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Mittwoch, 27. August 2014

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs: Als der erste Düsenflieger abhob

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Heute sind Jets der Standard im Luftverkehr. Ob die Boeing 747 oder ... (Foto: imago stock&people)

Heute sind Jets der Standard im Luftverkehr. Ob die Boeing 747 oder ...

Heute sind Jets der Standard im Luftverkehr. Ob die Boeing 747 oder ...

... der Airbus A380: Sie setzen auf ...

... Strahltriebwerke.

75 Jahre ist es her, dass das erste Düsenflugzeug der Welt vom Boden abhob. Das Modell: eine Heinkel He 178, siebeneinhalb Meter lang, zwei Tonnen schwer. Ort des Geschehens: eine Beton-Startbahn in Rostock-Marienehe.

Die Zeit: 4 Uhr morgens an einem Sonntag, dem 27. August 1939. Am Steuer der He 178 sitzt Testpilot Erich Warsitz.

"Bammel hatte ich schon, das muss ich zugeben", erzählte Warsitz später seinem Sohn (hier ein Bild aus dem Jahr 1982, das ihn im Alter von 75 Jahren zeigt).

Aber das Experiment gelingt: Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 600 Kilometern in der Stunde rast der Pilot durch die Luft. Nach acht Minuten landet er sicher. Diese acht Minuten sollen den Luftverkehr nachhaltig verändern. Das Düsenzeitalter war angebrochen.

Mit von der Partie: Hans Pabst von Ohain. Er schaute dem Jungfernflug gebannt zu. Schließlich war er es, der die 378 Kilogramm schwere Strahlturbine entwickelt hatte.

Zum Gesicht der Konstruktion aber wird ein anderer: Ernst Heinkel, damals 51 Jahre alt. In seinem Werk war die He 178 gebaut worden. Heinkel, einst selbst Pilot, hatte sich dem Flugzeugbau verschrieben und 1922 in Warnemünde sein eigenes Unternehmen gegründet. 1935 folgte ein anderes Werk in Marienehe, später kommen weitere Fertigungsstätten hinzu.

"Eine neue fliegerische Welt hat begonnen", jubiliert Heinkel nach der glücklichen Landung der He 178.

Fünf Tage später beginnt der Zweite Weltkrieg.

Die Heinkel-Werke, von denen heute nur noch Ruinen existieren, florierten zu dieser Zeit. Sie zählten rund 16.000 Mitarbeiter. Zu Heinkels besten Kunden gehörten ...

... die Nationalsozialisten. Seit Mitte der 1930er-Jahre bestand ein Großteil der Luftwaffe aus Heinkel-Maschinen. Hier im Bild eine Heinkel He 111. Sie war ursprünglich als Verkehrsflugzeug für bis zu zehn Passagiere entwickelt worden. Im Krieg ...

... wurde sie dann vor allem als Bomber eingesetzt.

Da die Luftwaffe mit Heinkel-Propeller-Maschinen (hier das Jagdflugzeug He 100) erfolgreich war, ...

... zeigte sie am Düsenflugzeug He 178 wenig Interesse. Der Spritverbrauch war zu hoch. Außerdem konnte das Flugzeug nicht lange in der Luft bleiben. Dennoch ...

... blieben die Bande zwischen Heinkel und dem Unrechtsregime der Nazis eng, sagt der Historiker Lutz Budraß von der Ruhr-Universität Bochum.

Budraß zufolge war Heinkel "der größte industrielle Profiteur von Arbeitern aus den Konzentrationslagern." Bis zu 10.000 KZ-Häftlinge gleichzeitig mussten für Heinkel arbeiten.

Noch 1998 fand man bei Kiesbauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Heinkel-Werke in Germendorf die Überreste von 32 Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen.

Kampfflugzeuge produzierten die Heinkel-Werke in Serie.

"Heinkels Flugzeuge verbreiteten Angst und Schrecken unter der Zivilbevölkerung", sagt Michael Techritz, Vorsitzender des Förderkreises Luft- und Raumfahrt Mecklenburg-Vorpommern.

Mit der Befreiung Deutschlands durch die Alliierten wurde Heinkels Flugzeugwerk zerschlagen.

Heinkel selbst - hier mit General Udet - wurde verhaftet und 1948 als Mitläufer eingestuft. Im Berufungsverfahren erklärte ihn die Spruchkammer jedoch zum "Entlasteten". Das Urteil bescheinigte, dass er ein Mann mit demokratischen und sozialen Anschauungen sei. Fragwürdig ist das, sagt Historiker Budraß heute. "Die Behörden wollten sich in dem Verfahren den Unternehmer sichern, der Hunderte Arbeitsplätze versprach."

Heinkel erhielt einen kleinen Teil seines Imperiums, die Motorenwerke in Stuttgart-Zuffenhausen, zurück. Im geringeren Umfang als zuvor setzte er seine Arbeit bis zu seinem Tod 1958 fort.

Die He 178 startete - probeweise - nur zwölf Mal. Dann wurden die Flugversuche eingestellt. Sie blieb in der Rostocker Flughalle, wo sie bei einem Bombenangriff zerstört wurde.

Wer sie sehen will, hat aber dennoch eine Chance: Im Flughafen Rostock-Laage hängt ein Nachbau von der Maschine - dem ersten Düsenflugzeug der Welt. (asc/dpa)

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