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Dienstag, 22. Januar 2008

Opfer des Biosprit-Booms: Orang-Utans

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Orang-Utans sind auch nur Menschen. Waldmenschen nämlich. Nichts anderes bedeutet ihr Name übersetzt.

Orang-Utans sind auch nur Menschen. Waldmenschen nämlich. Nichts anderes bedeutet ihr Name übersetzt.

Orang-Utans sind auch nur Menschen. Waldmenschen nämlich. Nichts anderes bedeutet ihr Name übersetzt.

50.000 von ihnen gibt es noch in der schrumpfenden Wildnis von Borneo.

Das sind 50.000 weniger als noch vor wenigen Jahren.

Die Tiere sterben reihenweise, denn ihre Heimat, der Regenwald, wird zerstört.

Die indonesische Regierung hat inzwischen ein umfangreiches Schutzprogramm angekündigt. Das war dringend nötig, denn ...

... wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, sind Orang-Utans bis zum Jahr 2050 ausgestorben.

Paradoxerweise ist es ausgerechnet der Klimawandel, der die Orang-Utans rettet.

Denn plötzlich haben die Regierungen die tropischen Wälder für den Klimaschutz entdeckt. Bäume und Unterholz speichern Unmengen an Kohlenstoff. Wenn sie abgeholzt werden, ...

... geht dieser - in Kohlendioxid (CO2) verwandelt - in die Atmosphäre und heizt das Klima an.

Bislang war das industriearme Indonesien weltweit beim Ausstoß von CO2 die Nummer drei, und das allein wegen der Brandrodung von Urwäldern.

Die zwölf indonesischen Distrikte im Herzen Borneos gehören zu den ärmsten des Landes.

Ihre Wirtschaftsleistung liegt bislang fast ausschließlich in der zerstörerischen Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Nun, nach der Ankündigung des Schutzprogrammes, ...

... ist Indonesien auf die Hilfe von Partnern angewiesen. Für den Erhalt der Wälder und die Vermeidung von Emissionen will die Regenwaldnation Geld sehen. So engagiert sich auch die deutsche Bundesregierung in Indonesien für den Waldschutz.

Den Orang-Utans ist das mehr als recht.

Ihr Lebensraum schrumpft mit jedem abgeholzten Hektar.

Meist werden die gerodeten Flächen in Palmölplantagen verwandelt.

Palmöl wird seit langem in Kosmetika und Nahrungsmitteln verwendet.

Aber seitdem die EU und andere Staaten den Biosprit auf Palmöl-Basis als Beitrag zum Klimaschutz entdeckt haben, floriert das Geschäft erst richtig.

"Die Europäer wollen umweltfreundlicher werden, aber viele machen sich nicht klar, dass damit die Natur in Indonesien zerstört wird", sagt Iwan Wibisono von der Umweltstiftung WWF.

"Die Zerstörung der Urwälder zum Anbau von Ölpalmen ist nichts anderes als Klimavandalismus", meint Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace.

Deutschland importiert jedes Jahr etwa 950.000 Tonnen Palmöl.

Das Ziel der EU, bis 2020 einen Anteil von 10 Prozent Agrokraftstoffen am Gesamtkraftstoffverbrauch zu erreichen, hat den Palmöl-Boom beschleunigt.

Unter dieser Maßgabe würden im Namen des Klimaschutzes die letzten Regenwälder gerodet. "Damit wäre dem Klimaschutz ein Bärendienst erwiesen", warnt Kaiser.

Jeden Tag werden allein in Zentral-Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos, 30 Hektar Regenwald abgeholzt.

Allein dort kommen jeden Monat 50 Orang-Utans ums Leben.

Insgesamt werden in Indonesien jährlich zwei Millionen Hektar kohlenstoffreicher Torfwälder gerodet.

Zwischen 1995 und 2005 hat sich die mit Palmölplantagen bepflanzte Landfläche fast verdreifacht, in den vergangenen 20 Jahren annähernd verzehnfacht.

"Die Palmölplantagen sind die schlimmste Bedrohung für die Tiere", sagt Lone Nielsen, die in der Nähe von Palangkaraya in Kalimantan eine Auffangstation für Orang-Utans aufgebaut hat.

Nielsen führt eine mobile Truppe an, die vor allem Orang-Utan-Babys aus den Plantagen rettet.

Meist rufen die Plantagenwächter an. Wenn die Retter kommen, ...

... liegt die Orang-Utan-Mutter oft erschossen zwischen den Ölpalmen. Orang-Utans gelten als Plage, ...

... denn sie machen sich aus Verzweiflung über die Früchte der Ölpalmen her. Für die Affen ist das eigentlich kein Problem. Sie finden Ölpalmen äußerst nahrhaft.

Aber es gibt in den Plantagen keine Versteckmöglichkeiten.

Die großen Orang-Utans werden erschossen, bei den Kleinen bringen die Wachen den Schuss oft nicht übers Herz.

Einmal in der Auffangstation angekommen, checken Nielsen und ihre 160 Mitarbeiter die Tiere auf Krankheiten ...

... und setzen sie dann bestenfalls wieder in der Wildnis aus.

Die Kleinen bleiben länger. Sie werden in der Auffangstation aufgepäppelt ...

... und bekommen von Übungsleitern das Affe-Sein beigebracht.

Mit 600 Tieren ist Nielsen mittlerweile an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Manchmal kommen mehr als zehn Tiere im Monat an.

Abends ist bei ihnen Spielen angesagt, ...

... tagsüber heißt es Lernen im Übungsdschungel.

Dort zeigen Menschmenschen den Waldmenschen, ...

... wie sie Früchte und Insekten zum Überleben finden können.

Die Tiere werden auf die Rückkehr in die Wildnis vorbereitet.

Aufseher legen zum Beispiel Plastikschlangen aus und machen dann wilde Panikgeräusche, um den Orang-Utans zu zeigen: Gefahr.

Die Tiere schauen sich das Verhalten ab.

Sie sind schlau.

Das Erbgut von Menschen und Orang-Utans gleicht sich zu 97,5 Prozent.

Ebenso wie bei uns, wirken Gähnen und Lächeln auch unter Orang-Utans ansteckend.

Und sie können mit uns kommunizieren. Wenn Orang-Utans von ihrem Pfleger einen Snack haben wollen, zeigen sie das durch eine entsprechende Geste. Dabei finden sie schnell heraus, welche Gesten zum Erfolg führen.

Auch künstlerisch tätige Orang-Utans ...

... gibt es häufiger.

In Nielsens Auffangstation tollen die kleinen Orang-Utans wie Menschenkinder auf der Wiese herum.

"Sie sind meine Babys", erklärt die Tierschützerin.

Zeitweise haben 16 der kleinsten und schwächsten Orang-Utans in Kinderbetten in ihrem Haus gewohnt.

"Mit vier Babysittern", wie Nielsen sagt.

In Käfigen sind in ihrer Auffangstation nur die großen Orang-Utans untergebracht.

Die Männer unter ihnen können bis zu 90 Kilogramm schwer werden.

Für menschliche Zärtlichkeiten haben sie wenig Sinn.

Ein ausgewachsener Orang-Utan kann einen erwachsenen Menschen ohne weiteres von den Beinen reißen.

Die Tiere sind von Natur aus Einzelgänger.

Ihre Heimat will Indonesien jetzt zusammen mit Umweltorganisationen nachhaltig schützen. Mehr Wälder sollen ganz unter Naturschutz gestellt werden.

Die Orang-Utans, die von Plantagen gerettet wurden, sollen bis 2015 wieder in die Natur entlassen werden.

Die Besitzer von Holz-, Papier- und Palmölplantagen sollen künftig bei der Vergabe von Abholzlizenzen auch zum Waldschutz verpflichtet werden.

Die indonesische Regierung hofft, für die damit vermiedenen CO2-Emissionen Zertifikate an Treibhausgasverursacher verkaufen zu können, die ihren Ausstoß senken müssen.

So besteht Hoffnung für Indonesiens Waldmenschen.

Orang-Utans werden nämlich bis zu 60 Jahre alt, ...

... wenn man ihnen ihren Lebensraum lässt.

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