Bilderserie
Samstag, 09. Juli 2016

"Waterloo-Gebiss" mit Zähnen gefallener Soldaten: Museum zeigt älteste Zahnarztpraxis der Welt

Bild 1 von 12
Zum Zahnarzt gehen ja die wenigsten Menschen gern. Ins Museum hingegen schon eher mal. Ein Dentalmuseum könnte da eine interessante, informative Brücke schlagen - obwohl: Für schwache Nerven sind die Exponate nichts. Furchteinflößend ist zum Beispiel ... (Foto: dpa)

Zum Zahnarzt gehen ja die wenigsten Menschen gern. Ins Museum hingegen schon eher mal. Ein Dentalmuseum könnte da eine interessante, informative Brücke schlagen - obwohl: Für schwache Nerven sind die Exponate nichts. Furchteinflößend ist zum Beispiel ...

Zum Zahnarzt gehen ja die wenigsten Menschen gern. Ins Museum hingegen schon eher mal. Ein Dentalmuseum könnte da eine interessante, informative Brücke schlagen - obwohl: Für schwache Nerven sind die Exponate nichts. Furchteinflößend ist zum Beispiel ...

... der sogenannte Pelikan. Ab dem Jahr 1320 diente er zum Herausbrechen der Backenzähne. Das eiserne Werkzeug mit Abstützplatte und einem langen Haken ist eines von etwa 500.000 Stücken im Dentalhistorischen Museum in Colditz bei Leipzig. Auch martialisch anmutende Handbohrer, Zahnhebel und Goldplombierhämmer zeigt die wohl größte derartige Schau in Deutschland. (im Bild: Zahnmedizinische Instrumente aus der Zeit des Hofzahnarztes von Friedrich II., Philipp Pfaff, um 1750)

Zusammengetragen hat sie Andreas Haesler, selbst Zahntechniker. Werke aus 170 Bibliotheken aus dem In- und Ausland gehören ebenfalls dazu. "Erst jüngst ...

... habe ich die Bestände des Dentalhistorischen Institutes in Wien nach Colditz holen können", sagt Haesler. Die nach Angaben des Sammlers älteste Zahnarztpraxis der Welt aus dem Jahre 1750 gehört zu den neuesten Exponaten, ... (Bild: Zahnarztstuhl aus den 1930er-Jahren)

... sie ist erst seit Kurzem zu sehen. Es ist das Behandlungszimmer des Hofzahnarztes von Friedrich II., Philipp Pfaff. Zum Teil sind es Original-Gegenstände, zum Teil bauten Haesler und seine drei Mitstreiter die Einrichtung nach. "Viele Stunden Recherche und drei Jahre Arbeit hat es gedauert, um jedes Detail originalgetreu aussehen zu lassen", sagt Haesler.

Zahnmedizinische Sammlungen gibt es in der Regel in Deutschland an den Universitäten. Acht rein zahnmedizinische Kollektionen existieren, ... (im Bild: aus dem ersten Dentallabor für die Herstellung von Zahnersatz aus der Zeit um 1880)

... keine davon hat eine Ausstellungsfläche von mehr als 250 Quadratmetern. In Colditz präsentiert Haesler Exponate auf 300 Quadratmetern. (im Bild: eins der ersten Kautschuk-Gebisse mit Gebissfedern und Porzellanzähnen aus dem Jahr 1863)

Hinzu kommen 3000 Quadratmeter der wissenschaftlichen Bibliothek mit zum Teil Jahrhunderte alten Schriften zur Zahnheilkunde. (Bild: ein sogenanntes "Waterloo-Gebiss" mit den Zähnen gefallener Soldaten aus der Zeit um 1880)

Die Anfänge der Sammlung gehen auf das Jahr 1990 zurück. Damals kaufte Haesler eine Praxis eines Kollegen auf. Es sprach sich schnell herum, dass der Zahntechniker ein Faible für historische Gerätschaften hat. "Die Leute kamen auf mich zu und boten mir die Sachen an", berichtet er. Um alles unterzubringen, mietete er vier Häuser an. (Bild: Ein erstes Dentallabor für die Herstellung von Zahnersatz aus der Zeit um 1880)

Mehr als 2500 Jahre sind manche Exponate alt. Dazu zählen Zahn- und Zungenreiniger aus dem Orient sowie Pinzetten und Spatel aus der römischen Zeit. Zu der Sammlung gehören zudem Zahnbürsten aus dem spanischen Königshaus und eine Dokumentation über Zahnanomalien. Auch einige Merkwürdigkeiten sind dabei: etwa eine "Kaumaschine" - eine Art Gebiss aus Kuhknochen. Im Bild: Ein etruskischer Zahnersatz mit einem Goldband und eingenieteten Zähnen aus der Zeit um 500 v. Chr.

Der Schatz von Haesler hat sich mittlerweile auch in der Filmbranche herumgesprochen. Für 46 Film- und Fernsehbeiträge hat das Museum schon Sprechzimmer eingerichtet. Darunter waren die Neuverfilmung der "Buddenbrooks", der Streifen "Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki" und die Helge-Schneider-Filme "00 Schneider". (Bild: Behandlungszimmer für reiche Herrschaften aus der Zeit der "Buddenbrocks" um 1880)

Mir den Einnahmen finanziere er das Museum zum Teil, dennoch müsse er auch privat zuschießen, denn Fördermittel erhalte er keine, sagt Haesler. Etwa 2000 Besucher, auch aus dem Ausland, kämen jährlich - sein Ziel seien 20.000 Gäste. (abe/dpa)

weitere Bilderserien