Panzer auf dem Wenzelsplatz: Das Ende des Prager Frühlings
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Staunend zunächst, dann voller Enthusiasmus erlebten die Menschen in der CSSR im Frühjahr 1968, wie ein sozialistisches System mit der Einführung eines Mehrparteiensystems, der Aufhebung der Zensur und marktwirtschaftlichen Reformen demokratische Züge annahm.Bild 1 von 32 Doch die Hoffnung von Millionen auf eine bessere Zukunft währte nicht lange. In der Nacht zum 21. August 1968 rückten Truppen des Warschauer Paktes in die CSSR ein und beendeten den "Prager Frühling" gewaltsam.Bild 2 von 32 "Man kann sagen, dass damit endgültig das Nachkriegs-Märchen einer strahlenden sozialistischen Zukunft und eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz begraben wurde", meint etwa der tschechische Senatspräsident Premysl Sobotka, Jahrgang 1944.Bild 3 von 32 Die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung war ein Meilenstein auf dem Weg zum Ende des real existierenden Sozialismus.Bild 4 von 32 Rückblende: Begonnen hatte der Prager Frühling schon im Januar 1968, als der Slowake Alexander Dubcek (mit Walter Ulbricht) zum Nachfolger des unbeliebten Stalinisten Antonin Nowotny an die Spitze der Kommunistischen Partei gewählt wird.Bild 5 von 32 Auf vorsichtige Wirtschaftsreformen folgen bald weitgehende Lockerungen für Medien und Kultur.Bild 6 von 32 Ehemalige politische Häftlinge, Intellektuelle und Regimekritiker trauen sich erstmals, offiziell nicht-kommunistische Organisationen zu gründen - ein Schritt auf dem Weg zur Gründung einer Opposition.Bild 7 von 32 Der "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" lässt in Moskau die Alarmglocken schrillen.Bild 8 von 32 Anfang August 1968 erläutert der sowjetische Parteichef Leonid Breschnew vor den Führern der sozialistischen "Bruderstaaten" in Bratislava seine Doktrin von der "begrenzten Souveränität".Bild 9 von 32 Für die orthodoxen Kommunisten in Prag ist das die Gelegenheit, den Kreml um Hilfe zu bitten. (Sowjetische Soldaten vor dem Prager Rathaus)Bild 10 von 32 Weniger als drei Wochen später rücken 30 sowjetische Divisionen, unterstützt von Einheiten aus Bulgarien, Ungarn und Polen, in der Tschechoslowakei ein.Bild 11 von 32 Und die Militärflugzeuge, Panzer und Soldaten der eigentlich verbündeten Warschauer-Pakt-Staaten erteilen der Vision eines menschlichen Sozialismus in Prag eine brutale Absage.Bild 12 von 32 Die Moldau-Metropole wird besetzt, die Zentrale des staatlichen Rundfunks gestürmt, ?Bild 13 von 32 ? der Flughafen für Zivilmaschinen geschlossen, auf dem zentralen Wenzelsplatz fallen Schüsse.Bild 14 von 32 Für die kommenden zwei Jahrzehnte herrscht in Mittelosteuropa wieder durchgehend ein System Moskauer Prägung.Bild 15 von 32 Die Besatzung sollte mehr als 20 Jahre dauern - bis zur "Samtenen Revolution" von 1989, die schließlich den einstigen Oppositionellen Vaclav Havel (1989 mit Alexander Dubcek) an die Spitze des tschechischen Staates bringt.Bild 16 von 32 Allein bis Ende Dezember 1968 wurden nach Angaben tschechischer Historiker 108 Menschen getötet und rund 500 weitere schwer verletzt.Bild 17 von 32 Aus dem Westen (im Bild US-Präsident Johnson) kommen nur symbolische Protestnoten gegen die gewaltsame Niederschlagung der Reformbestrebungen, zu sehr sind die USA und ihre Verbündeten mit dem Vietnamkrieg und den eigenen Protestbewegungen beschäftigt.Bild 18 von 32 Das Protokoll, das Dubcek eine Woche nach dem sowjetischen Einmarsch als Gefangener in Moskau unterzeichnet, besiegelt das Ende aller Hoffnungen in der Tschechoslowakei. (Prager hören die offizielle Stellungnahme)Bild 19 von 32 "Als Dubcek aus Moskau zurückkam, ging unser Widerstand zu Ende", erinnert sich Havel. "Die Gesellschaft verlor jede Zuversicht."Bild 20 von 32 Manche gingen ins Exil, andere blieben Dissidenten - so wie Havel, der seine Entscheidung mit fünf Jahren Gefängnis bezahlt.Bild 21 von 32 Erst als zwei Jahrzehnte später die Mauer fiel, sei alles anders gewesen, sagt Havel.Bild 22 von 32 "Die Leute wollten keinen 'Sozialismus mit menschlichem Antlitz' mehr. Sie wollten die Freiheit."Bild 23 von 32 Bis heute hält in Tschechien die oppositionelle Kommunistische Partei (KSCM) knapp 15 Prozent der Wählerstimmen. Zu einer uneingeschränkten Verurteilung des Militäreinsatzes konnte sie sich nicht durchringen.Bild 24 von 32 Als die Truppen des Warschauer Paktes in die damalige Tschechoslowakei einmarschieren, reagieren auch in der DDR viele Menschen schockiert. (Sowjetsoldaten entfernen Pro-Dubcek-Plakate in Prag)Bild 25 von 32 Doch weil das SED-Regime alle Demonstrationen gegen den Einmarsch im Keim erstickte, waren schließlich bald auch alle Hoffnungen auf Lockerungen in der DDR zerstört.Bild 26 von 32 Die Liberalisierungen in der CSSR seit dem Frühjahr 1968 waren dem SED-Regime von Anfang an ein Dorn im Auge.Bild 27 von 32 Mit Argwohn registriert die DDR-Staatssicherheit, dass sich die eigene Bevölkerung in zunehmendem Maße für die Vorgänge in der benachbarten CSSR interessiert.Bild 28 von 32 Als im August 1968 im Grenzgebiet der DDR die zumeist sowjetischen Panzer auffahren, überqueren dabei zwar keine Fahrzeuge der Nationalen Volksarmee die Grenze zur Tschechoslowakei.Bild 29 von 32 Doch eine mögliche Beteiligung der DDR-Streitkräfte war nach Überzeugung von Historikern fest in die Planung der sowjetischen Militärs verankert.Bild 30 von 32 DDR-Staatschef Walter Ulbricht ist erleichtert, die "drohende Konterrevolution" abgewendet.Bild 31 von 32 So zerplatzten mit der Niederschlagung des Prager Frühlings und den Reaktionen der DDR-Behörden nicht nur die Hoffnungen der Regimegegner, sondern auch die von SED-Mitgliedern auf Lockerungen innerhalb des bestehenden Systems.Bild 32 von 32
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