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Freitag, 14. September 2012

Naturwunder Deutschlands zur Wahl: Die schönsten "Fenster zur Erdgeschichte"

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Erst waren es Naturphänomene aus Urlaubsregionen (dabei gewann das Wattenmeer), ...

Erst waren es Naturphänomene aus Urlaubsregionen (dabei gewann das Wattenmeer), ...

Erst waren es Naturphänomene aus Urlaubsregionen (dabei gewann das Wattenmeer), ...

... dann Waldgebiete (Sieger war hier der Nationalpark Harz), ...

... dann Gewässer. Sieger bei der Suche nach der schönsten Wasserlandschaft wurde im Jahr 2011 erneut der Vorjahressieger Nationalpark Harz (Bild: Fluss Ilse im Ilsetal bei Ilsenburg).

Zum vierten Mal bereits startete die Heinz Sielmann Stiftung (HSS) im Sommer 2012 per Internet eine Wahl zum beliebtesten Naturwunder der Deutschen.

Zur Abstimmung standen diesmal 30 Naturlandschaften. Im Jahr 2012 ging es um ...

... "Geotope - Fenster zur Erdgeschichte", um die Zeugnisse der erdgeschichtlichen Dramen, die sich in Milliarden Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands abgespielt haben. Welches ist das beliebteste Geotop-Naturwunder? Wir stellen die Landschafts-Kandidaten vor:

1. Karstlandschaft Blaubeurer Alb mit Sontheimer Höhle und Blautopf: Im Bereich der Blaubeurer Alb und des benachbarten Urdonautals findet man eindrucksvolle Karstformen wie Höhlen, Karstfelsen und Dolinen (Karsttrichter) sowie große Karstquellen, wie den berühmten Blautopf. Dem Blautopf entspringt die Blau. Die blaue Färbung entsteht durch die Lichtstreuung im stark kalkhaltigen Quellwasser.

2. Vulkanruine Kaiserstuhl im Oberrheingraben: Der Kaiserstuhl ist ein kleines Vulkangebirge in der südlichen Oberrheinebene. Hier kann man einen Blick in das Innere des Vulkans werfen. Die weltweit seltenen Karbonatite - an Calcium und Karbonat reiches erstarrtes Magma - kommen hier vor.

3. Wutachschlucht: Vor ca. 20.000 Jahren bedeckten gigantische Gletscher den südlichen Schwarzwald. Nach deren Abschmelzen zapfte ein kleiner Nebenfluss des Hochrheins die obere Donau an und grub eine bis 180 Meter tiefe Schlucht in den harten Fels. So entstand ein reizvolles Wandergebiet durch ein "offenes Buch der Erdgeschichte".

4: Altmühltal mit Solnhofener Plattenkalken und Weltenburger Enge: Viele Felsen aus Jurakalk säumen das Altmühltal. Die Solnhofener Plattenkalke sind eine der bedeutendsten Fossillagerstätten der Welt. Unter anderem wurden hier Fossilien des Urvogels Archäopteryx gefunden. Landschaftlich ...

... besonders reizvoll ist hier die Weltenburger Enge, auch Donaudurchbruch genannt.

5. Basaltkegel "Parkstein": Der Parkstein ist ein ehemaliger Vulkanschlot mit spektakulären gebogenen Basaltsäulen. Der große deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt nannte den Parkstein den "schönsten Basaltkegel Europas".

6: Fränkische Schweiz mit Pottenstein und Teufelshöhle, hier der Ort Tüchersfeld: Die Fränkische Schweiz ist eine typische Karstlandschaft mit bizarren Felsformationen, Karstquellen und Höhlen. Eine eindrucksvolle Felsburg aus Resten eines Riffes des tropischen Jura-Meeres thront über Tüchersfeld.

7. Eiszeitlicher Muskauer Faltenbogen: Während der Elster-Eiszeit vor 360.000 Jahren wurden die Gesteinsschichten durch den Muskauer Gletscher gestaucht und gefaltet. Ein Höhenzug mit mehr als 300 Seen macht heute in der waldreichen Landschaft seine hufeisenförmige Gestalt sichtbar.

8. Findling Kleiner Markgrafenstein bei Fürstenwalde/Spree: Er hat ein Volumen von 180 Kubikmetern und ist damit der größte Findling in Norddeutschland. Der Kleine Markgrafenstein besteht aus Karlskamm-Granit und wurde während der Saale-Eiszeit vor etwa 150.000 Jahren von Gletschern aus Südschweden nach Brandenburg transportiert. In der Nähe liegen die Reste des Großen Markgrafensteines, ...

... aus dem die weltweit größte Naturstein-Schale hergestellt wurde. Sie steht vor dem Alten Museum im Lustgarten in Berlin.

9. Grube Messel bei Darmstadt: Das UNESCO-Weltnaturerbe Grube Messel ist ein ehemaliger Ölschiefer-Tagebau und eine einzigartige Fossilienfundstätte von Weltrang. Vor 350 Millionen Jahren, ...

... als die Säugetiere die Erde eroberten, entstand die Grube Messel als sogenanntes Maar vulkanischen Ursprungs. Die hier gefundenen Fossilien, wie das Urpferdchen im Bild, sind weltweit bekannt.

10. Blockhalden am Schafstein in der Rhön: Am Hang der Schafsteinkuppe in der Rhön, bestehend aus Olivinbasalten, liegt ein ausgedehntes Blockmeer. Es ist ein Zeugnis der Verwitterung und Umlagerung während der Kaltzeiten im Quartär.

11. Kreideküste von Jasmund auf Rügen: Das aktive Kliff an der Ostküste Jasmunds ist mit 8 Kilometern eines der längsten und mit maximal 118 Metern das höchste Steilufer in Deutschland. Aus der Rügener Kreide ...

... sind etwa 1400 verschiedene fossile Organismen bekannt. Nach großen Kreideabbrüchen machen sich hier gern Fossiliensammler auf die Suche.

12. Feldberger Seenlandschaft: Sie entstand während der Weichsel-Kaltzeit vor 15.000 Jahren durch den Pommerschen Eisvorstoß. In dem rund 56 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Mecklenburgischer Seenplatte und den uckermärkischen Seen ...

... sind sämtliche Formen gletschergeformter Landschaften geradezu lehrbuchtauglich erhalten. Der Naturpark Feldberger Seenlandschaft wird nicht nur durch die namensgebenden unzähligen Seen, sondern auch durch Wälder geprägt - unter anderem findet man hier den ältesten Buchenwald Deutschlands, die "Heiligen Hallen".

13. Zechstein-Karstlandschaft Südharz: Die über 100 Kilometer lange Karstlandschaft am Südharz ist in den etwa 260 Millionen Jahre alten Gesteinen der Zechsteinzeit durch die Kraft des Wassers entstanden. Höhepunkte sind die Rhumequelle - eine der größten Karstquellen Mitteleuropas - ...

... und die Einhornhöhle, berühmt für Funde von Eiszeitfauna und Artefakten bis in die Zeit der Neandertaler.

14. Naturdenkmal Dinosaurierfährten in den Rehburger Bergen: In Steinbrüchen in den Rehburger Bergen wurden in den Schichten der Unterkreide viele Dinosaurierspuren gefunden, so wie die Iguanodon-Fährten im Bild.

Die Dinosaurierfährten in Münchehagen sind wegen ihrer hohen Anzahl und guten Erhaltung weltweit einzigartig.

15. Externsteine im Teutoburger Wald: Die Externsteine bei Horn-Bad Meinburg sind ein spektakuläres erdgeschichtliches Monument. Die 13 Sandsteinfelsen ragen bis zu 38 Meter hoch auf.

Die Externsteine bestehen aus dem Osning-Sandstein der Unterkreide. An ihnen kann man die gebirgsbildenden Vorgänge an der Wende von der Kreidezeit zum Tertiär nachvollziehen. Die Sandstein-Schichten wurden dabei fast senkrecht gestellt.

16. Siebengebirge bei Bonn: Das Siebengebirge und der gegenüberliegende Rodderberg entstanden durch intensive Vulkantätigkeit im Tertiär und Quartär. Auf engstem Raum trifft man hier sehr viele verschiedene vulkanische Gesteine und Erstarrungsformen an.

17. Felsenmeer bei Hemer im Sauerland: Das bizarre "Felsenmeer" ist eine komplexe Natur- und Kulturlandschaft. Es ist etwa 600 Meter lang und 200 Meter breit. Das Felsenmeer entstand durch Verkarstung (Auflösung von Gestein durch Niederschlagswasser und andere Einflüsse) von Kalksteinen im feuchtwarmen Klima des Tertiärs vor 25 Millionen Jahren.

18. Teufelstisch im Pfälzer Wald: Große Gebiete des Pfälzer Waldes werden von verschiedenen Gesteinen aus der Zeit des Buntsandsteins ...

... vor etwa 245 Millionen Jahren aufgebaut. Durch die unterschiedliche Verwitterung der Gesteine erhielt das Wahrzeichen des Pfälzer Waldes, der 14 Meter hohe Teufelstisch, seine pilzartige Form.

19. Vulkaneifel: Keine Landschaft Deutschlands ist so vom Vulkanismus geprägt wie die Eifel. Mehr als 70 Maare gibt es hier. Von den Ausbrüchen in geologisch jüngster Zeit zeugt zum Beispiel das Ulmener Maar, Deutschlands jüngster Vulkan, dessen Kessel durch eine gewaltige Explosion vor rund 10.000 Jahren entstand. Nirgendwo sonst in Deutschland ...

... gewährt die Erde so tiefe Einblicke in ihre Entstehungsgeschichte wie in dem Herzstück der Eifel um die kleine Stadt Daun. Hier brodelte und explodierte es einst ununterbochen. Vor rund 45 bis 35 Millionen Jahren spuckten Schlote zum ersten Mal Gestein aus dem Erdinneren. Auf engstem Raum erzählen 350 kleine und große Vulkane, Maare und erkaltete Lavagänge von der Entstehung der Eifel.

20. Saarschleife bei Mettlach: Sie ist eine der beeindruckendsten Flussschleifen Deutschlands. Der Fluss hat sich hier, dem geringsten Widerstand folgend, einen verschlungenen Weg durch den harten Taunusquarzit gesucht und sich dabei tief in die Landschaft eingeschnitten.

Von der "Cloef" (niederdeutsch für Klippe), rund 130 Meter über dem Talgrund gelegen, bietet sich ein einzigartiger Blick auf die Saarschleife.

21. Pfaffenstein mit Barberine, Elbsandsteingebirge: Das Elbsandsteingebirge ist geprägt durch hohe Felstürme und schroffe Wände. Bis zu 450 Meter Höhenunterschied findet man hier. Die Gesteine ...

... des Elbsandsteingebirges entstanden während der Oberkreide in einem schmalen Meeresarm. An der Grenze zum Tertiär wich das Meer zurück, die Erosion legte die markanten Felsformationen frei.

22. Burgberg von Stolpen: Vor 25 Millionen Jahren brach hier ein Vulkan aus. Der Stolpen ist der Rest des Vulkanbaus aus der erstarrten Lava. 1546 benutzte der Wissenschaftler Georgius Agricola ...

... für die Beschreibung des Stolpener Burgberg-Gesteins zum ersten Mal den Begriff "Basalt".

23. Rochlitzer Porphyr: Seit über 1000 Jahren bereits wird der "Stein der sächsischen Könige" in den Steinbrüchen auf dem Rochlitzer Berg gewonnen. Eine gigantische Vulkanexplosion vor 280 Millionen Jahren warf gasreiches Magma aus; später verfestigten sich die Teilchen zu Gestein. Das ...

... vulkanische Gestein wurde bei vielen bekannten und kunsthistorisch bedeutsamen Gebäuden verwendet. So sind etwa die Rippen des Netzgewölbes der Leipziger Thomaskirche aus Rochlitzer Porphyrtuff.

24. Bodekessel im Harz: Die Bode hat sich im Laufe von Millionen von Jahren entgegen der Hebung des Harzes bis zu 250 Meter tief in den Untergrund eingegraben. Der Bodekessel bei Thale beeindruckt durch steil aufragende Wände, Felsnadeln, ...

... Strudellöcher und Auswaschungskehlen. Dieses Naturschauspiel zieht mit seinem wildromantischen, mystischen Charakter seit jeher die Menschen in seinen Bann und bringt Legenden hervor. So soll hier, an der tiefsten Stelle der Bode, einer Sage zufolge der böhmische Ritter "Bodo" als Hund verwandelt sitzen.

25. Harznordrand mit der Teufelsmauer: Entlang der Harznordrand-Verwerfung wurde der Harz gegenüber seinem Vorland um bis zu acht Kilometer angehoben. Dabei wurden ursprünglich horizontal gelagerte Gesteine steil aufgerichtet. Der Sandstein-Härtling der Teufelsmauer zeigt diesen Prozess eindrucksvoll. Die vier Kilometer lange ...

... Teufelsmauer und eine dazugehörige Fläche von 135 Hektar bilden eines der ältesten Naturschutzgebiete in Deutschland. Die Sandsteinklippen haben bereits seit dem Jahr 1852 den Rang eines Naturschutzdenkmals.

26. Helgoland: Die rote Felseninsel Helgoland, ein "geologischer Aufschluss im Meer", ist ein weltbekanntes Wahrzeichen Deutschlands.

Helgoland besteht aus zwei Inseln über einem Salzstock in der Tiefe. Die Hauptinsel ist aus leuchtendrotem Buntsandstein, die "Düne" aus eiszeitlichen Ablagerungen über Muschelkalk und Kreide.

27. Morsum-Kliff auf Sylt: Das Kliff ist eine sich über knapp 2 Kilometer im Osten der Insel Sylt erstreckende Steilküste. Sie ist aus Schichten des Braunkohle- und des Eiszeitalters aufgebaut. Die zum Teil leuchtend orange gefärbten Ablagerungen wurden vor etwa 12 bis 2 Millionen Jahren im Meer und in Flüssen abgelagert ...

... und dann zu Gesteinen verfestigt. Durch die Inlandgletscher wurden die Gesteine zu mehreren Lagen (Schollen) aufgestaucht und schräggestellt, so dass sie heute in der Reihenfolge ihrer Entstehung nebeneinander (und nicht übereinander) im Kliff zu sehen sind.

28. Bohlen bei Saalfeld: Der Bohlen ist eine etwa 800 Meter lange und bis zu 100 Meter hohe Felswand am rechten Ufer der Saale - ein steinernes Zeugnis der Kollision zweier Kontinente. Die Steilwand mit ihren gefalteten und geschieferten Gesteinen des Oberdevons und des Unterkarbons ist reich an Fossilien und seit über 150 Jahren Gegenstand internationaler Forschung.

29. Schieferbrüche Lehesten: Die von Bergleuten per Hand bearbeitete Steilwand in den ehemals größten Schieferbrüchen Europas sowie die historische Schachtanlage ...

... und die Schiefer-Spalthütte bilden ein spannendes Ensemble. Schiefer wurde hier ab 1300 abgebaut, zuerst aus kleinen Brüchen, später aus einem Tagebau, ab 1975 bis 1999 nur noch unter Tage.

30. Kristallgrotte im Erlebnisbergwerk Merkers: Hier haben die Erdkräfte über Jahrmillionen Salzkristalle von einzigartiger Größe gebildet. Im Tertiär konnte Wasser in Hohlräume der mächtigen Salzablagerungen ...

... des vor rund 260 Millionen Jahren gebildeten Zechsteins eindringen. Es bildeten sich Salzkristalle von bis einen Meter Kantenlänge. Das ist weltweit einzigartig und kann in 800 Metern Tiefe besichtigt werden.

Abgestimmt werden konnte bis zum 12. September 2012 auf sielmann-stiftung.de. Gewonnen hat ...

... mit großem Anstand: Helgoland. Etwa 20 Prozent der rund 14.000 Wähler haben für die deutsche Hochseeinsel gestimmt.

Auf Platz 2, ziemlich abgeschlagen mit etwa 10,5 Prozent, kam die Saarschleife bei Mettlach ...

... vor der Blaubeurer Alp mit dem Blautopf mit etwa 9,4 Prozent. (Text: Andrea Beu, mit Informationen der Sielmann-Stiftung)

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