Bilderserie
Mittwoch, 06. Juni 2018

Roboter, Algen und Unterwäsche: Womit Gerst auf der ISS experimentiert

Bild 1 von 19
Der deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst startet mit einer "Sojus"-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS - seine zweiter Langzeitaufenthalt auf der Raumstation. Dort wird er nicht nur herumschweben, sondern sich vor allem der Forschung widmen. (Foto: picture alliance / Esa/ESA/dpa)

Der deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst startet mit einer "Sojus"-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS - seine zweiter Langzeitaufenthalt auf der Raumstation. Dort wird er nicht nur herumschweben, sondern sich vor allem der Forschung widmen.

Der deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst startet mit einer "Sojus"-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS - seine zweiter Langzeitaufenthalt auf der Raumstation. Dort wird er nicht nur herumschweben, sondern sich vor allem der Forschung widmen.

Seine Mission hat der als Astro-Alex populär gewordene Gerst unter das Motto "Horizons" (Horizonte) gestellt. Bei seinem Aufenthalt wird der 42-Jährige erneut an zahlreichen Experimenten beteiligt sein.

So kommt auf der ISS zum ersten Mal eine künstliche Intelligenz zum Einsatz, die unter anderem Stimmen und Gesichter erkennen kann. Das mobile Assistenzsystem Cimon soll Gerst bei seinem Alltag auf der Station unterstützen. Mit Cimon soll unter anderem die Interaktion mit künstlicher Intelligenz über längere Phasen erprobt werden.

Premiere wird auf der ISS auch das Fluoreszenzmikroskop Flumias feiern. Mit ihm lassen sich Vorgänge in Zellen live beobachten.

Die Nasa-Forschungsapparatur Cal (Cold Atoms Lab) ist ein Minilabor zur Erforschung ultrakalter Atome. Im "Cal" werden Atomwolken auf die kälteste Temperatur im gesamten Universum herabgekühlt - fast auf den absoluten Temperaturnullpunkt. Sie können unter anderem beim beim Entwickeln von Quantencomputern bedeutsam sein.

Die Meteron Supvis-Experimente sollen zeigen, dass sich intelligente Roboter auf Planetenoberflächen durch Astronauten im Orbit steuern lassen. Gerst soll im Rahmen des Versuchs dem Roboter Rollin' Justin in Oberpfaffenhofen von einem Tablet auf der ISS aus Befehle erteilen.

Das Experiment Gene Control Prime sucht Hinweise auf die Wirkung der Weltraumbedingungen auf das menschliche Immunsystem und den Knochenstoffwechsel. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die generellen Ursachen von Immunschwäche zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln.

Bei Icarus werden Tierwanderungen weltweit von der ISS aus verfolgt. Auf der Erde sammeln kleine Sender Standortdaten etwa von Singvögeln. Die Daten werden dann zur ISS gesendet, wo sie dekodiert und zur russischen Bodenstation weitergeleitet werden. Schließlich werden sie in eine Datenbank eingespeist.

Beim Experiment "Metabolicspace" handelt es sich um ein am Körper tragbares Analysesystem für Körper- und Stoffwechselfunktionen. Im Gegensatz zu bisherigen Messsystemen kommt "Metabolicspace" ohne hinderlichen Kabelsalat aus - es handelt sich um einen Gurt.

Wie verhält sich das Immunsystem bei längeren Aufenthalten von Menschen im All? Dieser Frage geht das Experiment Immuno-2 nach. Neben Schwerelosigkeit und Strahlung schwächen vielfältige Stressfaktoren wie Isolation, Arbeitsbelastung und Störungen des Schlafrhythmus das Immunsystem.

Den sogenannten Elektromagnetischen Levitator (EML) installierte Gerst bereits am Ende seiner "Blue Dot"-Mission 2014 auf der Raumstation. Mit dem EML werden Untersuchungen gemacht, die beispielsweise für die Optimierung industrieller Gießprozesse wichtig sind.

"Myotones" ist eines der medizinischen Experimente, an denen Gerst teilnehmen wird. Wissenschaftler wollen damit die biomechanischen Eigenschaften des ruhenden menschlichen Muskels untersuchen. Die Ergebnisse sollen auch in die Rehabilitation nach Knochenbrüchen einfließen.

Das Training von Astronauten ist anstrengend und manchmal auch äußerst unbequemen, das soll das Experiment "Spacetex 2" verbessern. Dabei handelt es sich um eine speziell für die ISS hergestellte Funktionskleidung, die den Wärmeaustausch optimieren soll.

Damit Astronauten im Weltall überleben können, müssen sie mit Sauerstoff und Nahrung versorgt werden. Das Photobioreaktor-Experiment soll einen Teil des überschüssigen CO2 aus der Kabinenluft in der ISS Mikroalgen zur Photosynthese zur Verfügung stellen, wodurch Sauerstoff erzeugt wird. Gleichzeitig wird mit den Algen essbare Biomasse produziert.

Beim Experiment "Asim" der europäischen Weitraumagentur Esa geht es um Gewitterstürme in der oberen Erdatmosphäre, die seit vielen Jahren von Wissenschaftlern beobachtet werden. "Asim" soll mindestens zwei Jahre lang die Wechselwirkung zwischen Gammastrahlung, Blitzen und Entladungen in der Hochatmosphäre beobachten.

Nur in der Schwerelosigkeit der ISS funktioniert das Experiment Soft Matter Dynamics: Bei ihm wird die Dynamik von Granulaten untersucht. Unter der Schwerkraft der Erde wäre das nicht möglich, da sich die Partikel schnell am Boden ablagern würden. Wichtig könnten die gewonnenen Erkenntnisse etwa für die Verarbeitung von Getreide und Kunststoff-Granulat sein.

Auch beim Plasmakristallexperiment PK-4 ist die Schwerelosigkeit von großer Bedeutung. Bei diesem Versuch sollen jedoch Plasmen untersucht werden. Diese ISS-Anlage soll grundlegende Erkenntnisse ermöglichen, die bei der Fusionsforschung und im Bereich technischer Flüssigkeiten helfen könnten.

Die Raumstation ISS durchfliegt das Erdmagnetfeld mit 28.000 Kilometern pro Stunde - ideale Bedingungen für das Experiment MFX. Mit diesem wird die Wechselwirkung zwischen dem Erdmagnetfeld und einem elektrischen Leiter, der sich mit hoher Geschwindigkeit durch dieses Feld bewegt, untersucht.

Auch mit einer Zeitkapsel wird sich Gerst auf der ISS befassen. Sie ist allerdings kein wissenschaftliches Experiment: Die Aluminiumkugel enthält auf einem Datenträger gespeicherte Zukunftsvorstellungen von Schülern. Gerst wird die Zeitkapsel auf der ISS versiegeln und nach seiner Rückkehr dem Bonner "Haus der Geschichte" übergeben.

weitere Bilderserien