Die Gunst des Augenblicks: Piëch und der Porsche-Poker
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Es schlägt die Stunde des Ferdinand Piëch. In einem Machtpoker großen Stils entscheidet sich nicht weniger als Einfluss und Verflechtung der deutschen Autoriesen Porsche und Volkswagen - und der Traum des Porsche-Erben von einem mächtigen Autoimperium.Bild 1 von 47 In der Krise wittert Piëch seine Chance: Die Porsche-Banken wollen die milliardenschwere Übernahme von Volkswagen durch den Sportwagenbauer offenbar nicht wie bisher finanzieren - der ganze Deal droht zur finanziellen Geisterfahrt für Porsche zu werden.Bild 2 von 47 Porsche sitzt auf neun Milliarden Euro Miesen, ein drohendes Scheitern von Kreditverlängerungen konnte erst in letzter Minute und mit politischer Schützenhilfe verhindert werden. 3,3 Milliarden werden im kommenden Jahr fällig.Bild 3 von 47 Hinzu kommen große finanzielle Risiken aus Optionsgeschäften mit Aktien von Volkswagen. Die Wolfsburger hingegen sitzen auf gut gefüllten Kassen. Der Autokonzern verfügt über liquide Mittel von 10,7 Milliarden Euro.Bild 4 von 47 Der VW-Chefaufseher Piëch will deshalb Medienberichten zufolge die Sportwagensparte von Porsche an Volkswagen verkaufen - sicherlich nicht gegen das Interesse von VW-Chef Winterkorn.Bild 5 von 47 Porsche wäre damit zwar auf einen Schlag schuldenfrei, doch die Macht über den Sportwagenbauer läge damit künftig in Wolfsburg.Bild 6 von 47 Unklar ist bislang, ob VW-Großaktionär Niedersachsen bei dieser Rochade mitziehen würde.Bild 7 von 47 Wichtigster Gegenspieler Piëchs ist sein Cousin Wolfgang Porsche (r.), Enkel des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche und Sprecher des Porsche-Familienzweigs.Bild 8 von 47 Der erteilte einer Übernahme von Porsche durch VW umgehend eine klare Absage. Eigentlich wäre der Fall damit erledigt, denn die Porsche-Familie hält mit 53 Prozent knapp die Mehrheit an der Porsche-Holding - doch so einfach ist es nicht.Bild 9 von 47 Ein Nein der Porsche-Familie zu einer Übernahme durch Volkswagen verhindert zwar eine schnelle Machtverschiebung, doch können die Zuffenhausener dann nicht die Hände in den Schoß legen.Bild 10 von 47 Solange die Milliardenschulden von Porsche nicht längerfristig finanziert sind, droht der Gruppe bei jedem Fälligkeitstermin von Krediten der Absprung weiterer Gläubiger.Bild 11 von 47 Hinzu kommen drohende Verluste aus den Spekulationen mit Volkswagen-Aktien. Droht die Nachfrage nach den Aktien der Wolfsburger abzubrechen, drückt das auf deren Aktienkurs - und senkt den Wert der VW-Optionen in Porsches Portfolio.Bild 12 von 47 Das Alternativkonzept von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking heißt: Fusion mit VW und gemeinsame Kapitalerhöhung - und die schmeckt üblicherweise keinem Aktionär. Entweder schießt man frisches Geld nach oder der eigene Gewinnanteil sinkt - so oder so kostet es.Bild 13 von 47 Heikel ist dies darüber hinaus auch deshalb, weil die erfolgsverwöhnten Porsche-Eigner wohl vorerst mit geringeren Erträgen zufrieden sein müssen - Absatzflaute sei Dank. Auch ein erneuter hoher Spekulationsgewinn dürfte kaum erreichbar sein.Bild 14 von 47 Genug Gründe also, um Porsche-Chef Wiedeking unter Druck zu setzen. Sollte Piëch sich mit seinen Plänen durchsetzen, droht dem Manager samt Finanzchef Härter der finale Handschlag.Bild 15 von 47 Zudem würde sich für Piëch ein Traum erfüllen - ein Autoimperium, das den Erfolg des legendären Ferdinand Porsche in den Schatten stellen würde.Bild 16 von 47 Nun muss der erweiterte Familienkreis der Porsches und Piëchs über die Zukunft des Sportwagenbauers entscheiden. Porsche-Chef Wiedeking muss dem Vernehmen nach draußen bleiben.Bild 17 von 47 Mit dem Aus für die VW-Übernahme durch Porsche wäre gleichsam auch eine spannende Geschichte des Kampfes von David gegen Goliath geplatzt - denn ursprünglich schien das Glück auf Porsches Seite.Bild 18 von 47 25. September 2005: Porsche gibt Pläne für einen Einstieg bei Volkswagen mit rund 20 Prozent bekannt.Bild 19 von 47 Der Schritt löst Diskussionen um VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch aus, da Porsche von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird.Bild 20 von 47 20. Januar 2006: Zwischen dem Land Niedersachsen - dem ehemals größten VW-Aktionär mit heute knapp über 20 Prozent - und der Piëch-Seite kommt es zu einem Kompromiss. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kann in den VW-Aufsichtsrat einziehen.Bild 21 von 47 24. März 2007: Porsche stockt seinen Anteil an VW auf knapp 31 Prozent auf. Der Sportwagenbauer plane aber keine Komplettübernahme, heißt es.Bild 22 von 47 26. Juni 2007: Der Sportwagenhersteller bündelt die Porsche AG und die knapp 31 Prozent schwere Beteiligung am VW-Konzern in der Europäischen Aktiengesellschaft Porsche Automobil Holding SE.Bild 23 von 47 17. September 2007: Der VW-Betriebsrat reicht beim Arbeitsgericht Stuttgart Klage gegen Porsche ein. Die Mitbestimmungsvereinbarung der neuen Porsche Holding gehe zulasten der VW-Belegschaft.Bild 24 von 47 3. März 2008: Der Porsche-Aufsichtsrat gibt grünes Licht für die Aufstockung der VW-Anteile auf über 50 Prozent für knapp zehn Milliarden Euro.Bild 25 von 47 24. April: Auf der VW-Hauptversammlung gibt es im Streit zwischen den beiden Großaktionären Porsche und Niedersachsen keine Einigung.Bild 26 von 47 Nach dem Willen von Porsche soll die für wichtige Entscheidungen auf der Hauptversammlung nötige qualifizierte Mehrheit von 80 Prozent auf 75 Prozent gesenkt werden. Dies richtet sich vor allem gegen das Land Niedersachsen.Bild 27 von 47 29. April: Im Machtkampf mit dem VW-Betriebsrat erringt Porsche vor Gericht einen Sieg. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh scheitert mit dem Antrag, die Mitbestimmungsvereinbarung der Porsche Holding zu kippen.Bild 28 von 47 22. Mai: Die Bundesregierung einigt sich über die Neufassung des VW- Gesetzes und will zunächst an der starken Stellung des Landes Niedersachsen festhalten.Bild 29 von 47 5. Juni: Der Streit um das VW-Gesetz eskaliert: Die EU-Kommission leitet ein neues Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland ein.Bild 30 von 47 27. August: IG Metall-Chef Berthold Huber sagt einen für September geplanten "Friedensgipfel" zwischen Porsche und VW im Mitbestimmungsstreit ab. Er sieht keine Chance auf eine Einigung.Bild 31 von 47 9. September: Die EU-Kommission kündigt an, die Bundesregierung erneut vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen der Sonderrechte bei VW verklagen zu wollen.Bild 32 von 47 12. September: Der Kampf um die Macht bei Volkswagen spitzt sich mit einem massiven Eklat im VW-Aufsichtsrat dramatisch zu. Im Kontrollgremium der Wolfsburger kommt es zum großen Knall zwischen den Eigentümer-Clans.Bild 33 von 47 Piëch, der selbst Miteigentümer von Porsche ist, fällt dem Sportwagenbauer in den Rücken. Er lässt den Antrag der Arbeitnehmerseite passieren, wonach Geschäfte zwischen Porsche und Audi nur mit Zustimmung des VW-Aufsichtsrates möglich sein sollen.Bild 34 von 47 16. September: Der Sportwagenbauer Porsche übernimmt die Kontrolle bei VW. Die Stuttgarter stocken ihren Anteil auf 35,14 Prozent auf.Bild 35 von 47 24. Oktober: Nach einem "Friedensgipfel" der Familien Porsche und Piëch in Salzburg tritt Porsche bei der VW-Mehrheitsübernahme aufs Gas. Beide Familien wollen nun an einem Strang ziehen.Bild 36 von 47 26. Oktober: Wiedeking verkündet, den Anteil an VW auf 75 Prozent ausbauen zu wollen. Porsche hat seinen Anteil an VW auf 42,6 Prozent aufgestockt und hält weitere 31,5 Prozent in Form von Optionen.Bild 37 von 47 Die Nachricht löst einen Kursanstieg der VW-Aktie bis auf über 1000 Euro aus, weil sich sogenannte Leerverkäufer mit geliehenen Aktien verspekuliert haben.Bild 38 von 47 29. Oktober: Porsche stoppt den wilden Höhenflug der VW-Aktie. Nachdem der Sportwagenhersteller einige Optionen auf Papiere von Europas größtem Autobauer verkauft, fällt der Kurs deutlich.Bild 39 von 47 13. November: Der Bundestag verabschiedet die umstrittene Neufassung des VW-Gesetzes mit großer Mehrheit.Bild 40 von 47 26. November: Wiedeking kündigt an, der Sportwagenbauer werde seine Mehrheit an VW voraussichtlich doch nicht mehr 2008 auf über 50 Prozent erhöhen. Grund ist der weiterhin hohe Kurs der VW-Aktie.Bild 41 von 47 15. Dezember: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh übernimmt den Vorsitz im Betriebsrat der Porsche-Holding. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück wird sein Stellvertreter.Bild 42 von 47 5. Januar 2009: Porsche hat sich die Mehrheit an VW gesichert. Die Beteiligung ist auf 50,76 Prozent der Stammaktien gestiegen. Durch die Mehrheit am VW-Konzern hat Porsche zugleich die mittelbare Kontrolle am schwedischen Nutzfahrzeugbauer Scania erlangt.Bild 43 von 47 25. März 2009: In letzter Minute erhält Porsche neue Kredite über zehn Mrd. Euro, um damit fällige Verbindlichkeiten in gleicher Höhe zu tilgen. Um sich den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern, will Porsche seine Bonität erstmals von Ratingagenturen prüfen lassen.Bild 44 von 47 8. April: Die Kreditgeber erhöhen den Druck. Um einen Zehn-Mrd-Euro-Kredit für die Aufstockung der Beteiligung an VW zu verlängern, verlangen die Banken offenbar VW-Aktien als Sicherheit. Zudem versucht Porsche, den Kreditrahmen um 2,5 Mrd Euro auszuweiten.Bild 45 von 47 22. April: Die Eigentümerfamilien Porsche und Piech können die VW-Übernahme laut einem Pressebericht nicht mehr alleine stemmen. Gerüchte über eine Ablösung von Porsche-Chef Wiedeking machen die Runde.Bild 46 von 47 Anfang Mai: Porsche-Chef Wiedeking schlägt eine Fusion von Porsche und VW vor. VW-Chefaufseher Piech favorisiert die Übernahme von Porsche durch VW. (Alle Bilder: AP, dpa, rts)Bild 47 von 47
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