Tödlicher Ebola-VirusBerlin lässt Flugzeuge für Infizierte bauen

Die Bundesregierung lässt offenbar ein eigenes Flugzeug für den sicheren Transport von schwer erkrankten Ebola-Patienten entwickeln. Schon Mitte November sollen mehrere dieser speziell ausgerüsteten Maschinen zur Verfügung stehen.
Angesichts des schwierigen Transports von Ebola-Patienten lässt die Bundesregierung nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) ein Spezialflugzeug entwickeln. Dieser Vorschlag des Auswärtigen Amtes sei in einer Staatssekretärsrunde am 19. September vereinbart worden, berichtete die Zeitung. Bis Mitte November sollten solche Flugzeuge zur Verfügung stehen.
Hintergrund ist, dass dann die ersten freiwilligen Helfer aus Deutschland in die von Ebola betroffenen Länder in Westafrika aufbrechen sollen. Den Auftrag, ein solches Flugzeug bereitzustellen, habe die Lufthansa erhalten.
Bisher besitzen weder Deutschland noch ein anderes europäisches Land ein Flugzeug, mit dem hochinfektiöse Ebola-Kranke sicher transportiert werden können. Zwar erwarb die Bundeswehr bereits 20 Isolierzellen, die in sogenannte Medevac-Flugzeuge eingebaut werden können. Sie sind dem Bericht zufolge aber nur für den Transport von leicht Erkrankten geeignet.
Komplette Isolierstation an Bord
Die weltweit einzigen beiden Flugzeuge, die für einen Transport schwer erkrankter Ebola-Patienten ausgerüstet sind, gehören der US-amerikanischen Firma Phoenix Air. Sie wurden auch für Flüge hochinfektiöser Erkrankter nach Deutschland eingesetzt.
Die Maschinen haben eine komplette Isolierstation in Form eines großen Plastikzeltes an Bord, das nach dem Flug verbrannt wird. In ihnen kann nur ein Patient transportiert werden. Jeder Flug kostet dem Bericht zufolge 200.000 Dollar, könne aber im Einzelfall auch bis zu einer Million Dollar kosten. Für die Evakuierung Freiwilliger hat das Auswärtige Amt laut "FAS" derzeit vier Millionen Euro zur Verfügung.Das Auswärtige Amt wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Bericht äußern.
Steinmeier warnt vor Niederlage
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte derweil ein stärkeres Engagement der Weltgemeinschaft im Einsatz gegen die Ebola-Epidemie. "Wir alle haben Ebola unterschätzt. Heute wissen wir, dass wir mit jedem Tag, der ohne konsequentes Handeln vergeht, Gefahr laufen, den Kampf gegen Ebola zu verlieren", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Steinmeier warb dafür, die Anstrengungen noch enger miteinander zu verzahnen: "Die EU muss sichtbarer werden - nicht zuletzt, um der Bevölkerung in der betroffenen Region ein Signal zu senden, dass wir sie nicht allein lassen." Bei einem Treffen mit seinen europäischen Amtskollegen am Montag in Luxemburg solle auch über Wege gesprochen werden, "um solchen Krisen schneller und effizienter zu begegnen".
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Freitagabend ist die Zahl der Ebola-Toten auf mindestens 4555 gestiegen. Demnach wurden mittlerweile 9216 Fälle registriert. Für die kommenden Wochen wird mit deutlich wachsenden Fallzahlen gerechnet. Der Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, sprach nach seiner Rückkehr aus den von der Epidemie betroffenen Gebieten von einer menschlichen Tragödie, die "beklemmend und unfassbar" sei. Die Hilfe laufe nun an, "spät sicherlich, aber nun von vielen Seiten", sagte Lindner der Zeitung.