Missbrauch an der Odenwaldschule100.000 Euro für die Opfer
Seit März schockieren immer neue Enthüllungen über Missbrauchsfälle an der renommierten Odenwaldschule die Öffentlichkeit. Nach einigen Einrichtungen der Kirche will auch sie ihre Missbrauchsopfer entschädigen. Die finanzielle Hilfe soll schnell über die Bühne gehen. Es gibt aber auch kritische Stimmen.
Die Odenwaldschule will rund 50 Opfern von sexuellem Missbrauch insgesamt mindestens 100.000 Euro Entschädigung zahlen. Das Geld solle noch im Laufe des Jahres dem von Opfern gegründeten Verein "Glasbrechen" überwiesen werden, sagte der Vorstandsvorsitzende der Odenwaldschule, Michael Frenzel, der "Frankfurter Rundschau". "Da wird konkret etwas passieren", zitiert ihn die Zeitung.
Die frühere Bundesfamilienministerin Rita Süssmuth (CDU) hatte dagegen bei einem Besuch der Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim Hoffnungen auf eine finanzielle Entschädigung der Missbrauchsopfer gedämpft. "Es fehlt nicht an der Bereitschaft dazu", sagte Süssmuth. "Aber ich muss dann auch sagen, aus welchen Mitteln das Geld kommen soll." Die Schule selbst könne dies nicht bezahlen. "Das Problem der Entschädigung ist ungelöst."
Mehr Opfer, mehr Fälle
Zuvor war bekannt geworden, dass an der Schule mehr als die bisher bekannten 50 Schüler zu Opfern sexuellen Missbrauchs geworden sind. In ihrem Abschlussbericht zu Übergriffen an dem hessischen Elite- Internat würden "weitere Fälle hinzukommen", sagte die Anwältin Claudia Burgsmüller. Sie ermittelt im Auftrag der Schule. Der Bericht solle im November vorliegen.
Die Zunahme dürfte vermutlich aber nicht drastisch ausfallen. Ein erster Bericht nannte den Zeitraum zwischen den 1960er und Anfang der 1990er Jahre. Es gab etwa ein Dutzend Ermittlungsverfahren, die Staatsanwaltschaft stellte diese auch wegen Verjährung ein. Der Skandal sorgt seit März für großes Aufsehen.