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Montag, 13. April 2015

Vater des Zwergen aus Danzig: Der Jahrhundertautor Günter Grass

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Er war einer der wortgewaltigsten deutschen Schriftsteller und einer, der immer mitmischte: ... (Foto: dpa)

Er war einer der wortgewaltigsten deutschen Schriftsteller und einer, der immer mitmischte: ...

Er war einer der wortgewaltigsten deutschen Schriftsteller und einer, der immer mitmischte: ...

... Günter Grass.

Nun ist er im Alter von 87 Jahren in Lübeck gestorben.

Der Literaturnobelpreisträger von 1999 erlag einer Infektion.

Geboren wurden Grass am 16. Oktober 1927 in Danzig, einer Stadt, der er auch in seinen Werken mit der Danziger Trilogie ein Denkmal setzte.

Zu dieser gehören neben "Katz und Maus" (1961) und dem Roman "Hundejahre" (1963) auch sein erster, 1959 erschienener Roman "Die Blechtrommel". Dieser wird schnell ein Welterfolg.

Die Geschichte des aus Danzig stammenden Zwerges Oskar Matzerath, der sich mit drei Jahren weigert zu wachsen, gehört zu den wichtigsten Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur und gilt als Jahrhundertwerk.

Das Nobelpreis-Komitee nannte das Buch die "Wiedergeburt des deutschen Romans im 20. Jahrhundert".

Das Erscheinen des Bildungs- und Schelmenromans rief in der Bundesrepublik manche Sittenwächter auf den Plan, die sich an den teils deftigen erotischen Szenen störten.

Seit den "Buddenbrooks" von Thomas Mann habe kein Erstling einen derartigen Aufruhr verursacht, so das Nobelpreiskomitee.

Die Verfilmung des deutschen Regisseurs Volker Schlöndorff wurde 1980 mit dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet.

Mit der "Blechtrommel" begeistert Grass 1958 bereits die später legendäre Schriftstellergruppe 47. Er trägt aus seinem fast fertigen Roman vor, gewinnt den Preis von damals gewaltigen 4500 Mark.

Seinen frühen Erfolg als Schriftsteller (hier mit Siegfried Lenz und Fritz Raddatz, v.l.) nach dem Zweiten Weltkrieg empfand der Sohn sogenannter kleiner Leute selbst als märchenhaft.

Weitere wichtige Werke neben der Danziger Trilogie sind "Aus dem Tagebuch einer Schnecke", die Romane "Der Butt" (1977) und "Die Rättin" (1986), das skandalumrankte Buch "Ein weites Feld" (1995) sowie die Novelle "Im Krebsgang" (2002).

Fast ein halbes Jahrhundert nach der "Danziger Trilogie" begann Grass seine "Erinnerung der Trilogie" mit drei autobiografischen Werken. Der erste Band "Beim Häuten der Zwiebel" sorgte 2006 für manchen Aufschrei.

Überraschend machte Grass öffentlich, dass er als 17-Jähriger am Ende des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS war.

Es folgten viel Häme und Kritik. Dem Autor wurde vorgeworfen, seine SS-Zugehörigkeit zu lange verschwiegen zu haben, während er andere immer wieder wegen ihrer NS-Vergangenheit öffentlich heftig kritisiert habe.

Schließlich nahm Grass selten ein Blatt vor den Mund und engagierte sich schon in den 60er-Jahren als Gesellschaftskritiker.

Ebenfalls seit den 1960er-Jahren warb er in Wahlkämpfen für die SPD.

Reformen in kleinen Schritten, nicht der vermeintlich große Wurf einer Ideologie, so lautete Grass' politische Überzeugung. Willy Brandt, den damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, unterstützte er seit Anfang der 1960er-Jahre.

Aus Protest gegen deren Asylpolitik trat er 1992 zwar aus der SPD aus, blieb ihr aber bis zuletzt verbunden.

Früh setzte er sich auch für eine deutsch-polnische Verständigung und für den Verzicht auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete ein.

Immer wieder löste er heftige Kontroversen aus, zuletzt 2012 wegen eines Israel-kritischen Gedichts. Israel erklärte Grass daraufhin zur Persona non grata und verhängte ein Einreiseverbot gegen ihn.

Doch Grass war viel mehr als nur ein Schriftsteller und Gesellschaftskritiker.

Schon mit zwölf Jahren wollte er Künstler werden, es habe wohl in den Genen gelegen, sagte er einmal.

Und so studierte er zunächst in Düsseldorf und Berlin an den Kunsthochschulen und arbeitete zeitlebens auch als Bildhauer, Zeichner und Maler.

Hinter den oft donnergrollenden Rollen des öffentlichen Polit- und Literaturtheaters ist der Mensch Grass kaum wahrgenommen worden.

Er, der von sich selbst sagte, einen Mutterkomplex zu haben. (Im Bild mit seiner US-Verlegerin Helen Wolff)

Der es Frauen nicht immer leicht gemacht hat.

Von drei Partnerinnen hatte Grass insgesamt sechs Kinder. (Im Bild mit seiner Tochter Helene im Ballsaal in Stockholm)

Seine zweite Frau Ute Grunert brachte selber zwei Kinder in die Familie mit, 1979 wurde geheiratet.

Zum Tode des Jahrhundertautors veröffentlichte das Günter-Grass-Haus auf seiner Homepage dessen Gedicht "Wegzehrung": ...

... "Mit einem Sack Nüsse will ich begraben sein und mit neuesten Zähnen. ...

... Wenn es dann kracht, wo ich liege, kann vermutet werden: Er ist das, immer noch er."

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