Panorama

Zehntausende Menschen fliehen Bangkoks Dämme brechen

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Bis vor die Mauern des Palastes ist das Wasser schon gekommen.

AP

Die Hochwasserlage in Bangkok wird immer dramatischer. Mehrere Dämme brechen, die Flut erreicht das Stadtzentrum. Zehntausende Menschen versuchen, aus der Stadt zu fliehen. Das Auswärtige Amt spricht eine Reisewarnung aus.

Für die gibt es kaum noch ein Halten. Regierungschefin Yingluck Shinawatra bezeichnete die Lage als kritisch. "Wenn wir versuchen, dieser Masse an Wasser zu widerstehen, dann wird das ein Kampf gegen die Natur, den wir nicht gewinnen können." Daher müsse mehr Wasser durch die Stadtkanäle geleitet werden, um den Druck auf Schutzwälle im Norden der Stadt zu verringern. Am bereits geschlossenen Inlandsflughafen Don Muang brachen unterdessen zwei weitere Flutdämme und im Bezirk Sai Mai stiegen die Pegel in zwei Kanälen in kürzester Zeit um 20 Zentimeter. Die ersten Fluten erreichten das Zentrum der Zwölf-Millionen-Metropole, unter anderem den Königspalast.

Der Gouverneur richtete einen dringenden Fluchtappell an die Bewohner des Bezirks. Zehntausende Menschen verließen die Stadt. An den Busbahnhöfen herrschte Hochbetrieb. Auf den Ausfallstraßen lief der Verkehr zäh, aber flüssig, berichteten Autofahrer. Auch auf dem noch funktionierenden Hauptflughafen drängelten sich die Menschen. Die Flüge vom Suvarnabhumi-Airport seien "bis auf den letzten Platz besetzt", sagte Sansern Ngaorungsi von der Tourismusbehörde.

Außenamt rät von Thailand ab Der Deutschen Botschaft zufolge seien die Menschen in der Innenstadt Bangkoks aber noch sicher. "Das Ausmaß und die Auswirkungen der Überschwemmungen sind erschreckend", erklärte in Berlin Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Deutschland habe Thailand und anderen betroffenen Staaten der Region Hilfe angeboten, erste Projekte seien bereits angelaufen. Insgesamt hat das Auswärtige Amt den Angaben zufolge bisher 500.000 Euro für die Bewältigung der Flutkatastrophe in Südostasien bereitgestellt.

Wasserstand wird Barrieren übertreffen

Die Situation für Bangkok wird allerdings immer dramatischer, da am Wochenende zwei Ereignisse zusammentreffen: Wassermassen aus Zentralthailand fließt Richtung Süden, während Hochwasser im Golf von Thailand gegen die Strömung nach Norden drängt. Das führt dazu, dass nicht so viel Wasser abfließen kann, wie in die Stadt strömt.

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Die Bewohner der Hauptstadt versuchen, den Fluten zu entkommen.

(Foto: AP)

Der Leiter des Hydrographischen Instituts der Marine, Nirut Hongprasit, sagte für Samstagabend einen Hochwasserstand von 2,65 Meter für den Fluss Chao Phraya voraus. Die Flutbarrieren sind aber nur 2,50 Meter hoch. Somit würden die 13 flussnahen Bezirke mit Zehntausenden Einwohnern weitgehend überschwemmt werden.

Das Verteidigungsministerium stellte 50.000 Soldaten mit 1000 Booten und 1000 Lastwagen bereit, um bei Evakuierungen in der Millionenstadt zu helfen. 100 Schulen wurden zu Notunterkünften erklärt und sollten Platz für 10.000 Menschen bieten. Durch das Hochwasser sind bisher mehr als 370 Menschen zu Tode gekommen.

Fünf Tage Zwangsurlaub

An den Busbahnhöfen in Bangkok versuchten vor allem Einheimische, Busse in die Provinzen zu erreichen. Es wurden 1000 zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt, ein Drittel mehr als üblich, sagte der Direktor der staatlichen Transport Company, Wuthichart Kalayannamit. "Es gab Riesenandrang. Die meisten Leute hatten keine Reservierungen." In der Hauptstadt beeilten sich die Menschen, Lebensmittel- und Trinkwasservorräte aufzustocken. Manche Läden begrenzten die Einkäufe pro Kopf, um Hamsterkäufe zu verhindern.

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Am Flughafen brach ein Damm, Teile des Rollfelds stehen nun unter Wasser.

(Foto: dpa)

Die Regierung erklärte angesichts der Hochwasserlage die Tage von Donnerstag bis Montag für arbeitsfrei. Etliche Firmen blieben geschlossen. Viele Einwohner haben sich für das lange Wochenende nach Pattaya zurückgezogen, die Hotels sind praktisch ausgebucht. Auf den hoch gelegenen Ausfallstraßen war der Verkehr behindert, weil etliche dort Menschen ihre Wagen auf dem Seitenstreifen geparkt haben.

Festplatten werden teurer

Das Finanzministerium halbierte seine Wachstumsschätzung für dieses Jahr auf zwei Prozent. Das Ministerium für Tourismus befürchtet, das bis zu eine Million Feriengäste dem Land fernbleiben könnten. Der Tourismus trägt sechs Prozent zum thailändischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) und bringt mehr als zwei Millionen Menschen Arbeit. Und in der Hauptstadt werden 41 Prozent der thailändischen Wirtschaftsleistung erwirtschaftet.

Die Flutkatastrophe führt auch zu massiven Ausfällen in der Produktion von Computer-Festplatten. Zudem ist die Autoproduktion ins Stottern geraten. Beim Festplattenhersteller Western Digital hieß es, der Produktionsstopp in zwei Fabriken werde zu Preissteigerungen führen. Bereits kurzfristig seien die Preise für die Datenspeicher um 20 Prozent nach oben geklettert, berichtete die "Bangkok Post". Thailand ist nach China der weltweit zweitgrößte Festplatten-Exporteur. Western Digital beschäftigt in Thailand 37.000 Arbeiter. Wegen Überflutung wurden zwei Fabriken bis auf weiteres geschlossen.

Das Hochwasser hat zudem japanische Autohersteller hart getroffen. Viele von ihnen haben Niederlassungen in der von den Fluten besonders stark betroffenen Region nördlich von Bangkok. Branchenprimus Toyota kündigte für Samstag einen Stopp in vier Produktionsstätten in Nordamerika an, weil fehlende Bestandteile aus Thailand befürchtet werden, teilte der Konzern mit. In bis zu sieben weiteren Staaten soll die Produktion kommende Woche ebenfalls gedrosselt werden. Mitbewerber Mitsubishi erwartet einen Rückgang seiner Autoproduktion in Thailand von bis zu 35.000 Stück.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP/rts

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