Panorama

Riss in der Außenhülle der 777? Angehörige verklagen Boeing und Airline

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Die Trauer der Angehören der Opfer von Flug MH370 ist groß.

(Foto: REUTERS)

Das Schicksal von Flug MH370 ist auch drei Wochen nach seinem Verschwinden ungewiss. Die Ermittler sind davon überzeugt, dass die Maschine abgestürzt ist. Flugzeughersteller und Airline müssen mit Millionenklagen rechnen.

Trotz neuer Satellitenbilder bleibt die Suche nach dem verschollenen malaysischen Flugzeug schwierig. Die Fotos aus dem All lassen Trümmerteile vermuten, doch keines der Objekte konnte bislang geborgen werden. Damit bleibt das Schicksal der seit fast drei Wochen verschwundenen Boeing mit 239 Menschen an Bord letztlich ungewiss. Wegen schlechten Wetters wurde die Suche nach Wrackteilen im Indischen Ozean vor der australischen Küste erneut unterbrochen.

Eine Anwaltskanzlei aus Chicago bereitet indes eine Millionen-Klage gegen den Flugzeughersteller Boeing und Malaysia Airlines vor. Marvi Mateo, ein Anwalt der US-Kanzlei Ribbeck Law Chartered, sagte, er mache einen Konstruktionsfehler am Cockpit für den Absturz des Unglücksfluges MH370 verantwortlich.

"Experten haben uns bestätigt, dass ein Riss in der Außenhülle für einen Druckabfall im Cockpit geführt haben könnte", sagte Mateo. Die Kanzlei vertrete viele Hinterbliebene der Opfer, unter anderem Januari Siregar aus Indonesien, der das juristische Vorgehen eingeleitet habe. Eines seiner Familienmitglieder sei an Bord des Flugzeugs gewesen.

Klage wegen technischen Defekts

Die Anwaltskanzlei forderte von Boeing und Malaysia Airlines eine Liste von Dokumenten zur Einsicht. Mateo erhofft sich eine rasche Antwort der beiden Unternehmen. "Da wir unsere Klage voraussichtlich auf einen technischen Defekt stützen werden, können wir das auch tun, wenn das Flugzeug nicht geborgen werden kann", sagte er.

Bis eine Klage vor Gericht eingereicht wird, könnten noch einige Wochen vergehen, meinte der Anwalt. Ein Prozess werde vermutlich Jahre dauern. Eine Sprecherin der Airline sagte, dies sei das gute Recht der Angehörigen. "Wir setzen uns damit auseinander, wenn es kommt."

Zwei Meter lange treibende Objekte

Ein thailändischer Satellit erfasste Medienberichten zufolge unweit des Suchgebiets etwa 300 treibende Objekte. Die Bilder seien am vergangenen Montag gemacht worden, zitierte die Zeitung "The Nation" den Geschäftsführer der Geo Informatics and Space Technology Development Agency, Anond Snidvongs, auf ihrer Webseite. Die Fundstelle sei etwa 2700 Kilometer vom australischen Perth und rund 200 Kilometer von jenem Gebiet entfernt, an dem die Absturzstelle vermutet werde, sagte Anond. Einige der Teile seien mehr als zwei Meter lang.

Die größte Suchaktion in der internationalen Luftfahrtgeschichte hatte erst am Mittwoch neuen Auftrieb bekommen. Auf französischen Satellitenaufnahmen war genau im Suchgebiet über viele Kilometer verbreitet eine Art Trümmerfeld entdeckt worden. Die Experten glauben, das 122 Teile von der Boeing 777-200 stammen könnten, die ihrer Überzeugung zufolge am 8. März nach einem stundenlangen Irrflug im Indischen Ozean abstürzte. Die Maschine war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking.

Um die Teile als Wrackteile identifizieren zu können, muss entweder eines der Suchflugzeuge Nahaufnahmen machen oder eines der Schiffe ein Teil bergen. Das gelang bis Donnerstag nicht. Die Satellitenbilder könnte auch gewöhnliches Treibgut zeigen. Schlechtes Wetter zwang elf Suchflugzeuge am Donnerstag zur vorzeitigen Rückkehr an ihren Stützpunkt Pearce bei Perth in Westaustralien.

Schwere Stürme, aufgewühlte See

Das Suchgebiet liegt mindestens drei Flugstunden von jeder Landmasse entfernt. Es ist berüchtigt für schwere Stürme und aufgewühlte See mit meterhohen Wellen, oft erschweren tiefe Wolken die Sicht. Die Wetterbedingungen waren zu gefährlich für niedrige Überflüge. Dennoch: "Die Schiffe sind vor Ort geblieben und suchen weiter", teilte die australische Seesicherheitsbehörde (Amsa) mit.

32 Menschen an Bord waren über Chinas größten Versicherungskonzern China Life versichert, wie ein Unternehmenssprecher der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua sagte. Das Unternehmen habe etwa die Hälfte der Entschädigungssumme von etwa neun Millionen Yuan (rund eine Million Euro) bereits überwiesen. Das Unternehmen Sunshine Insurance hat laut Xinhua 500.000 Yuan an drei Familien ausgezahlt. Die meisten der Passagiere waren Chinesen.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa