Panorama

Lokführer übersieht Stoppsignal 18 Tote in Belgien

Beim Zusammenstoß zweier Nahverkehrszüge in der Nähe von Brüssel kommen 18 Menschen ums Leben, darunter ein Kind. Die Wucht der Aufpralls lässt die Züge buchstäblich abheben. Viele Passagiere sind stundenlang in den Trümmern eingeschlossen.

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Die Wucht das Aufpralls schon die ersten Waggons in die Höhe.

(Foto: AP)

Ein unachtsamer Zugführer hat eines der schwersten Zugunglücke Belgiens seit mehr als 30 Jahren mit mindestens 18 Toten verursacht. Der Lokführer hatte ein rotes Stoppsignal übersehen. Bei dem Unglück prallten im morgendlichen Berufsverkehr in Buizingen bei Brüssel zwei voll besetzte Regionalzüge zusammen.

In den Trümmern starben nach Angaben des Gouverneursvon Flämisch-Brabant, Lodewijk De Witte, 18 Menschen, darunter ein Kind. Zudem wurden 162 Fahrgäste verletzt, elf von ihnen schwer. Noch Stunden nach dem Unglück hatten Rettungsmannschaften daran gearbeitet, Eingeschlossene aus den umgekippten und zum Teil ineinander verkeilten Waggons zu holen. "Normalerweise dürften jetzt keine Opfer mehr in den Waggons liegen", sagte De Witte. am Abend. Die Identifizierung der Toten sei sehr schwierig und werde mehr als 24 Stunden dauern, fügte der Gouverneur hinzu.

Stoppsignal übersehen

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Schnee ein Kälte erschwerten die Rettungsarbeiten.

(Foto: REUTERS)

Der Lokführer von der Regionalbahn aus Löwen habe ein Stoppsignal übersehen, sagte De Witte. Vermutlich spielte das schlechte Wetter mit dichtem Schneefall eine Rolle. Der Fahrplan sei durcheinandergeraten, da der entgegenkommende Zug zehn Minuten Verspätung hatte.

Nach Angaben des belgischen Bahnbetreibers Infrabel war die Strecke mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, das Züge beim Überfahren eines roten Signals automatisch stoppt. Doch es seien noch nicht alle Züge damit ausgerüstet.

Bild der Verwüstung

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Der Unfallort bietet ein Bild der Verwüstung.

(Foto: REUTERS)

Nach Angaben des Krisenzentrums der Polizei waren unter den 18 Toten 15 Männer und drei Frauen. In den voll besetzten Zügen saßen laut Bahngesellschaft SNCB 250 bis 300 Menschen. Einige Fahrgäste wurden eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr befreit werden. Schneefall und eisige Kälte behinderten die Bergungsarbeiten. Zum Schutz gegen Minusgrade wurden die Verletzten in Wärmedecken gehüllt. Der internationale Zugverkehr nach Frankreich und England war unterbrochen. Der Unfall ist das schwerste Zugunglück in Belgien seit 1974.

Vor Ort bot sich an der Unfallstelle ein Bild der Verwüstung. Bei dem Unfall waren die Züge auf dasselbe Gleis zugerollt und seitlich gegeneinandergeprallt. Die Wucht des Aufpralls schob die beiden ersten Waggons im 45-Grad-Winkel nach oben. Darunter verkeilte sich ein weiterer Waggon, mehrere Wagen sprangen aus den Schienen.

Das Unglück ereignete sich am Morgen gegen 8.30 Uhr zwischen den Bahnhöfen Buizingen und Halle am südwestlichen Brüsseler Stadtrand. Ein Zug fuhr von Löwen nach Braine-le-Comte südlich von Brüssel. Der zweite Zug war von der französisch-belgischen Grenze vom Ort Quievrain nach Lüttich unterwegs.

Opferzahl kann noch steigen

Die Behörden hatten zunächst unterschiedliche Angaben zur Zahl der Toten gemacht. Eine erste Bilanz wurde am Nachmittag gezogen. "Wir gehen von 18 Todesopfern aus. Die Zahl könnte auf maximal 20 steigen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Brüssel. Da die Bergungsarbeiten andauerten, gebe es noch keine endgültige Zahl. Die Identifizierung der Opfer dauere an. Die Spurensucher sammelte auch am Nachmittag noch Kleidungsstücke und Wertgegenstände am Unfallort ein.

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König Albert II. (2.v.r.) sowie Premierminister Yves Leterme (l) begaben sich zum Unglücksort.

(Foto: REUTERS)

"Es war wie ein Erdbeben", sagte ein Augenzeuge. Ein anderer berichtete, der Zug habe hart gebremst. "Dann hörten wir einen lauten Knall und ich sah einen Waggon an meinem Fenster vorbeischlittern." Die Fahrgäste seien nach vorne geschleudert worden und auf den Boden gefallen. Nach dem Aufprall hätten einige Passagiere ein Fenster eingeschlagen und seien herausgeklettert.

Die Feuerwehr brachte die Schwerverletzten in umliegende Krankenhäuser, die Leichtverletzten wurden in einem Sportzentrum in Halle behandelt und psychologisch betreut. Die Behörden richteten ein Krisenzentrum und eine Notrufnummer für Angehörige ein. Das Rote Kreuz rief zum Blutspenden auf. Der belgische König Albert II. sowie Premierminister Yves Leterme begaben sich zum Unglücksort.

Zugverkehr steht still

Da die Waggons die Gleise zum zentralen Bahnhof Brüssel-Midi blockierten, kam der internationale Zugverkehr nach Frankreich und England zum Erliegen.

Auch für Dienstag hat die belgische Bahn SNCB den Verkehr zwischen Belgien und Frankreich ausgesetzt. Wie die französische Bahn SNCF und die Gesellschaft des Hochgeschwindigkeitszugs Thalys erklärten, sei die belgische Hauptstadt nach dem "dramatischen Bahnunfall" weiterhin nicht erreichbar. Vorrang hätten die Bergungs- und Räumarbeiten.

Thalys forderte die Reisenden auf, Fahrten nach Brüssel zu verschieben. Der Hochgeschwindigkeitszug TGV mit Ziel Brüssel werde in Lille enden, hieß es. Sowohl in Lille als auch am Bahnhof Gare du Nord in Paris würden Mitarbeiter Reisende informieren.

Quelle: n-tv.de, dpa