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Mittwoch, 07. November 2018

Attraktivität als Ballast: Joni Mitchell - die schöne Stimme der Hippiebewegung

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Joni Mitchell gilt als wichtigste Songwriterin der "Generation Woodstock", ... (Foto: imago/ZUMA Press)

Joni Mitchell gilt als wichtigste Songwriterin der "Generation Woodstock", ...

Joni Mitchell gilt als wichtigste Songwriterin der "Generation Woodstock", ...

... als schöne Stimme der Hippiebewegung. Doch beim berühmten Festival ...

... "Woodstock Music & Art Fair - 3 Days of Peace & Music" im August 1969 fehlte ausgerechnet sie. Weil ihr Manager sie für eine angeblich wichtigere TV-Show angemeldet hatte, ...

... sah die damals 25-jährige Musikerin nur Fernsehbilder von dem historischen Massen-Ereignis. Was Mitchell aber nicht hinderte, wenige Tage später mit "Woodstock" ...

... einen Schlüsselsong der zu Ende gehenden Sixties zu schreiben - ein Klassiker, dem noch einige folgen sollten. Mit tiefgründigen Liedern wie "Big Yellow Taxi", "A Case Of You" oder "River" ...

... schrieb sich die Kanadierin in die Folk- und Pop-Annalen ein. Am 7. November 2018 wird Mitchell 75 Jahre alt.

Ihr Einfluss auf andere wichtige Musiker - vom Landsmann Neil Young (Bild: 1978 mit ihm in "The Last Waltz") ...

... über den Jazz-Pianisten Herbie Hancock (hier beide 2008) ...

... und die Sängerin Norah Jones ...

... bis hin zu Prince, der Mitchell häufig als großes Vorbild nannte - ist kaum hoch genug einzuschätzen.

Alben wie "Ladies Of The Canyon" (1970), "Blue" (1971) oder "Court And Spark" (1974) definierten das damals noch junge Singer-Songwriter-Genre neu.

Später experimentierte Mitchell mit Jazz (vor allem auf "Hejira" von 1976 und "Mingus" von 1979), in den 80er-Jahren ließ sie Rock- und Elektronik-Elemente in ihren Sound einfließen. (Bild von 1980)

Danach wurden ihre Veröffentlichungen seltener. Oft kehrte sie zu frühen Songs zurück - zuletzt mit prächtigen Orchester-Versionen auf "Both Sides Now" (2000) und "Travelogue" (2002), ...

... als ihr einst glockenheller Sopran zu einem wunderbar rauchigen Alt gereift war.

"Ich bin eine Malerin, die Lieder schreibt. Meine Songs sind sehr visuell", sagte die mehrfache Grammy-Gewinnerin über ihre Kompositionen.

Tatsächlich war Mitchell auch als Malerin sehr talentiert, viele Albumcover auf Basis eigener Ölbilder belegen das. (Graffito in Genf, 1985)

Für ihre Virtuosität an der Gitarre musste sie indes hart trainieren und eine besondere Technik entwickeln, nachdem sie im Kindesalter durch eine Polio-Epidemie in Kanada eine Lähmung der linken Hand erlitten hatte.

Mitchells kluge Lieder brachten in den 60ern und 70ern eine selbstbewusste Weiblichkeit in die nordamerikanische Männer-mit-Gitarre-Gesellschaft um Neil Young (l.), ...

... Bob Dylan, James Taylor, David Crosby, Leonard Cohen, Graham Nash und Jackson Browne. (Bild: Mitchell 1975 mit Roger McGuinn, Richie Havens, Joan Baez und Bob Dylan)

Mit einigen dieser Kollegen hatte die am 7. November 1943 als Roberta Joan Anderson in Fort Macleod/Alberta geborene Sängerin intensive Liebesbeziehungen - ...

... ohne sich jemals zum Rockstar-Anhängsel degradieren zu lassen. (Bild: 1979 mit Jackson Browne und Graham Nash)

Rückblickend gab sich Mitchell in einem ihrer wenigen Interviews der vergangenen Jahre als stets selbstbestimmte Künstlerin: "Es ist eine Männerwelt. ...

... Männer haben die meisten Lieder für Frauen geschrieben und meist ging es nur um Verführung. Ich habe meine eigenen Lieder geschrieben. Basta!" (Bild: 1995 bei den Billboard Awards)

Mit dem Feminismus ihrer Generation konnte sie indes ebenso wenig anfangen ...

... wie mit der Körperlichkeit jüngerer weiblicher Popstars wie Madonna oder Beyoncé. Ihre Schönheit empfand die in Los Angeles lebende Mitchell zeitweise als schweren Ballast: ...

... "Du bist besser dran, wenn du durchschnittlich aussiehst. Du hast eine größere Chance, wahre Liebe zu finden."

Ihr Privatleben verlief tatsächlich oft chaotisch. Ein 1965 geborenes Baby gab sie zur Adoption frei. Sie fand die Tochter 1997 wieder und zerstritt sich wenige Jahre später mit ihr. In den 60ern war sie mit dem Sänger Chuck Mitchell verheiratet, der an ihr Talent bei Weitem nicht heranreichte ...

... und sie schlecht behandelte. Eine spätere Ehe mit dem Bassisten und Produzenten Larry Klein dauerte zwölf Jahre. (im Bild: 1996 mit Klein und ihrem Grammy für "Turbulent Indigo", Best Pop Album).

1997 wurde ihr eine besondere Musiker-Ehre zuteil: Sie wurde in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Immer wieder zurückgeworfen durch Gesundheitsprobleme bis hin zu einem Schlaganfall, zog sich Mitchell seit ihrem vermutlich letzten Studioalbum "Shine" (2007) weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Es klang gallig, wenn sie Zeitgenossen herunterputzte. (Bild: 1999 mit Stevie Wonder, bei den "American Society of Composers, Authors and Publishers Pop Music Awards")

So sei Bob Dylan "musikalisch nicht besonders begabt", sagte sie. "Er hat seine Stimme von alten Hillbillys geklaut. Er hat überhaupt viel geklaut. Er ist kein guter Gitarrist. Aber ich mag einige seiner Songs."

Und John Lennon war für sie nur "ein Arbeiterklassen-Bursche", der Furcht vor Leuten aus der Mittelklasse gehabt habe.

"In den letzten Jahren hat sie es einem nicht leicht gemacht, sie zu lieben", schrieb einer ihrer deutschen Fans, Jochen Distelmeyer von der Band Blumfeld, im "Rolling Stone". "Zu viel Verbitterung und selbstgerechte Strenge sprachen aus den Worten ihrer letzten Interviews." Auch deswegen wünschte der Hamburger Songwriter ...

... der kanadischen Kollegin kurz vor ihrem 75. Geburtstag alles Gute: "Ich hoffe, sie findet ihren Frieden auch in sich und kann ihn noch viele Jahre genießen."

In der "Zeit" äußerte sich auch Judith Holofernes als hoffnungsvoller Mitchell-Fan: "Je länger ich Jonis Platten höre, umso mehr liebe ich sie", bekannte die Wir-sind-Helden-Sängerin und fügte mit Blick auf die zuletzt so schwierigen Jahre hinzu: "Meine Liebe ist ungebrochen und mein Wunschdenken sagt mir, dass Joni launemäßig die Kurve kriegt."

Mitchell hat also auch unter Kolleginnen und Kollegen immer noch viele Fans (hier zeigt ihr im April 2000 Cyndi Lauper ihre Verehrung) - zum 75. Geburtstag am 7. November gibt es also garantiert reichlich Glückwünsche. (abe/dpa)

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