrhunderts - auch, wenn sie heute noch so umstritten sind wie zu Marx' Lebzeiten.Bild 10 von 50 Mehr noch: In der heutigen Zeit, in der es weniger um Sozialismus und Kapitalismus geht, sind die ökonomischen Analysen des revolutionären Denkers wieder aktuell.Bild 11 von 50 Marx ist wieder zitierfähig: Im "globalisierten Turbokapitalismus", in dem nur noch Kapital und Rendite das Sagen zu haben scheinen, ...Bild 12 von 50 ... ist plötzlich die Rede vom "Primat der Ökonomie über die Politik", einer "neuen Klassengesellschaft", "Heuschrecken" und der "Ökonomisierung aller Lebensbereiche".Bild 13 von 50 Am 5. Mai 1818 wird Karl Marx als drittes von neun Kindern des jüdischen Rechtsanwalts Heinrich und der Hausfrau Henriette Marx in Trier geboren.Bild 14 von 50 Marx studiert Rechtswissenschaften in Bonn und Philosophie in Berlin. In Jena promoviert er. Dort gedenkt man seiner noch heute mit einer überlebensgroßen Bronze-Büste.Bild 15 von 50 Er bemüht sich vergeblich um eine Hochschullaufbahn. Später beginnt Marx als Redakteur bei der "Rheinischen Zeitung".Bild 16 von 50 1843 heiratet er seine Jugendliebe Jenny von Westphalen. Sie stammt aus einer Familie des deutschen Kleinadels.Bild 17 von 50 Im gleichen Jahr geht Marx nach Paris und gibt dort zusammen mit Arnold Ruge die "Deutsch-Französischen Jahrbücher" heraus. Von ihnen erscheint allerdings nur die erste Ausgabe - und diese auch nur in deutscher Sprache. (Die Zeichnung zeigt Marx als jungen Mann.)Bild 18 von 50 Ruge bleibt der Hegelschen Philosophie und der bürgerlichen Demokratie verpflichtet, Marx beginnt, sich mit politischer Ökonomie zu beschäftigen. (Die Zeichnung zeigt den deutschen Philosophen Friedrich Hegel.)Bild 19 von 50 Dabei lernt er den Fabrikantensohn Friedrich Engels kennen. Zwischen beiden entwickelt sich eine enge Zusammenarbeit.Bild 20 von 50 1845 muss Marx auf Druck der preußischen Regierung Frankreich verlassen. Er geht nach Brüssel.Bild 21 von 50 Marx wird Mitglied im "Bund der Gerechten", wirkt an der Reformierung zum "Bund der Kommunisten" mit und erhält den Auftrag, dessen Manifest zu entwerfen.Bild 22 von 50 In Zusammenarbeit mit Engels schreibt er das "Manifest der Kommunistischen Partei", das am 21. Februar 1848 erscheint. Es endet mit der berühmten Parole "Proletarier aller Länder, vereinigt euch".Bild 23 von 50 Kurz darauf löst die französische Februarrevolution 1848 in ganz Europa politische Erschütterungen aus. Als diese Brüssel erreichen, wird Marx auch aus Belgien ausgewiesen.Bild 24 von 50 Vorübergehend geht er wieder ins Exil nach Paris, dann kehrt er nach Deutschland zurück.Bild 25 von 50 In Köln gibt er die "Neue Rheinische Zeitung - Organ der Demokratie" heraus.Bild 26 von 50 Die preußische Regierung beendet sein Engagement. Die Zeitung erscheint am 19. Mai 1849 zum letzten Mal. Karl Marx wird wegen "Aufreizung zur Rebellion" angeklagt. 1849 wird er zwar freigesprochen, aber gleichzeitig zum Staatenlosen erklärt.Bild 27 von 50 Marx geht nach England. Von 1849 an lebt er im Londoner Exil. Dort verfasst er Hunderte Beiträge für Zeitungen in verschiedenen Ländern.Bild 28 von 50 In der Folge entstehen Marx' ökonomische Hauptwerke. Als erste systematische Darstellung der Marx'schen Philosophie erscheint 1859 "Zur Kritik der politischen Ökonomie". Eigentlich als erstes Heft zur Fortsetzung bestimmt, ...Bild 29 von 50 ... merkt Marx bald, dass er mit der Detail-Ausführung des Gesamtplans noch unzufrieden ist. So beginnt er seine Arbeit von Neuem, und 1867 erscheint sein Hauptwerk: "Das Kapital".Bild 30 von 50 Während er das "Kapital" ausarbeitet, beteiligt er sich 1864 auch an der Gründung der "Internationalen Arbeiter-Assoziation" (Erste Internationale). Zusammen mit Engels entwirft Marx die Statuten und das grundlegende Programm der Organisation.Bild 31 von 50 An der Vollendung seiner stetig vorangetriebenen ökonomischen Arbeiten hindert Marx seine zunehmende Kränklichkeit. Die Fotografie zeigt Friedrich Engels und Karl Marx stehend, vorn Marx' Frau Jenny und ihre Kinder Laura und Eleanor, 1864.Bild 32 von 50 Am 14. März 1883 stirbt Karl Marx.Bild 33 von 50 "Er war vor allem ein Analytiker", sagt die Historikerin Beatrix Bouvier. Sein "Analyseinstrumentarium" sei auch heute noch gültig, auch wenn es nicht zu Lösungen führe.Bild 34 von 50 Das Denken von Marx war revolutionär: Der kommunistische Vordenker analysierte mit Friedrich Engels die Verhältnisse im Zeitalter der industriellen Revolution und beschrieb die Ausbeutung der Arbeiterklasse durch Unternehmer und Feudalherren.Bild 35 von 50 Die Behauptung, das Sein bestimme das Bewusstsein, stellte die bestehende Ordnung in Frage. (Das Foto zeigt Beatrix Bouvier, wie sie Franz Müntefering und Kurt Beck durch das Karl-Marx-Haus in Trier führt.)Bild 36 von 50 Es sei der größte Verdienst von Marx gewesen, den Arbeitern erstmals ein Selbstbewusstsein gegeben zu haben, sagt der Marx-Forscher Klaus Körner.Bild 37 von 50 Nach Ansicht des renommierten Kommunismusexperten Wolfgang Leonhard waren die Ideen von Marx noch nie so lebendig wie heute.Bild 38 von 50 Marx habe "erstaunlich deutlich" darauf hingewiesen, dass es bei der Entwicklung des Kapitalismus keine nationalen Grenzen gebe, sagt Leonhard.Bild 39 von 50 In der Darstellung seiner Ideen der sozialen Bewegung sei Marx allerdings von den sowjetischen Herrschern bis ins Gegenteil gekehrt und missbraucht worden, so der Publizist ("Die Revolution entlässt ihre Kinder").Bild 40 von 50 Seine größte Wirkung hatte Marx im 20. Jahrhundert mit seinen Utopien einer klassenlosen Gesellschaft und von sozialer Gerechtigkeit. (Foto: eine Festveranstaltung im Berliner Palast der Republik.)Bild 41 von 50 1917 berief sich Lenin beim Sturz des russischen Zaren auf die Lehren von Marx, die er zum "Marxismus-Leninismus" ausweitete.Bild 42 von 50 Lenins Ziel war die Errichtung der "Diktatur des Proletariats" zur Befreiung der arbeitenden Klassen von allen ausbeuterischen Verhältnissen. Er gilt als einer der einflussreichsten Marxisten.Bild 43 von 50 Der Umgestaltung der russischen Gesellschaft fielen viele Menschen zum Opfer.Bild 44 von 50 Lenins Nachfolger Stalin rechtfertigte den Mord von Andersdenkenden mit dem Ideal der Freiheit mündiger Arbeiter.Bild 45 von 50 Das entsprach nicht Marx' Ideal, seine Name wurde aber dafür missbraucht.Bild 46 von 50 Auch in China, Vietnam und Lateinamerika kämpften Revolutionäre unter dem Etikett Marx.Bild 47 von 50 In den 1980er Jahren lebte fast die Hälfte der Bevölkerung in Staaten, die sich auf den Marxismus beriefen.Bild 48 von 50 Obwohl der Begriff des Marxismus eigentlich von Marx-Gegnern stammte, die sich 1870 um den russischen Anarchisten Michail Bakunin (Bild) scharten. Und Marx selbst einmal betont hatte: "Ich bin kein Marxist."Bild 49 von 50 Aber mit dem Ende der DDR 1989, dem Fall der Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion, war das Scheitern der kommunistischen Utopie vom irdischen Paradies klar. (Fotos: dpa / AP)Bild 50 von 50