In der Schule war alles noch einfach. Ein Blick ins Zeugnis genügte und die Sache war klar: guter Schüler - schlechter Schüler, oder irgendwas dazwischen.Bild 1 von 34 Im Berufsleben werden die Dinge komplizierter. Denn ob ein Mitarbeiter tatsächlich geschätzt und kompetent war oder ein besserwisserischer Sesselfurzer, verrät das Arbeitszeugnis nur, wenn man genau hinsieht.Bild 2 von 34 Im Arbeitszeugnis kommen selbst die größten Versager ganz gut weg - meinen sie selbst. Dabei sind die unangenehmen Wahrheiten nur hübsch verpackt. Eingeweihte können sie aber schon am Geschenkpapier erkennen. Zum Beispiel bei dieser Formulierung:Bild 3 von 34 Das ist kein Lob, sondern eine glatte Fünf im Schulnotensystem. Doch so direkt können sich die Personaler natürlich nicht ausdrücken. Das gäbe Ärger.Bild 4 von 34 Stattdessen bemühen sie sich darum, die Unfähigkeit eines Mitarbeiters blumig zu umschreiben. Schließlich hat der Arbeitnehmer ein Recht auf ein wohlwollendes Zeugnis.Bild 5 von 34 So wird einem unfähigen Mitarbeiter zumindest bescheinigt, dass er sich angestrengt habe. Dass die Mühe erfolglos war, kann sich der Leser dann schon denken.Bild 6 von 34 Heißt nichts anderes als: er war seinen Aufgaben nicht gewachsen.Bild 7 von 34 Klingt gut, oder?Bild 8 von 34 Aber Begeisterung allein reicht leider nicht. Ein paar Erfolge wären auch nicht schlecht.Bild 9 von 34 ... und zeigte dabei so viel Eigeninitiative ...Bild 10 von 34 ... wie ein Faultier.Bild 11 von 34 ... die leider nichts taugten, sonst wären sie auch umgesetzt worden.Bild 12 von 34 Auch das Hervorheben von Banalitäten ist sehr aussagekräftig.Bild 13 von 34 Toll, dieser Mitarbeiter schafft es pünktlich an seinen Arbeitsplatz! Was wollen Arbeitgeber denn noch erwarten?Bild 14 von 34 Zufriedenheit ist nicht genug, für ein "gut" oder "sehr gut" müsste es die volle bzw. vollste Zufriedenheit sein.Bild 15 von 34 Man sieht: Personaler sind Meister der Nuancen. Es sind die feinen Abstufungen, die entscheiden.Bild 16 von 34 Die Reihenfolge ist verräterisch: Wenn die Kollegen zuerst genannt werden, war das Verhältnis zum Chef offenbar weniger gut.Bild 17 von 34 Wird der Vorgesetzte überhaupt nicht erwähnt, deutet das auf einen sehr schlechten Kontakt hin.Bild 18 von 34 Wenn der Mitarbeiter auch im Kollegenkreis nicht gerade beliebt war, liest sich das in etwa so:Bild 19 von 34 "Umgänglich", das klingt nicht gerade euphorisch. So ist es auch nicht gemeint.Bild 20 von 34 Das klingt doch schon besser, oder?Bild 21 von 34 Bedeutet aber nichts anderes als: der Mann hat Alkoholprobleme!Bild 22 von 34 Und das hier?Bild 23 von 34 Ist die übliche Umschreibung für jemanden, der Sexkontakte am Arbeitsplatz sucht. Wird sogar "umfassendes Einfühlungsvermögen" bescheinigt, heißt das "homosexuell".Bild 24 von 34 Auch die Schlussformel verdient Beachtung - sie ist mehr als reine Höflichkeit.Bild 25 von 34 ... denn bei uns hatte er leider keinen.Bild 26 von 34 Klingt schon besser. Aber nicht richtig gut.Bild 27 von 34 Schließlich lässt man einen kompetenten Arbeitnehmer ungern ziehen. Deshalb gehört auch der Ausdruck des Bedauerns in die Schlussformel.Bild 28 von 34 Besonders einvernehmlich hat sich hier wohl der Arbeitgeber gezeigt, der dem Mitarbeiter die Kündigung nahelegte.Bild 29 von 34 Entscheidend ist nicht nur, was gesagt wird, sondern auch wie es gesagt wird.Bild 30 von 34 Man könnte natürlich auch schreiben: "Er bearbeitete die folgenden Aufgabenbereiche." Durch die passive Ausdrucksweise erscheint der Mitarbeiter nicht gerade als dynamisches Energiebündel.Bild 31 von 34 Manchmal werden Mitarbeiter aber auch versehentlich in schlechtes Licht rückt. Denn wer nur gelegentlich ein Arbeitszeugnis ausstellt, ist mit den Codes möglicherweise selbst nicht sonderlich vertraut.Bild 32 von 34 Zum Glück muss man sich nicht mit einem schlechten Zeugnis abfinden.Bild 33 von 34 Zwar darf der Arbeitgeber die Leistung frei beurteilen. Bei falschen Schwerpunkten, Auslassungen, Stilblüten oder einem unkonventionellen Erscheinungsbild kann der Mitarbeiter aber auf Korrektur bestehen. (Fotos: pixelio, dpa)Bild 34 von 34